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Robert Schumann / Adelbert von Chamisso: «Frauenliebe und -leben»

Interpretation und Analyse

Hans-Udo Kreuels

Hat Schumanns Liederzyklus in unserer heutigen Musikkultur noch eine Daseinsberechtigung? Sind wir heute, wo sich unser Frauenbild gegenüber dem Biedermeier geradezu umgekehrt hat, nicht dazu angehalten, uns mit demjenigen des 19. Jahrhunderts historisch vertraut zu machen? Nicht das Was, das faktische Geschehen im Lebensbogen von Frauenliebe und -leben, sondern das Wie, die Qualität persönlicher Hingabe, ist das psychosensitive Material, welches dem Gedichtzyklus und besonders der Musik Schumanns eine unvergleichliche Sonderstellung einräumt. Neue Forschungsergebnisse werfen ein ganz anderes Licht auf die innere Logik des Liederzyklus. Das Buch legt zudem eine faszinierende Verflechtung von Motivik, Submotivik, Ansätzen von Leitmotivik und einem Spiel mit multiplen Symmetrien offen, welche diese Einheit gewährleisten. Ist es die gegenüber anderen Liederzyklen unerreichte Prägnanz einer neunteiligen Liederfolge, oder ist es ihre unverwechselbare emotionale Aura, die den Hörer – trotz geistiger Vorbehalte – in den Bann zieht? Die musikalische Analyse gibt ebenso Antworten zu psychologischen Wechselwirkungen wie zu musikalischen Wirkungsweisen und Interpretationsansätzen.
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Vorwort

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Es sei zum Beginn darauf hingewiesen, dass diese Schrift etwas Anderes als eine eingegrenzte musikwissenschaftliche Abhandlung oder Aufarbeitung anbietet. Sucht man eine „saubere“, von Annahmen, Emotionen und Animationen freie wissenschaftliche Materialsammlung des Liederzyklus’ „Frauenliebe und -leben“ von Robert Schumann, so möge man sich mit den „Quellenstudien zu Robert Schumanns Liedern nach Adelbert von Chamisso“ von Kazuko Ozawa beschäftigen (veröffentlicht vor genau 25 Jahren im Peter Lang Verlag Frankfurt 1989). Dem Verfasser ging es zum weitaus größten Teil darum, Schumanns, aber auch Chamissos Frauenliebe in unser heutiges Musikumfeld einzuordnen, die nicht ignorierbare Problematik des gesellschaftlich determinierten Frauenbildes der Entstehungszeit zu beleuchten und die davon unbehelligte Kraft einer großartigen musikalischen Schöpfung mittels der Analyse offenzulegen.

In diesem Zusammenhang spielte natürlich Schumanns schöpferischer Schreibimpuls eine, wenn nicht die zentrale Rolle. Das war meine primär in den Blick genommene Aufgabe wie auch mein vorrangiges, „reproduktives“ Abenteuer, denen ich mich stellen wollte, um mich der künstlerischen Ideenwelt Schumanns und der frappierenden Wirkungsweise der Musik zu nähern.

Und zugleich tauchte damit die Frage auf, wieviel Anteiliges an Schumanns eigener Liebesbiographie Frauenliebe und -leben beinhaltet, wieviel von seinem Frauenbild, von seiner Liebe da hineingeflossen ist? Die Tatsache, dass der Komponist sogleich nach seinem gewonnenen Prozess (bzgl. der durch seinen Lehrer und zukünftigen Schwiegervater Friedrich Wieck verwehrten Ehe-Erlaubnis) mit der Niederschrift der ersten Hälfte des Zyklus’ begonnen hat, legt einen Synergie-Effekt, vielleicht aber auch den verschlüsselten Gedanken eines Leitbildes f...

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