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Gibraltar im 18. Jahrhundert

Die Formung einer multiethnischen und multireligiösen Gesellschaft in der Frühen Neuzeit

Jochen Hausmann

Das Buch beschäftigt sich mit bislang wenig erforschten gesellschaftlichen Entwicklungen der Frühen Neuzeit in Gibraltar, der letzten Kolonie auf dem europäischen Kontinent. Seit der Eroberung im Spanischen Erbfolgekrieg 1704 entwickelte sich dort im Schatten der britischen Garnison und isoliert vom meist feindlichen spanischen Umland eine einzigartige und funktionierende Zivilgesellschaft aus Katholiken, Protestanten und Juden. Die Wurzeln dieser Gesellschaft, die heute über eine starke eigene Identität verfügt, liegen im 18. Jahrhundert – also in einer Zeit, in der die britische Politik nicht gerade durch Toleranz gegenüber Katholiken und Juden gekennzeichnet war.
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8. Die Zivilbevölkerung 1754–1783

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8.Die Zivilbevölkerung 1754–1783

Obgleich die offene Einwanderungspolitik der Gouverneure Gibraltars spätestens nach 1751 beendet war, wuchs die Bevölkerung Gibraltars weiter. So dokumentierten die Zensus von 1767 (2 710)370 und 1777 (3 201)371 einen weiteren Zuwachs der Zivilbevölkerung. Bis 1777 hatte sich die Zivilbevölkerung nahezu verdoppelt. Der Zensus von 1777 offenbarte aber auch, dass dieses Wachstum vor allem auf Natives, also auf in Gibraltar geborene Personen, zurückzuführen war. Von 3201 Einwohnern waren 1661 Natives.372 Diese galten zwar als britische Untertanen und durften somit auch ohne Genehmigung des Gouverneurs siedeln, dennoch konnten sie genau wie alle anderen Bevölkerungsgruppen durch den Gouverneur verbannt werden.373 Das Ziel der britischen Regierung einer mehrheitlich protestantischen Zivilbevölkerung konnte also auch weiterhin nicht erreicht werden. Allerdings war Gibraltar nun auch weniger auf Migration angewiesen, so dass die Gouverneure damit ihre selektive Einwanderungspolitik beibehalten konnten, um nur noch möglichst qualifizierte Migranten nach Gibraltar zu lassen.374 So finden sich ab Anfang der 1750er Jahre immer neue Verordnungen, die die Beherbergung von Personen, die sich ohne Erlaubnis des Gouverneurs in Gibraltar aufhielten, untersagten.375 Zudem wurde 1755 mit Andrew Gavino ein Zivilist damit beauftragt, eine Liste über jeden, der nach Gibraltar einreiste, anzufertigen. Nach Verlassen Gibraltars wurde der entsprechende Name wieder gestrichen.376 Allerdings kann heute nicht mehr geklärt werden, ob und wie lange über 1755 hinaus derartige Einreisekontrollen stattfanden. ← 81 | 82 →

Dass der Zensus von 1777 überhaupt Natives in großer Zahl auswies, hing...

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