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Einfluss nicht-marktlicher Tätigkeiten auf den materiellen Wohlstand und die Einkommensverteilung in Deutschland

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Sandra Hofmann

Welchen Einfluss haben nicht-marktliche Tätigkeiten wie Schwarzarbeit, Haushaltsproduktion und Ehrenamt auf den materiellen Wohlstand und die personelle Einkommensverteilung in Deutschland? Die Autorin widmet sich dieser zentralen sozialpolitischen Fragestellung, indem sie sowohl den zeitlichen als auch den monetären Umfang dieser drei nicht-marktlichen Tätigkeiten bestimmt. Ergänzend analysiert sie diese in Abhängigkeit von soziodemographischen Merkmalen wie dem Geschlecht, Alter oder Haushaltstyp. Neu ist dabei die systematische Erfassung und Bewertung der Arbeitsleistung, die zur Erbringung dieser Tätigkeiten erforderlich ist, sowie deren Einfluss auf den materiellen Wohlstand und die personelle Einkommensverteilung.
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5 Analyse der Ergebnisse

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5 Analyse der Ergebnisse

Die theoretische Konzeption des SHE-Indikators sowie die drei Teilkomponenten werden in den folgenden Kapiteln empirisch umgesetzt und ausgewertet. In den ersten drei Kapiteln werden die Wohlstands- und Verteilungsergebnisse für die einzelnen Teilkomponenten (Schwarzarbeit, Haushaltsproduktion, Ehrenamt) in Abhängigkeit der vorgestellten sozioökonomischen Varianten diskutiert. Anschließend erfolgt eine Interpretation der aggregierten Ergebnisse unter wohlstands- und verteilungsrelevanten Gesichtspunkten. In Kapitel 3 wurden ergänzende Fragestellungen für diese Arbeit abgeleitet, die nachstehend noch einmal aufgelistet werden:

 Welche monetären Auswirkungen hat die Berücksichtigung von nicht-marktlichen Tätigkeiten auf die Wohlstandssituation der privaten Haushalte?

 Können durch die Erfassung und Quantifizierung nicht-marktlicher Tätigkeiten materielle Wohlstands- und Verteilungseffekte gemessen werden?

 Welche sozioökonomischen Gruppen tragen am meisten zur materiellen Wohlstandsentwicklung bei?

 Welchen Einfluss hat das zusätzliche Einkommen der nicht-marktlichen Tätigkeiten auf sozioökonomische Einkommensdifferenzen? Wie wirkt sich die Erfassung von nicht-marktlichen Tätigkeiten auf die Einkommensverteilung aus?

In Anlehnung an diese Fragestellungen orientiert sich die Ergebnisauswertung an zwei verschiedenen Analysesträngen, anhand derer die wohlstands- und verteilungsrelevanten Ergebnisse separat ausgewertet werden. Die Beantwortung der obigen Fragestellungen wird mithilfe des folgenden Analyseschemas durchgeführt. Die Einkommen sowie die damit verbundene Verteilung der drei Teilkomponenten, die in Abhängigkeit der sozioökonomischen Merkmale differenziert ausgewertet werden können, stellen dabei die zentralen Elemente dar. ← 115 | 116 →

Abbildung 5-1: Analysematrix für Wohlstands- und Verteilungsergebnisse des SHE-Indikators

Illustration

Quelle: Eigene Darstellung.

Der erste Analysestrang konzentriert sich auf die Zusammensetzung der drei Teilkomponenten in den einzelnen Berechnungsvarianten und deren Auswirkungen auf den materiellen Wohlstand. In diesem Zusammenhang wird sowohl nach der zeitlichen als auch nach der monetären Dimension der einzelnen Teilkomponenten differenziert. Die Wohlstandsergebnisse werden in Form von möglichen Einkommenszuwächsen, die mit der Entlohnung der drei Teilkomponenten einhergehen, dargestellt. Die Auswertung orientiert sich an den drei Modellierungsschritten, die im vorherigen Kapitel beschrieben wurden. Die sozioökonomischen Ergebnisse innerhalb einer Teilkomponente werden einander gegenübergestellt und bewertet. Die Auswertung des SHE-Indikators ermöglicht abschließend ebenfalls eine Evaluierung der Teilkomponenten und der Berechnungsvarianten untereinander. Darüber hinaus wird versucht die Ergebnisse mit verschiedenen Lebensweisen bzw. den Alltagsleben von Individuen und Haushalten in Verbindung zu setzen und zu interpretieren. Damit können mögliche Interdependenzen der sozioökonomischen Merkmale auf den zeitlichen und monetären Umfang der drei Teilkomponenten, die aufgrund der gewählten Methodik nicht in der Modellierung berücksichtigt werden konnten, abgeleitet werden.

Im zweiten Analysestrang werden die Auswirkungen der zusätzlichen Einkommenskomponenten auf die Verteilung des Einkommens nach Alter, Geschlecht und Haushaltstyp aufgezeigt. Die personelle Einkommensverteilung steht hierbei im Vordergrund. Diese wird – ausgehend von den abgeleiteten Ergebnissen – durch die Lorenzkurve bzw. den Gini-Koeffizienten beschrieben. ← 116 | 117 →

In den folgenden Analysekapiteln werden jeweils sowohl die einzelnen Teilkomponenten als auch das Zusammenspiel der drei Teilkomponenten als SHE-Indikator hinsichtlich der Verteilungswirkungen ausgewertet.

