Show Less
Restricted access

Individuierungsverlauf eines Rechtsextremisten

Rekonstruktion der objektiven Lebensdaten von Uwe Böhnhardt

Series:

Heike Würstl

Die Autorin geht in dieser Arbeit der Fragestellung nach, wie aus Uwe Böhnhardt, einem der Kernmitglieder des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), ein rechtsextremistischer Gewalttäter wurde. Sie interpretiert seine objektiven Lebensdaten unter Anwendung der Methode der objektiven Hermeneutik und rekonstruiert den Prozess seiner Subjektwerdung. Damit trägt sie einerseits zur Erforschung des Entstehungs- und Radikalisierungsprozesses des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) bei. Andererseits überprüft sie wissenschaftliche Theorien zum Individuierungsverlauf von Rechtsextremisten. Im Ergebnis zeigt sich, dass Böhnhardt erhebliche Sozialisationsdefizite aufweist, die ihm die Ablösung aus seiner Herkunftsfamilie erschweren und auf die er mit kriminellen Handlungen reagiert.
Show Summary Details
Restricted access

Fazit

Extract



Im Wesentlichen hat die Analyse keine neuen theoretischen Aspekte zur Erklärung der Subjektwerdung von Rechtsextremisten zu Tage gefördert. Lützinger wies bereits auf die Bedeutung traumatischer Krisen und ihrer inadäquaten Bewältigung während der Kindheit hin (vgl. Kap. 3.1). Auch unvollständige Bildungswege und Brüche in den schulischen Karrieren fanden in den bisherigen Forschungsbeiträgen Erwähnung. Gleiches gilt für die polizeilichen Vorerkenntnisse in unpolitischen Deliktbereichen. Übereinstimmend mit König lassen sich auch in hiesiger Untersuchung unbewältigte Konflikte infolge familiärer und schulischer Sozialisationsdefizite als Ausgangspunkt der abweichenden Individuierung feststellen (vgl. ebd.).

Auf der Folie des zu Grunde gelegten Modells vom Lebenslauf als eine Art Verkettung von Krisen, insbesondere den vier ontogenetisch bedingten Ablösungskrisen im Kindes- und Jugendalter, und deren Bewältigung offenbart der hier untersuchte Fall bereits während des Übergangs aus der Mutter-Kind-Symbiose in die ödipale Triade erste Defizite, die sich im weiteren Subjektbildungsprozess fortsetzen. In den eingangs der Arbeit vorgestellten Untersuchungsergebnissen zu Individuierungsverläufen von Rechtsextremisten wird vor allem die Rolle des Vaters beleuchtet. Es seien entweder die schwachen Väter, die ihre Söhne motivieren, Aufmerksamkeitsdefizite durch rechtsextreme Gewalt zu kompensieren, oder die strengen, kontrollierenden Väter. In hiesiger Untersuchung bleibt die Rolle des Vaters eher unterbelichtet. Weder in seinen noch in Uwe Böhnhardts Lebensdaten lassen sich Argumente für oder gegen eine Schwäche oder gesteigerte Autorität des Vaters finden. Einzig die Hypothese des Rückzugs des Vaters aus der Familie...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.