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Gut oder schlecht?

Urteil und Werturteil in der Musik

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Edited By Claudia Maurer Zenck and Ivana Rentsch

Gut oder schlecht? – Die Frage nach dem Werturteil in der Kunst und insbesondere in der Musik steht im Zentrum des Sammelbandes. Die Befähigung zum Urteil war das ausschlaggebende Argument für die Etablierung einer deutschsprachigen Musikwissenschaft im späten 19. Jahrhundert. Der Impuls des Menschen zum Werturteil ist allerdings auch in späteren Generationen nicht einfach aus Musik und Musikwissenschaft verschwunden: Davon legen die ideologisch aufgeladenen Debatten der Nachkriegszeit ebenso Zeugnis ab wie die impliziten und expliziten Werturteile der Fachliteratur bis heute. In den Beiträgen des Bandes wird der Bogen von methodischen Überlegungen über historische Fallbeispiele bis hin zum Umgang mit zeitgenössischer Kunst gespannt.
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Sinn statt Verstand. Johann Mattheson und das Geschmacksurteil im 18. Jahrhundert

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Ivana Rentsch

Sinn statt Verstand.Johann Mattheson und dasGeschmacksurteil im 18. Jahrhundert

In the introduction to his very first work on music, Mattheson established traditional music theory as an enemy – this was a radical rejection which would mark his entire theoretical output and which must have appeared all the more compelling as the quadrivial understanding of music was incompatible with his own practice-based notion of theory. As groundbreaking as Mattheson was for German-language music theory of the eighteenth century, it must not be forgotten that he joined a general development in France, England, and Italy, which can be traced back into the sixteenth century and which shows a clear tendency towards judgment based on taste.

1713 stand es in Hamburg schlecht um die Musik: „Music-Verderber“, wohin man schaute.1 Glaubt man zumindest Johann Mattheson, der vor 300 Jahren mit dem Neu-eröffneten Orchestre den Grundstein zu seinem umfangreichen musiktheoretischen Schrifttum legte, war die Situation, wie in seiner Einleitung „Vom Verfall der Music und dessen Ursachen“ skizziert,2 gravierend: Virtuosen „ohne Verstand“, „Naturalisten“, die sich „mit lauter närrischen Contemplationen groß machen wollen“, eine „Pfeiffer-Kunst“, die zwangsläufig nur einen „Idiote“ hervorzubringen vermöge, sowie eine unerträgliche „Unwissenheit der Zuhörer“3 – kurz: Dummheit allenthalben. Was war geschehen? Im Grunde nichts. Und genau dies war das Problem, das Mattheson in seiner allerersten Schrift exponierte. Dabei erschien nicht nur die Praxis mit Dummheit geschlagen, sondern in fast noch höherem Maße auch die...

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