5.1 Auswertung der Teilkomponente Schwarzarbeit

Die bisherigen Ausführungen zur Teilkomponente Schwarzarbeit haben gezeigt, dass in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens Schwarzarbeit verrichtet wird. Das zeitliche Ausmaß ist dabei sowohl von den jeweiligen Tätigkeiten als auch von sozioökonomischen Faktoren abhängig. Neben dem zeitlichen Einsatz geht mit der geleisteten Schwarzarbeit auch eine zusätzliche Einnahmequelle einher, die das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte – auf individueller und gesamtwirtschaftlicher Haushaltsebene – erhöht. Basierend auf der theoretischen Modellkonzeption werden im Folgenden die empirischen Ergebnisse der Teilkomponente Schwarzarbeit vorgestellt. Die Auswertung legt den Fokus zuerst auf die Wohlstandsergebnisse in Abhängigkeit der Basisvariante (vgl. Kapitel 4.3.1) sowie auf die geschlechts-, altersgruppen- und haushaltstypspezifischen Varianten (vgl. Kapitel 4.3.2). Anschließend werden die Effekte dieser zusätzlichen Einkommenskomponente auf die Verteilung des verfügbaren Einkommens untersucht und bewertet.

5.1.1 Wohlstandsergebnisse

Die zeitliche und monetäre Bestimmung der Schwarzarbeit in der Basisvariante sowie in den sozioökonomischen Berechnungsvarianten waren die entscheidenden Faktoren bei der Modellierung der Teilkomponente Schwarzarbeit. In Anlehnung daran wird zuerst der ermittelte Zeitumfang der Schwarzarbeit diskutiert. Anschließend wird das dadurch abgeleitete Zusatzeinkommen aufgezeigt, um darauf aufbauend die materiellen (Wohlstands-)Effekte der Schwarzarbeit zu diskutieren. Neben einer Hochrechnung der Ergebnisse auf die Gesamtbevölkerung und einem kurzen Vergleich mit anderen Studien werden die Daten auf Personen- bzw. Haushaltsebene ausgewertet.

Die zeitliche Bewertung der Schwarzarbeit erfolgte, wie in Kapitel 4.3 beschrieben, über die Abschätzung des Arbeits-Inputs – insgesamt sowie in Abhängigkeit des Geschlechts, Alters und Haushaltstyps – in den als relevant identifizierten Tätigkeiten (vgl. Tabelle 4-4) aus der Zeitbudgeterhebung.299 Es konnte gezeigt ← 117 | 118 → werden, dass bei den Tätigkeiten „Bauen und handwerkliche Tätigkeiten“ sowie „Haupterwerbstätigkeit“ die höchsten Schwarzarbeitsanteile zu erwarten sind. Basierend auf dem zeitlichen Schwarzarbeitsumfang wurden dann die identifizierten Tätigkeiten mithilfe des Spezialistenansatzes mit den entsprechenden Bruttostundenlohnsätzen bewertet. Durch dieses Vorgehen ergeben sich die zeitliche und monetäre Dimension der Teilkomponente Schwarzarbeit kSA.

Für das Jahr 2010 konnte im Rahmen dieser Arbeit ein jährlicher Umfang von ca. 4 Milliarden Schwarzarbeitsstunden, die durch die privaten Haushalte erbracht wurden, berechnet werden. Damit wurden durchschnittlich ca. 54 Stunden pro Person im Jahr 2010 schwarzgearbeitet, was einer durchschnittlichen Wochenschwarzarbeitszeit von ca. 1,13 Stunden entspricht.

Im Vergleich zu anderen Studien, die den zeitlichen Umfang der Schwarzarbeit abschätzen, liegt der in dieser Arbeit ermittelte Wert unterhalb bzw. zwischen den Werten der anderen Studienergebnisse. So beträgt der durchschnittliche wöchentliche Stundenumfang der Schwarzarbeit pro Kopf in der Studie von Sesselmeier/Ostwald ca. 2,2 Stunden für das Jahr 2005.300 Aus den Erhebungen des IW Köln lassen sich für das Jahr 2007 pro Person ca. 1,65 Stunden Schwarzarbeit in der Woche ableiten.301 Im Gegensatz dazu wird in den Befragungen der Rockwool-Foundation ein durchschnittlicher Wochenwert von 0,67 Stunden für das Jahr 2007 ausgewiesen.302 Die unterschiedlichen Ergebnisse sind zum Teil auf unterschiedliche Abgrenzungen und Erhebungen der Schwarzarbeit (vgl. Kapitel 3.2.1), aber auch auf die unterschiedlichen Betrachtungszeitpunkte zurückzuführen. Die generelle Niveauverschiebung kann jedoch zudem mit den gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen zusammenhängen. So zeigt die Schattenwirtschaftsprognose des IAW Tübingen ab dem Jahr 2005 einen Rückgang des Anteils der Schattenwirtschaft im Vergleich zum BIP auf.303 Aufgrund der gewählten Abgrenzung und Erfassung der Schwarzarbeit auf Basis der Zeitbudgeterhebung und der Spannbreite des vorgestellten Schwarzarbeitsumfangs können die folgenden Ergebnisse als eine vorsichtige Abschätzung des Schwarzarbeitsaufkommens interpretiert werden. Nachfolgend werden zuerst der modellinduzierte Zeitumfang und anschließend ← 118 | 119 → der monetäre Effekt der Schwarzarbeit nach Geschlecht, je Altersklasse bzw. je Haushaltstyp dargestellt.304

In Tabelle 5-1 sind ergänzend zu den obigen Ergebnissen das ermittelte Schwarzarbeitsaufkommen nach Stunden pro Tag, Woche und Jahr für Männer, Frauen sowie insgesamt abgebildet. Die angegebene Schwarzarbeitszeit setzt sich dabei aus der aufgebrachten Zeit für die einzelnen Tätigkeiten in Abhängigkeit des Geschlechts (vgl. Tabelle 4-9) zusammen.

