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Mediale Ambivalenzen / Ambivalente Medien

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Dagmar von Hoff

Die in diesem Band präsentierten Beiträge analysieren die Ambivalenz von Medien im Fokus medialer Transparenz, dem Mythos der Medien und den Digital Humanities. Die Eigenschaft der Medien, gleichzeitig Speicher, Mittler und Inhalt zu sein, zeigt ihre ambivalente Struktur. Medien lassen etwas erscheinen und bleiben dabei selbst unsichtbar. Diese Durchsichtigkeit und mediale Transparenz bestimmen die gegenwärtige Diskussion um eine medialisierte Welt. Den Medien wird entweder eine überwältigende Macht zugeschrieben oder aber es wird eine souveräne Herrschaft der Benutzer proklamiert. Auch im Bereich der neuen Informationstechnologien sind die Medien nicht mehr nur Hilfsmittel, um Wissen zu erzeugen, sondern ihre Nutzung verändert die Wissensgewinnung selbst.
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Ambivalenzen der Medien

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Ambivalenz bezeichnet einen Spannungszustand, der für den Einzelnen unangenehm sein mag, für eine Sachlage jedoch ohne Weiteres als produktiv bezeichnet werden kann. Der psychologisch geprägte Begriff der Ambivalenz, der auf Eugen Bleuler zurückgeht und von Sigmund Freud übernommen worden ist, bezeichnet im eigentlichen Sinne die „gleichzeitige Anwesenheit einander entgegengesetzter Strebungen, Haltungen und Gefühle“1, die für das Subjekt unauflösbar erscheinen und sich insofern antagonistisch gegenüberstehen. Aber selbst im Feld der Psychoanalyse wird dieser Ambivalenz-Begriff schon von Freud in einem viel weiteren Sinne verwandt und aus der Enge der Vorstellung eines fundamentalen Dualismus’ befreit. So verwendet Freud den Begriff der Ambivalenz hinsichtlich des Gegensatzpaares Aktivität/Passivität: „Die Tatsache, daß […] neben einer Triebregung ihr (passiver) Gegensatz zu beobachten ist, verdient die Hervorhebung durch den trefflichen, von Bleuler eingeführten Namen: Ambivalenz.“2 Dementsprechend umfassen Begriffe wie ‚Ambivalenz-Konflikt‘, ‚Übertragungsgedanken‘ und ‚Kompromissbildung‘ dann Transformationen und Verarbeitungen im Triebleben eines Subjekts, bei der eine Doppelwertigkeit betont und inhärente Widersprüche im psychischen Erleben als gegeben konstatiert werden. Diese Überlegungen nun sind für die Betrachtung der Medien nicht ohne Bedeutung. Denn es scheint, dass die dynamische und dialektische Dimension des Begriffes Ambivalenz nicht nur für die psychoanalytische Übertragungsidee nutzbar gemacht werden kann. Denn so wie dort der Analytiker die Rolle des Mittlers und Mediums einnimmt, um als ‚Projektionsfläche‘ für die unbewussten Gedanken des Patienten zu fungieren, eröffnet ein Medium grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten seiner Nutzung. Dass dabei die...

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