Show Less
Restricted access

Rechtsprobleme des fremdfinanzierten Immobilien- und Anteilserwerbs

Widerruf und Schadensersatz nach den Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs vom 25. Oktober 2005

Series:

Andrea Bergmann

Nach den Urteilen des Europäischen Gerichtshofs in den Rechtssachen Schulte und Crailsheimer Volksbank aus dem Jahr 2005 atmeten viele Kleinanleger auf: Das Gericht entschied, dass eine Bank bei unterbliebener Belehrung über das Widerrufsrecht die Folgen der Verwirklichung der Risiken zu tragen habe, die mit der finanzierten Kapitalanlage verbunden waren. Mit dieser europäisch vorgegebenen Verbraucherschutzlinie verbanden viele Darlehensnehmer die Hoffnung, von den Verbindlichkeiten der gescheiterten Anlage freigestellt zu werden. Doch wie lässt sich der Inhalt der europäischen Urteile im deutschen Recht umsetzen? Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Ausübung des Widerrufsrechts und der Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen und nimmt zudem verjährungsrechtliche Fragestellungen in den Blick.
Show Summary Details
Restricted access

1. Teil: Einleitung

← 16 | 17 →1. Teil: Einleitung

Extract

Der Abschluss eines Darlehensvertrags zur Finanzierung eines Erwerbs ist ein ganz alltäglicher Vorgang. Ist der Erwerb jedoch auf eine Immobilie gerichtet, so handelt es sich bei dem Abschluss des dazugehörigen Finanzierungsvertrags angesichts der Höhe der Verpflichtung und der Laufzeit des Vertrags um eines der wichtigsten Rechtsgeschäfte überhaupt, die ein Mensch in seinem Leben eingeht.1 Für viele bleibt dies ein einmaliger Akt.2 Angesichts der Bedeutung eines solchen Rechtsgeschäfts und des regelmäßig bestehenden Informationsgefälles zwischen der Erwerber- und der Veräußerer-/Finanziererseite sind klare zivilrechtliche Regelungen zu den (Gestaltungs-)Rechten und Pflichten der Vertragspartner unabdingbar. Sie finden sich heute unter anderem in den §§ 312, 312a, 355, 357-360, 488-503 BGB.

Die Tragweite des Geschäfts und die Unerfahrenheit der Kleininvestoren erfordern in ganz besonderem Maße, dass vor Abschluss der Verträge über alle relevanten Umstände aufgeklärt wird und dem Anleger genug Zeit bleibt, um sich nötige Informationen selbst zu beschaffen. Anfang der 90er Jahre setzte sich in Deutschland jedoch ein Geschäftsmodell durch, das gerade dies verhinderte. Breite Schichten von Anlegern wurden an ihrer Haustüre eingeworben; ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit spielte damals dank der Möglichkeit der Vollfinanzierung durch Kreditinstitute eine sekundäre Rolle.3 Der nach der deutschen Wiedervereinigung ausgelöste Immobilienboom war nicht nur die große Stunde von Gründern, Initiatoren, Bauträgern, Vermittlern und Baulöwen aller Art4, sondern auch die Zeit (heute) missbilligter Vertriebssysteme, die für die ersten Kontaktgespräche auf den unangek...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.