Tabelle 5-1: Durchschnittlicher zeitlicher Umfang der Schwarzarbeit insgesamt und nach Geschlecht im Jahr 2010305

Illustration

Quelle: Eigene Berechnungen.

Der Vergleich zwischen den Geschlechtern zeigt deutliche Unterschiede bei der Verteilung der Stunden der Schwarzarbeit. Während Männer im Jahr 2010 im Schnitt 1,79 Stunden in der Woche schwarzarbeiten, beläuft sich der zeitliche Umfang bei Frauen auf 0,48 Stunden. Auf das Jahr 2010 hochgerechnet verbringen Männer somit über 85 Stunden mit Schwarzarbeit, während es bei Frauen durchschnittlich ca. 23 Stunden sind. Damit investieren Frauen durchschnittlich nur ca. ein Viertel der Zeit, die Männer aufwenden – dies ist auch auf die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Bereich der Schwarzarbeit in den verschiedenen relevanten Tätigkeiten zurückzuführen. Der Schwerpunkt der Schwarzarbeit liegt bei Männern in den Tätigkeiten „Haupterwerbstätigkeit“306 und „Bauen und handwerkliche Tätigkeiten“, denen ähnliche Berufsbilder im Zuge des ersten Modellierungsschrittes zugeordnet werden konnten. Im Gegensatz dazu dominiert bei den Frauen der Schwarzarbeitsanteil neben den Tätigkeiten, die unter „Haupterwerbstätigkeit“ subsummiert sind, die Tätigkeiten im ← 119 | 120 → Bereich der Haushaltsführungen – konkret das Tätigkeitsfeld „Zubereitung von Mahlzeiten“. Ein Vergleich mit den durchschnittlich geleisteten Wochenarbeitsstunden regulärer und damit marktlicher Erwerbsarbeit zeigt, dass Männer im Jahr 2010 ca. 36,70 Stunden, Frauen dagegen ca. 27,30 Stunden gearbeitet haben.307 Es wird deutlich, dass der wöchentliche Arbeitsumfang der ermittelten Schwarzarbeit bei Männern in etwa fünf Prozent der marktlichen Arbeitszeit entspricht, bei Frauen ca. zwei Prozent. Die Geschlechterverhältnisse der regulären Erwerbsarbeit spiegeln sich somit auch zum Teil im zeitlichen Umfang der Schwarzarbeit wider. Des Weiteren zeigen auch die Ergebnisse von Feld und Larsen, dass bei Männern eine höhere Wahrscheinlichkeit zum Schwarzarbeiten vorliegt als bei Frauen.308

Neben den geschlechtsspezifischen Ergebnissen resultieren – aufgrund der Modellstruktur – in den verschiedenen Altersgruppen auch Unterschiede hinsichtlich der aufgewandten Zeit für Schwarzarbeit. Hierzu wird auf die altersgruppenspezifischen Angaben zu den relevanten Tätigkeiten aus der Zeitbudgeterhebung zurückgegriffen. Gemäß der Modellstruktur wird der altersgruppenspezifische Zeiteinsatz analog zur Basisvariante abgeleitet, da keine altersspezifischen Informationen bei der Ermittlung der Schwarzarbeitsanteile nach Tätigkeiten vorlagen (vgl. Tabelle 4-7).

In nachstehender Tabelle sind die jeweiligen Stunden Schwarzarbeit pro Tag, Woche und Jahr für das Jahr 2010 zusammengefasst. Die Angaben stellen die durchschnittlichen Werte für die jeweilige Altersklasse dar.

Tabelle 5-2: Durchschnittlicher zeitlicher Umfang der Schwarzarbeit je Altersgruppe im Jahr 2010

Illustration

Quelle: Eigene Berechnungen. ← 120 | 121 →

Bei den ermittelten Werten in den vier Altersklassen wird deutlich, dass die Gruppe der 45-64-Jährigen die geringste Schwarzarbeitszeit, die 30-44-Jährigen hingegen die höchste Schwarzarbeitszeit aufweist. Die jährlichen Werte variieren somit zwischen ca. 82 Stunden bei den 30-44-Jährigen und ca. 34 Stunden in der Altersklasse 45–64 Jahre. Basierend auf der Modellstruktur wird in den beiden ersten Altersgruppen vor allem bei Tätigkeiten im Bereich des Haupt- und Nebenerwerbs schwarzgearbeitet. Die Ergebnisse der Zeitbudgeterhebung zeigen, dass der höchste Zeitaufwand durchschnittlich auch im Bereich des Haupt- und Nebenerwerbs erbracht wird. Vor allem in der Haupterwerbsphase, d.h. in der Altersgruppe der 30-44-Jährigen, nimmt die Arbeitszeit einen hohen Stellenwert ein.309 Diese beiden Faktoren werden auch beim Zeitumfang der Teilkomponente Schwarzarbeit deutlich, d.h. der Schwarzarbeitsanteil korreliert mit der Arbeitszeit und ist somit in der zweiten Altersgruppe am stärksten ausgeprägt. Auch die im Vergleich zu den anderen Altersgruppen hohe Schwarzarbeitszeit der jüngsten Altersgruppe kann damit zum Teil begründet werden. Die Erwerbsbiographien der älteren Altersgruppen, vor allem ab dem 55. Lebensjahr, sind dagegen oftmals von den Übergängen vom Erwerbsleben in die Ruhestandsphase geprägt.310 Damit reduziert sich in den meisten Fällen der zeitliche Arbeitsumfang für diese Altersgruppen und es steht mehr Zeit für die Familie oder andere Aktivitäten zur Verfügung.311 Dies spiegelt sich in den beiden ältesten Altersgruppen zum einen auch beim zeitlichen Umfang der Schwarzarbeit, der mit ca. 0,88 Stunden pro Woche den zweitniedrigsten Wert einnimmt, und zum anderen auch in den Tätigkeitschwerpunkten im Bereich der Schwarzarbeit wider. So liegt beispielsweise in der Gruppe der über 65-Jährigen der zeitliche Schwarzarbeitsschwerpunkt verstärkt in Tätigkeiten im Bereich der Haushaltsführung. Bei der jüngsten Altersgruppe kann davon ausgegangen werden, das ein möglicher Grund für den relativ hohen Schwarzarbeitswert in den noch jungen Erwerbsbiographien bzw. den Phasen der Ausbildung und des Berufseinstiegs liegt, die zumeist mit geringerem Einkommen einhergehen.

