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Robert Schumann / Adelbert von Chamisso: «Frauenliebe und -leben»

Interpretation und Analyse

Hans-Udo Kreuels

Hat Schumanns Liederzyklus in unserer heutigen Musikkultur noch eine Daseinsberechtigung? Sind wir heute, wo sich unser Frauenbild gegenüber dem Biedermeier geradezu umgekehrt hat, nicht dazu angehalten, uns mit demjenigen des 19. Jahrhunderts historisch vertraut zu machen? Nicht das Was, das faktische Geschehen im Lebensbogen von Frauenliebe und -leben, sondern das Wie, die Qualität persönlicher Hingabe, ist das psychosensitive Material, welches dem Gedichtzyklus und besonders der Musik Schumanns eine unvergleichliche Sonderstellung einräumt. Neue Forschungsergebnisse werfen ein ganz anderes Licht auf die innere Logik des Liederzyklus. Das Buch legt zudem eine faszinierende Verflechtung von Motivik, Submotivik, Ansätzen von Leitmotivik und einem Spiel mit multiplen Symmetrien offen, welche diese Einheit gewährleisten. Ist es die gegenüber anderen Liederzyklen unerreichte Prägnanz einer neunteiligen Liederfolge, oder ist es ihre unverwechselbare emotionale Aura, die den Hörer – trotz geistiger Vorbehalte – in den Bann zieht? Die musikalische Analyse gibt ebenso Antworten zu psychologischen Wechselwirkungen wie zu musikalischen Wirkungsweisen und Interpretationsansätzen.
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Adelbert von Chamissos Frauen-Liebe und Leben

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Nach seiner sehr erfolgreichen dreijährigen Forschungsreise steigt das Ansehen Adelbert von Chamissos vielerorts und er wird im folgenden Jahr 1819 in Berlin zum Ehrendoktor der Philosophie ernannt. Endlich erhält er eine respektable, hoch dotierte Anstellung, die eines Kustos im Botanischen Garten Berlin. Kurze Zeit später ehelicht er die achtzehnjährige Antonia Piaste (1800–1837), Ziehtochter seines Freundes Hitzig, die ihm die Kinder Ernst (*1820), Max (*1822), Adélaide (*1827), Johanna (*1829), Adolph (*1830), Hermann (*1832) und Adelbert (*1835) schenkt. Chamisso gesellt sich ab 1824 zu der illustren „Mittwochsgesellschaft“, einem Treffpunkt von Gelehrten, deren Anliegen es ist, „die wirklichen Dichter und vorzüglichen Geister Berlins“4 zusammenzuführen. Seine schriftstellerische Arbeit konzentriert sich weitgehend auf die Fertigstellung seines 1. Lyrikbandes, welcher aus zumeist älteren Gedichten besteht. Auf einmal zollt man dem Dichter eine für ihn kaum vorstellbare Anerkennung, die ihn mit Stolz erfüllt. Sonst sind nicht viele „Welt bewegende“ Details der Zwanziger Jahre auffindbar. Mit der Hinwendung zu einem erfüllenden Familienleben wird beim Botaniker, Dichter und Gelehrten sicherlich eine ruhigere, besonnenere Zeit Einzug gehalten haben. Wahrscheinlich hat er – neben berufsbedingten Forschungen – die Zeit einer neuen heimatlichen Geborgenheit genossen, nach ständigen Integrationsbemühungen, erheblichen Anfeindungen und sozio-kulturellen Grundfragen bzgl. der ihn schon von je her beschäftigenden deutsch-französischen Identitätssuche und eines sicherlich auch daraus resultierenden „Fernwehs“ (?), und sein frei erwähltes Glück mit der reichen Nachkommenschaft gelebt haben. Nicht von ungefähr steht mit dieser Hinwendung zum Privaten bzw. der Konzentration auf...

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