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Gut oder schlecht?

Urteil und Werturteil in der Musik

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Claudia Maurer Zenck and Ivana Rentsch

Gut oder schlecht? – Die Frage nach dem Werturteil in der Kunst und insbesondere in der Musik steht im Zentrum des Sammelbandes. Die Befähigung zum Urteil war das ausschlaggebende Argument für die Etablierung einer deutschsprachigen Musikwissenschaft im späten 19. Jahrhundert. Der Impuls des Menschen zum Werturteil ist allerdings auch in späteren Generationen nicht einfach aus Musik und Musikwissenschaft verschwunden: Davon legen die ideologisch aufgeladenen Debatten der Nachkriegszeit ebenso Zeugnis ab wie die impliziten und expliziten Werturteile der Fachliteratur bis heute. In den Beiträgen des Bandes wird der Bogen von methodischen Überlegungen über historische Fallbeispiele bis hin zum Umgang mit zeitgenössischer Kunst gespannt.
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Kompositorische Selbstkritik

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In this essay, the term „compositorial self-criticism“ covers the manifold interventions attributed to a self-critical impulse in a composers own work. They will be treated from a musical-aesthetic perspective as a specific form of musical judgement. Thoughts on a classification will be outlined using a variety of examples – among them, compositions of Schoenberg and Mendelssohn will be addressed in detail.

Das Wissen darum, dass Komponieren ein mühseliges Geschäft sein kann, verbreitete sich vergleichsweise spät. Dass man sich im Laufe des 19. Jahrhunderts schließlich stärker für den musikalischen Schaffensprozess zu interessieren begann, hing eng mit dem aufklärerischen und nationalökonomischen Denken zusammen, das Arbeit ganz allgemein emphatisch aufgewertet hatte.1 Sie wurde nicht länger als Makel der Niederen, sondern als Weg bürgerlicher Emanzipation und als gesellschaftliche Tugend betrachtet. Dies wirkte sich, wenn auch mit Verzögerung, einschneidend auf den musikalischen Diskurs aus. Das wohl deutlichste Indiz hierfür ist die Aufnahme des Begriffes in die Fachlexika. So enthielt die Encyclopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften, die unter der Redaktion von Gustav Schilling ab 1835 in Stuttgart herauskam, noch keinen Eintrag zum Stichwort „Arbeit“. Doch am Ende des 19. Jahrhunderts erscheint diese im ersten Band von Hermann Mendels Musikalischem Coversations-Lexikon, Berlin 1870, ganz selbstverständlich als „Art und Weise der inneren Ausführung, des Ausbaues eines Tonstückes, der Verwendung des Tonmaterials“.2

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