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Gut oder schlecht?

Urteil und Werturteil in der Musik

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Edited By Claudia Maurer Zenck and Ivana Rentsch

Gut oder schlecht? – Die Frage nach dem Werturteil in der Kunst und insbesondere in der Musik steht im Zentrum des Sammelbandes. Die Befähigung zum Urteil war das ausschlaggebende Argument für die Etablierung einer deutschsprachigen Musikwissenschaft im späten 19. Jahrhundert. Der Impuls des Menschen zum Werturteil ist allerdings auch in späteren Generationen nicht einfach aus Musik und Musikwissenschaft verschwunden: Davon legen die ideologisch aufgeladenen Debatten der Nachkriegszeit ebenso Zeugnis ab wie die impliziten und expliziten Werturteile der Fachliteratur bis heute. In den Beiträgen des Bandes wird der Bogen von methodischen Überlegungen über historische Fallbeispiele bis hin zum Umgang mit zeitgenössischer Kunst gespannt.
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Vorwort

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Die Frage nach der Qualität rührt an den Kern des Fachs und lässt gleichsam des Teufels Küche erahnen. Denn die einfach gestellte Frage „Gut oder schlecht?“ dominiert nicht nur so manches Pausengespräch bei zeitgenössischen Uraufführungen, sondern führt direkt in die Anfangsgründe des Fachs zurück. Die Befähigung zum Urteil war das Argument für die Etablierung einer deutschsprachigen Musikwissenschaft im späten 19. Jahrhundert. So formulierte Guido Adler 1885 – gerade neu als Professor für Geschichte und Theorie der Musik an die Universität Prag berufen – in seinem berühmten Aufsatz Umfang, Methode und Ziel der Musikwissenschaft, dass das „wichtigste Resultat“ musikwissenschaftlicher Forschung in der „Fixirung der für die einzelnen Zweige der Kunst geltenden höchsten Gesetze“ bestehe, um damit dem „Schwanken der künstlerischen Productionsthätigkeit“ entgegenzuwirken und „zur Hebung der actuellen Kunstzustände“ beizutragen.1 Die zentrale Aufgabe der Musikwissenschaft lag laut Adler also darin, lenkend in die Kunstproduktion einzugreifen. Mit seiner Vorstellung eines normativ wirksamen Faches traf er offensichtlich den Nerv der Zeit: Bereits 1888 sollte er den Ruf auf den neugeschaffenen Lehrstuhl für Musikästhetik an die Universität Wien erhalten. Dass Adler methodisch keineswegs allein auf weiter Flur stand, zeigt das wissenschaftliche Selbstverständnis seiner Zeitgenossen – auch Hermann Kretzschmar verfasste 1902 seine Anregungen zur Förderung einer musikalischen Hermeneutik mit einem didaktisch normativen Aplomb, der seiner Karriere, die ihn zwei Jahre später auf den musikwissenschaftlichen Lehrstuhl an der Universität Berlin...

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