Abschließend wird der zeitliche Umfang der Teilkomponente Schwarzarbeit je Haushaltstyp vorgestellt. Die zeitliche Abschätzung der Schwarzarbeit erfolgt hierbei nach dem gleichen Modellierungsmuster wie bei den Altersgruppen. Ausgehend vom zeitlichen Umfang der relevanten Tätigkeiten aus der Zeitbudgeterhebung wird der jeweilige Schwarzarbeitsanteil bestimmt. Die aggregierten ← 121 | 122 → Ergebnisse zum haushaltstypspezifischen Zeiteinsatz für Schwarzarbeit sind in Tabelle 5-3 zusammengefasst.

Die Spanne der resultierenden wöchentlichen Zeit für Schwarzarbeit beträgt zwischen 1,58 Stunden bei zusammenlebenden Paaren mit Kindern und 1,06 Stunden bei Alleinstehenden. Es wird zudem deutlich, dass in Haushalten mit Kindern mehr Zeit für Schwarzarbeit aufgebracht wird als in kinderlosen Haushalten. So ergibt sich für Alleinerziehende im Jahr 2010 ein durchschnittlicher Schwarzarbeitsumfang von ca. 65 Stunden, bei zusammenlebenden Paaren ohne Kinder dagegen ca. 52 Stunden.

Tabelle 5-3: Durchschnittlicher zeitlicher Umfang der Schwarzarbeit je Haushaltstyp im Jahr 2010

Illustration

Quelle: Eigene Berechnungen.

Auf der einen Seite wird somit in Haushalten mit Kindern tendenziell mehr Zeit in Schwarzarbeit investiert als in kinderlosen Haushalten. Auf der anderen Seite wird in Paarhaushalten mit Kindern mehr schwarzgearbeitet als bei Alleinerziehenden, andererseits weisen kinderlose Paare einen leicht höheren Zeiteinsatz auf als Alleinlebende. Dies kann unter anderem an folgenden Faktoren liegen: In Paarhaushalten kann zwischen den Partnern die Zeit für nicht-marktliche Tätigkeiten generell sowie für Schwarzarbeit im Speziellen aufgeteilt werden, sodass prinzipiell mehr Zeit dafür vorhanden sein kann. Des Weiteren könnten Alleinerziehende, aber auch Paare mit Kindern eine höhere Tendenz zum Dazuverdienen durch Schwarzarbeit aufweisen als kinderlose Paare. Die Ergebnisse aus der Studie von Feld und Larsen legen in diesem Zusammenhang nahe, dass die Wahrscheinlichkeit im Haushaltskontext schwarz zu arbeiten demzufolge eher mit dem Familienstand korreliert ist als mit dem Vorhandensein von Kindern. So nimmt beispielsweise die Schwarzarbeitsneigung bei verheirateten Paaren eher ab.312 Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zeigen jedoch eher, dass das ← 122 | 123 → Vorhandensein von Kindern einen deutlichen Einfluss auf die Schwarzarbeitszeit hat – unabhängig vom Familienstand. Dieses Verhalten stützt eher das klassische „Male Breadwinner“-Modell, in dem Männer die Versorgerrolle über ihren Verdienst durch die Erwerbsarbeit wahrnehmen. Allerdings wird dieses Modell in der aktuellen Genderregimediskussion oftmals als überholt angesehen.313

Die oben beschriebene zeitliche Abschätzung bildet die Grundlage für die monetäre Bewertung der Schwarzarbeit bzw. der zugrundeliegenden relevanten Tätigkeiten und für die damit einhergehenden Effekte auf den materiellen Wohlstand. Um den verschiedenen Berechnungsvarianten Rechnung zu tragen, werden bei den Entlohnungsdaten sozioökonomische Informationen berücksichtigt. Konkret fließen in der Basisvariante und auch bei der altersgruppenspezifischen Berechnungsvariante die durchschnittlichen Bruttostundenlöhne der Tätigkeiten ein. Bei der geschlechtsspezifischen Variante wird auf die entsprechenden Bruttostundenlohnsätze für Männer und Frauen (vgl. Tabelle 4-10) zurückgegriffen. Die Entlohnung der Schwarzarbeit in Abhängigkeit des Haushaltstyps orientiert sich an Lohngewichtungsfaktoren (vgl. Tabelle 4-12), die sich aus dem verfügbaren Haushaltseinkommen ableiten lassen. Somit wird die unterschiedliche Einkommensstruktur der Haushalte berücksichtigt und zudem angenommen, dass sich diese auf die Entlohnung der Schwarzarbeit auswirkt.

Die nachfolgenden Ergebnisse zeigen zum einen die durchschnittlichen verfügbaren Nettomonatseinkommen nach Geschlecht, Alter und Haushaltstyp und zum anderen das modellinduzierte zusätzliche Einkommen aus Schwarzarbeit in diesen Gruppen. Im Jahr 2010 verfügten die privaten Haushalte in Deutschland über ein durchschnittliches Haushaltsnettoeinkommen von 2.922 Euro314, das klassischerweise für Konsum- und Sparzwecke verwendet werden kann. Aus den bisherigen Ausführungen wurde ersichtlich, dass das Einkommen aus Schwarzarbeit in den amtlichen Statistiken nicht berücksichtigt bzw. unterschätzt wird und somit auch nicht im ausgewiesenen Nettomonatseinkommen enthalten ist.315 Ausgehend von der zeitlichen Abschätzung der Schwarzarbeit werden die damit einhergehenden monetären Effekte beschrieben.

