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Robert Schumann / Adelbert von Chamisso: «Frauenliebe und -leben»

Interpretation und Analyse

Hans-Udo Kreuels

Hat Schumanns Liederzyklus in unserer heutigen Musikkultur noch eine Daseinsberechtigung? Sind wir heute, wo sich unser Frauenbild gegenüber dem Biedermeier geradezu umgekehrt hat, nicht dazu angehalten, uns mit demjenigen des 19. Jahrhunderts historisch vertraut zu machen? Nicht das Was, das faktische Geschehen im Lebensbogen von Frauenliebe und -leben, sondern das Wie, die Qualität persönlicher Hingabe, ist das psychosensitive Material, welches dem Gedichtzyklus und besonders der Musik Schumanns eine unvergleichliche Sonderstellung einräumt. Neue Forschungsergebnisse werfen ein ganz anderes Licht auf die innere Logik des Liederzyklus. Das Buch legt zudem eine faszinierende Verflechtung von Motivik, Submotivik, Ansätzen von Leitmotivik und einem Spiel mit multiplen Symmetrien offen, welche diese Einheit gewährleisten. Ist es die gegenüber anderen Liederzyklen unerreichte Prägnanz einer neunteiligen Liederfolge, oder ist es ihre unverwechselbare emotionale Aura, die den Hörer – trotz geistiger Vorbehalte – in den Bann zieht? Die musikalische Analyse gibt ebenso Antworten zu psychologischen Wechselwirkungen wie zu musikalischen Wirkungsweisen und Interpretationsansätzen.
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Kurzer Abriss von Adelbert von Chamissos Leben

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Adelbert von Chamisso wird 1781 in Frankreich in der Campagne auf Schloss Boncourt bei Ante geboren, von wo er 1790 vor der französischen Revolution mit seiner Familie nach Holland flieht. Von dort übersiedelt die Familie nach Deutschland, Würzburg und Bayreuth, und erhält nach Jahren bedrückender Heimatlosigkeit im Jahre 1796 schließlich die (königliche) Erlaubnis, sich in Berlin niederzulassen. Und es dauert nicht lange, bis Adelbert am Königshof als Edelknabe in den Genuss des Privatunterrichts gelangt.

Louis Charles Adélaïde de Chamissot de Boncourt – wie er ursprünglich hieß –, der 6. von 7 Sprösslingen, ist nämlich ein hochbegabter, unternehmungslustiger junger Mann, welcher sehr bald das Gedankengut der Frühromantiker in sich aufnimmt. Das in der Folge von ihm besuchte Französische Gymnasium, welches als bevorzugte (Hochschulähnliche) Bildungsstätte Berlins galt, vermittelt ihm nicht nur ein hochwertiges Fundament klassischer Bildung, sondern legt bei ihm auch durch philosophische Betrachtungen insbesondere der französischen Revolution (u. a. Beschäftigung mit Rousseau) den Grundstein zum späteren, politisch und gesellschaftlich tolerant gesinnten Weltbürger. Selbst aus einem alten Adelsgeschlecht stammend untersucht er schon früh die Privilegien der feudalen Gesellschaftsstrukturen und vertritt bald, auch gegenüber seiner eigenen Familie, die von ihm verifizierte liberale Denkweise eines „Jungeuropäers“.

In seiner Biografie bezeichnet Robert Fischer (Berlin, 1990) ihn als „frühen Bürger Europas“, der „die Gegensätze zweier Nationen erfahren und in seinem Leben zu vereinen“ trachtet. Dieser äußerst sprachbegabte...

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