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Das Liebeshindernis

Zur Semantik der Liebe in der französischen Literatur vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Gesa Kresse

Das Buch untersucht das Liebeshindernis als historische Variable im französischen Roman vom hohen Mittelalter bis zur Gegenwart. Im Vordergrund des Buches steht der Prozess der Verinnerung, einer im Laufe der Zeit immer stärkeren Verlagerung des Liebeskonflikts ins Innere der Figuren. Das Liebesmotiv betrachtet die Autorin im übergreifend geschichtlichen Kontext sowie im Strukturzusammenhang der Werke als Zentrum sich kontinuierlich wandelnder Wirklichkeitsentwürfe. Ihre besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Rolle des Anderen.
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Einleitung

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„Urimur igne pari“ – wir wurden entflammt vom gleichen Feuer –, schreibt Hero in Ovids Heroides (ca. 10 vor Chr.) an Leander. Von einer „passio quaedam innata“, einem angeborenen Leiden, spricht Andreas Capellanus in seinem De amore (um 1180). In Montaignes Essai „De l’amitié“ (1588) ist von „la soif de la jouissance sur un objet désiré“ die Rede, und Rousseaus Held Saint-Preux aus der Nouvelle Héloïse (1761) erlebt „un feu dévorant qui porte son ardeur dans les autres sentiments“.1 Alle diese Formulierungen von der Antike bis zur Empfindsamkeit umschreiben den gleichen Gegenstand – die Liebe. Und ihre Verfasser verbindet über die Jahrhunderte hinweg das gleiche Ziel: einem im Inneren erfahrenen Gefühl durch Worte und Bilder äußeren Ausdruck zu verleihen.

Die Liebe, in der historischen Anthropologie neben Kategorien wie Tod, Geburt, Zeit, Körper und Sexualität als existenzielle menschliche Grunderfahrung verstanden (Dressel 1996, 80), ist seit der Antike ein immer wiederkehrendes Thema in der Literatur. Zum einen ist sie Gegenstand vieler theoretischer Abhandlungen; ‚Liebestheoretiker‘ wie Ovid (Ars amatoria), Andreas Capellanus (De Amore) und Stendhal (De l’amour) definieren in ihren Schriften verschiedene Arten der Liebe, äußern sich dazu, was ‚wahre‘ Liebe ist, und geben Ratschläge, wie Liebe hervorgerufen und aufrechterhalten werden kann.2 Zum anderen ist sie auch ein zentrales Thema in der erzählenden Literatur, dessen Darstellung bis zur Gegenwart einem ständigen Wandel unterliegt.

Insbesondere anhand literarischer Erzählungen zeigt sich in herausragender Weise, wie sich Wahrnehmung, Bedeutung...

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