Die Bewertung der Schwarzarbeit erfolgt in der Basisvariante mit einem durchschnittlichen Stundenlohnsatz in Höhe von 13,60 Euro, sodass im Jahr 2010 ein durchschnittliches monatliches Einkommen von ca. 64 Euro pro Kopf durch Schwarzarbeit hinzuverdient werden konnte. Damit konnten die Haushalte ihr ← 123 | 124 → verfügbares monatliches Einkommen um 2,2 Prozent erhöhen. In Tabelle 5-4 sind ergänzend dazu die Einkommensbestandteile – als absolute Werte sowie der Anteil des Schwarzarbeitseinkommens am verfügbaren Einkommen – nach Geschlecht dargestellt.

Das verfügbare Einkommen zeigt die geschlechtsspezifischen Unterschiede, die auch bei den zeitlichen Unterschieden der geleisteten Arbeitsstunden vorliegen. Während sich das Nettoeinkommen der Männer auf durchschnittlich 3.426 Euro beläuft, liegt es bei den Frauen mit 2.146 Euro um ca. 40 Prozent niedriger.316

Tabelle 5-4: Verfügbares Nettomonatseinkommen und monatliches Einkommen aus Schwarzarbeit nach Geschlecht im Jahr 2010

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Quelle: Eigene Berechnungen; Statistisches Bundesamt (2012b, c), S. 32.

Das zusätzliche Einkommen durch Schwarzarbeit verstärkt die absoluten und relativen Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern zusätzlich. Männer verdienen im Jahr 2010 durchschnittlich ca. 106 Euro pro Monat durch Schwarzarbeit, Frauen dagegen nur ca. 25 Euro. In diesen Ergebnissen spiegelt sich zum einen die zuvor beschriebene zeitliche Dominanz der Männer bei der Ausführung von Schwarzarbeit wider. Zum anderen wird dieser Effekt durch den unterschiedlichen durchschnittlichen Stundenlohnsatz von 14,80 Euro bei Männern und 12,60 Euro bei Frauen noch verstärkt. Dieser lässt sich auf die unterschiedlichen Tätigkeitsschwerpunkte bei der Schwarzarbeit sowie die generellen geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede zurückführen. Durch die Berücksichtigung der Teilkomponente Schwarzarbeit können Männer somit ein zusätzliches Einkommen von ca. 1.275 Euro pro Jahr, Frauen dagegen nur von ca. 300 Euro pro Jahr verzeichnen. Somit erhöht die Schwarzarbeit das verfügbare Einkommen der Männer um durchschnittlich 3,1 Prozent, das der Frauen nur um ca. 1,2 Prozent. ← 124 | 125 →

Die zeitliche Auswertung hat bereits erste altersgruppenspezifische Unterschiede aufgezeigt, die sich auch im möglichen Schwarzarbeitseinkommen widerspiegeln. In Tabelle 5-5 sind die Ergebnisse zusammengefasst. Die Darstellung beinhaltet für das Jahr 2010 neben den verfügbaren Nettomonatseinkommen differenziert nach vier Altersklassen die berechneten monatlichen Einkommen aus Schwarzarbeit. Zudem wird der Anteil dieser zusätzlichen Einkommensbausteine am jeweiligen verfügbaren Nettoeinkommen gebildet, um die möglichen Zuverdienste in den einzelnen Gruppen besser miteinander in Relation setzen zu können.

Durch die hier dargestellten Einkommenshöhen aus regulärer Erwerbsarbeit werden die altersgruppenspezifischen Unterschiede sichtbar. Das verfügbare Nettoeinkommen im Jahr 2010 war in den beiden mittleren Altersklassen der 30-44-Jährigen und 45-64-Jährigen mit 3.403 Euro bzw. 3.211 Euro am höchsten. Die Gruppe der 15-29-Jährigen verfügte dagegen über das geringste durchschnittliche Nettomonatseinkommen. Dies kann zum Teil mit den kürzeren Erwerbsbiographien bzw. durch die Aus- und Weiterbildungsphasen, die in dieser Altersklasse besonders ausgeprägt sind, begründet werden.

Tabelle 5-5: Verfügbares Nettomonatseinkommen und monatliches Einkommen aus Schwarzarbeit nach Altersgruppen im Jahr 2010

Illustration

Quelle: Eigene Berechnungen, Statistisches Bundesamt (2012c), S. 32.

Das monatlich aus Schwarzarbeit generierbare Einkommen variiert zwischen 40 Euro (bzw. 1,3 Prozent des verfügbarem Einkommens) bei den 45-64-Jährigen und ca. 100 Euro (bzw. 2,9 Prozent des verfügbarem Einkommens) bei den 30-44-Jährigen. In der jüngsten Altersgruppe kann monatlich bis zu 3,9 Prozent (bzw. 89 Euro) und in der ältesten Altersgruppe bis zu 1,8 Prozent (bzw. 44 Euro) des verfügbaren Einkommens zusätzlich durch Schwarzarbeit verdient werden. Die absoluten Einkommenshöhen korrelieren somit direkt mit der aufgebrachten Schwarzarbeitszeit in den Altersgruppen. Allerdings ist ← 125 | 126 → der relative Einkommenszuwachs bei den 15-29-Jährigen am größten. Die Tätigkeitsschwerpunkte der Schwarzarbeit der ersten drei Altersgruppen liegen dabei vor allem in den Bereichen „Haupterwerbstätigkeit“ und „Bauen und handwerkliche Tätigkeiten“. Bei den über 65-Jährigen wird zudem durch Tätigkeiten „Zubereitung von Mahlzeiten“ und „Instandhaltung und Reinigung der Wohnung“ verstärkt schwarz hinzuverdient. Die Höhe des Schwarzarbeitseinkommens hängt somit sowohl vom zeitlichen Umfang, aber auch den Tätigkeiten ab, die mit unterschiedlichen Lohnsätzen auf Basis des Spezialistenansatzes entlohnt werden.

Abschließend sind in Tabelle 5-6 die durchschnittlichen Nettomonatseinkommen je Haushaltstyp sowie das Schwarzarbeitseinkommen für das Jahr 2010 dargestellt. Ergänzend dazu sind auch die relativen Einkommenszuwächse angegeben. Es zeigt sich, dass das Einkommen bei Alleinlebenden mit 1.784 Euro im Haushaltskontext am geringsten ist. Bei zusammenlebenden Paaren mit Kindern ist es mit durchschnittlich 4.280 Euro dagegen am höchsten. In diesem Zusammenhang spielt die Haushaltskonstellation eine entscheidende Rolle für die Höhe des Nettoeinkommens, daher sind die Einkommen in Paarhaushalten größer als in den anderen beiden Haushaltstypen. Die im Zuge der zeitlichen Auswertung beschriebenen unterschiedlichen Zeitverteilungen im Haushaltskontext zeichnen sich somit auch im Einkommen ab.

Tabelle 5-6: Verfügbares Nettomonatseinkommen und monatliches Einkommen aus Schwarzarbeit nach Haushaltstyp im Jahr 2010

Illustration

Quelle: Eigene Berechnungen, Statistisches Bundesamt (2012c), S. 32.

Die Höhe des zusätzlich möglichen Einkommens durch Schwarzarbeit ist absolut gesehen genauso wie das verfügbare Einkommen gestaffelt und zum Teil von der Anzahl der Haushaltsmitglieder abhängig. Im Gegensatz dazu ist der relative Einkommenszuwachs bei Alleinerziehenden höher als bei Paaren ohne Kinder, ← 126 | 127 → obwohl diese absolut gesehen mehr hinzuverdienen. In Paarhaushalten mit und ohne Kinder kann durch Schwarzarbeit absolut mehr hinzuverdient werden als in Haushalten von Alleinlebenden bzw. Alleinerziehenden. Durch Schwarzarbeit kann sich das Einkommen bei Alleinerziehenden um durchschnittlich weitere 2,6 Prozent bzw. 58 Euro erhöhen. Der höhere zeitliche Einsatz von Alleinerziehenden im Vergleich zu kinderlosen Haushalten spiegelt sich somit in einem höheren relativen Zuverdienst im Vergleich zum Haushaltseinkommen wider. Damit wird deutlich, dass in Haushalten mit Kindern relativ gesehen das meiste Einkommen durch Schwarzarbeit erwirtschaftet wird. Der höhere zeitliche Einsatz und das damit verbundene Einkommen können zum Teil an den zusätzlichen Ausgaben für Kinder liegen. Bei Alleinlebenden ist diese Einkommenskomponente im Vergleich zu den anderen Haushaltstypen sowohl absolut gesehen mit 38 Euro als auch relativ betrachtet mit 2,1 Prozent am niedrigsten. Die Einkommensdifferenzen zwischen den Haushaltstypen werden durch die Berücksichtigung des Schwarzarbeitseinkommens zusätzlich vergrößert.

Folgendes Zwischenfazit kann bisher gezogen werden: Den privaten Haushalten stand durch geleistete Schwarzarbeit im Jahr 2010 durchschnittlich 2,2 Prozent mehr Einkommen zur Verfügung. Bei Männern zeigt sich zudem eine höhere Affinität zur Schwarzarbeit als bei Frauen. Dies lässt sich sowohl in einem höheren zeitlichen als auch in einem höheren monetären Umfang erkennen. Die differenzierte Betrachtung unterstreicht zudem, dass beispielsweise Altersklassen mit geringerem Einkommen – auch aufgrund ihrer kurzen Erwerbsbiographie (15-29-Jährige) – ihr verfügbares Nettoeinkommen durch Schwarzarbeit um nahezu 4 Prozent aufstocken können. Im Haushaltskontext kann die Affinität zur Schwarzarbeit aufgrund der verfügbaren zeitlichen Kapazitäten bzw. der Tätigkeitsschwerpunkte (v.a. zusammenlebende Paare mit Kindern) sowie aufgrund eines möglichen Zuverdienstes (z.B. bei Alleinerziehende) interpretiert werden. Des Weiteren zeigen die Ergebnisse, dass in Haushalten mit Kindern ein höherer Zeiteinsatz für Schwarzarbeit vorliegt als in kinderlosen Haushalten.

5.1.2 Verteilungsergebnisse

Nach der zeitlichen und monetären Analyse des Einflusses der Schwarzarbeit auf den materiellen Wohlstand erfolgt in diesem Kapitel die Auswertung der Verteilungswirkungen, die mit dem zusätzlichen Einkommen einhergehen. In diesem zweiten Analysestrang steht die Frage, welche Auswirkungen das Einkommen durch die Schwarzarbeit auf die personelle Einkommensverteilung nach Alter, Geschlecht und Haushaltstyp hat, im Vordergrund. Hierbei wird auf die – in Kapitel 3.3 bereits skizzierten – Verteilungskonzepte der Lorenzkurve bzw. des ← 127 | 128 →Gini-Koeffizienten zurückgegriffen. Die Lorenzkurve veranschaulicht graphisch die Einkommensverteilung verschiedener Personengruppen. Es wird aufgezeigt, wie viel Prozent der Bevölkerung welchen Anteil des Einkommens erhalten. Dabei werden die Einkommensanteile der Höhe aufsteigend sortiert und den jeweiligen Bevölkerungsanteilen zugeordnet. Die Winkelhalbierende repräsentiert in diesem Zusammenhang eine Gleichverteilung der Einkommen. Daher gilt generell für die Interpretation der Lorenzkurven: Je ungleicher die Verteilung der Einkommen ist, desto weiter ist die Lorenzkurve von der Winkelhalbierenden entfernt.317 Durch den Gini-Koeffizienten werden die graphischen Erkenntnisse der Lorenzkurve in ein statistisches Ungleichheitsmaß transformiert. Die Fläche zwischen der Lorenzkurve und der Winkelhalbierenden im Verhältnis zur gesamten Fläche unterhalb der Winkelhalbierenden entspricht dem Gini-Koeffizienten, der somit einen Wert zwischen 0 und 1 annehmen kann. Analog zur Lorenzkurve gilt: Je größer der Gini-Koeffizient ist, desto ungleicher sind die Einkommen verteilt.318 Ausgehend von diesem kurzen Exkurs319 werden im Folgenden die personellen Verteilungsergebnisse der Teilkomponente Schwarzarbeit vorgestellt.

In Abbildung 5-2 sind die drei Lorenzkurven der beschriebenen Einkommensgröße nach Geschlecht abgebildet. Als Referenzgröße dient das verfügbare Haushaltsnettoeinkommen (NEK), das im vorherigen Kapitel bereits vorgestellt wurde. Darüber hinaus wird die Verteilung des berechneten Einkommens aus Schwarzarbeit (SA) und des resultierenden Gesamteinkommens (NEK+SA) dargestellt. Auf der Abszisse sind die kumulierten geschlechtsspezifischen Bevölkerungsanteile p320 und auf der Ordinate die kumulierten Einkommensanteile L(p) abgetragen.321 ← 128 | 129 →

Abbildung 5-2: Lorenzkurve der Teilkomponente Schwarzarbeit nach Geschlecht

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Quelle: Eigene Berechnungen.

Im vorherigen Kapitel wurde gezeigt, dass das durchschnittliche monatliche Nettoeinkommen für Männer und Frauen in Summe 5.572 Euro und das Zusatzeinkommen aus Schwarzarbeit in Summe 131 Euro (vgl. Tabelle 5-4) beträgt. Aus der obigen Darstellung wird ersichtlich, dass das Einkommen aus Schwarzarbeit zwischen Mann und Frau ungleicher verteilt ist als das Haushaltsnettoeinkommen. Auf der einen Seite beziehen 51 Prozent der weiblichen Bevölkerung durchschnittlich 40 Prozent der Summe des Monatseinkommens, auf der anderen Seite jedoch nur 20 Prozent des Einkommens aus Schwarzarbeit. Diese Ungleichverteilung spiegelt sich auch in dem höheren Gini-Koeffizienten322 von 0,31 für das Einkommen aus Schwarzarbeit wider. In der dritten Lorenzkurve ist die Verteilung der Summe des geschlechtsspezifischen Gesamteinkommens aus dem Nettomonatseinkommen und dem Schwarzarbeitseinkommen abgebildet. Diese Kurve ist nahezu deckungsgleich mit der NEK-Lorenzkurve und entspricht einem Wert für den Gini-Koeffizienten von 0,12. Das Schwarzarbeitseinkommen verteilt sich aufgrund der monetären und zeitlichen Effekte, die im vorherigen Kapitel beschrieben wurden, zu Ungunsten der Frauen noch ← 129 | 130 → ungleicher als das Haushaltsnettoeinkommen. Allerdings hat der geringe absolute Einkommenszuwachs aus Schwarzarbeit im Vergleich zum verfügbaren Nettomonatseinkommen kaum Auswirkungen auf die Verteilung des gesamten Nettoeinkommens (NEK+SA) nach Geschlecht.

Die Auswertung der Wohlstandsergebnisse hat ergeben, dass es in den vier Altersgruppen sowohl absolute als auch relative Unterschiede beim Schwarzarbeitseinkommen gibt. Darauf aufbauend wird in Abbildung 5-3 die Verteilung des Schwarzarbeitseinkommens sowie des verfügbaren Nettoeinkommens in den jeweiligen Altersklassen anhand der Lorenzkurve dargestellt. Die kumulierten Einkommensanteile sind auf der Ordinate abgetragen und die korrespondierenden kumulierten Bevölkerungsanteile der Altersgruppen323 sind auf der Abszisse dargestellt. Die Reihung der Altersgruppen verschiebt sich jedoch in Abhängigkeit der betrachteten Einkommensarten (vgl. Tabelle 5-5). Beim Haushaltsnettoeinkommen ist das Einkommen der über 65-Jährigen niedriger als in den beiden vorherigen jüngeren Altersklassen, sodass es direkt nach dem Einkommen der 15-29-Jährigen einsortiert wird. Das Schwarzarbeitseinkommen ist in der Gruppe der 45-64-Jährigen am geringsten, gefolgt von den über 65-Jährigen und 15-29-Jährigen.

Abbildung 5-3: Lorenzkurve der Teilkomponente Schwarzarbeit nach Alter

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Quelle: Eigene Berechnungen. ← 130 | 131 →

Bei der Verteilung der Einkommenskomponenten nach Altersgruppen zeichnet sich ein ähnliches Bild ab wie bei der geschlechtsspezifischen Einkommensverteilung. Die Schwarzarbeitseinkommen nach Alter sind ungleicher verteilt als die monatlichen Nettoeinkommen. An dieser Stelle muss allerdings auf die unterschiedliche Sortierung der Bevölkerungsanteile hingewiesen werden. Während beim monatlichen Haushaltsnettoeinkommen 24 Prozent der Bevölkerung (15-29-Jährige) ca. 19 Prozent des Einkommens erhalten, verteilen sich bei der Schwarzarbeit ca. 19 Prozent des Einkommens auf 31 Prozent der Bevölkerung (45-64-Jährige). Der Verlauf der beiden Lorenzkurven und die dazugehörigen Gini-Koeffizienten zeigen, dass das monatliche Haushaltsnettoeinkommen mit einem Gini-Koeffizienten von 0,09 auf die altersgruppengewichteten Bevölkerungsanteile nahezu gleich verteilt ist. Das Schwarzarbeitseinkommen ist mit einem Wert für den Gini-Koeffizienten von 0,21 deutlich ungleicher verteilt und unterstreicht die absoluten und relativen monetären Einkommensgrößen, die im Zuge der Wohlstandsergebnisse diskutiert wurden (vgl. Tabelle 5-5). Analog zu den geschlechtsspezifischen Verteilungsergebnissen wird in der dritten Lorenzkurve die Verteilung der Summe der beiden Einkommensarten (NEK+SA) dargestellt. Der Verlauf ist dabei mit dem durchschnittlichen Nettomonatseinkommen ohne Schwarzarbeit nahezu identisch. Die Ungleichverteilung des Schwarzarbeitseinkommens hat keinen Einfluss auf die Verteilungseffekte des zusätzlichen Einkommens im Vergleich zum Monatsnettoeinkommen. Dies ist vor allem auf die relativ geringen Einkommenszuwächse durch die Schwarzarbeit zurückzuführen.

Abschließend wird in der nachfolgenden Graphik die Verteilung der Einkommen in Abhängigkeit der vier verschiedenen Haushaltstypen dargestellt. Die Sortierung der Einkommen (vgl. Tabelle 5-6) und der korrespondierenden haushaltstypspezifischen Bevölkerungsanteile auf der Abszisse entspricht dabei der Reihenfolge in der Tabelle rechts neben der Graphik.324 ← 131 | 132 →

Abbildung 5-4: Lorenzkurve der Teilkomponente Schwarzarbeit nach Haushaltstyp

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Quelle: Eigene Berechnungen.

Der Vergleich der Lorenzkurven zeigt wie bereits in den beiden vorherigen Fällen, dass die haushaltstypspezifischen Schwarzarbeitseinkommen ungleicher verteilt sind als die durchschnittlichen Nettomonatseinkommen. Ausgehend von den Werten der Lorenzkurven beziehen ca. 83 Prozent der hier abgebildeten Bevölkerung, d.h. alle Haushaltstypen außer den zusammenlebenden Paaren mit Kindern, ca. 64 Prozent des Schwarzarbeitseinkommens. Im Gegensatz dazu werden ca. 73 Prozent des Nettomonatseinkommens auf diese drei Haushaltstypen verteilt. Die ungleichmäßigere Verteilung spiegelt sich im höheren Gini-Koeffizienten (0,27) für die Schwarzarbeit wider. Ergänzend zu den beiden einzelnen Einkommensgrößen nach Haushaltstypen wird die Verteilung der daraus resultierenden Summe durch die dritte Lorenzkurve (NEK+SA) dargestellt. Es wird deutlich, dass diese identisch zur NEK-Lorenzkurve verläuft und ebenfalls einen Gini-Koeffizienten von 0,19 aufweist. Die Berücksichtigung der Schwarzarbeit hat somit keinen signifikanten Einfluss auf die Einkommensverteilung nach Haushaltstypen.

Die bisherigen Erkenntnisse können wie folgt zusammengefasst werden: Die Nettomonatseinkommen nach Altersjahren weisen im Vergleich zu den anderen beiden sozioökonomischen Gruppen mit 0,01 den geringsten Gini-Koeffizienten auf und sind somit am gleichmäßigsten verteilt. Des Weiteren konnte gezeigt ← 132 | 133 → werden, dass die Schwarzarbeitseinkommen in allen drei Fällen ungleicher verteilt sind als die entsprechenden Nettomonatseinkommen. Der höchste Gini-Koeffizient (0,31) wird bei der geschlechtsspezifischen Verteilung des Schwarzarbeitseinkommens erreicht, d.h. das Geschlecht hat den stärksten Einfluss auf die Entstehung und (zeitliche und monetäre) Verteilung der Schwarzarbeit. Die absoluten und relativen modellinduzierten Einkommenszuwächse wurden in Kapitel 5.1.1 beschrieben. Ausgehend davon wurde die neue Einkommensgröße NEK+SA für die jeweiligen sozioökonomischen Ausprägungen ermittelt, die eine Bewertung der Auswirkungen der Schwarzarbeit auf die Nettoeinkommenssituation ermöglicht. Die resultierenden Lorenzkurven verdeutlichen, dass die zusätzlichen Einkommen aus Schwarzarbeit keine signifikanten Veränderungen der Verteilungsstrukturen zur Folge haben.

5.2 Auswertung der Teilkomponente Haushaltsproduktion

Die empirische Ergebnisauswertung der Teilkomponente Haushaltsproduktion erfolgt ebenfalls unter wohlstands- und verteilungsrelevanten Gesichtspunkten. Eine direkte Entlohnung dieser Tätigkeiten ist in Deutschland aktuell nicht vorhanden. Daher bildet das zusätzlich generierbare Einkommen durch die Haushaltsproduktion – im Gegensatz zur Schwarzarbeit – eine fiktive Größe bzw. kann zum Teil auch als eingesparte Opportunitätskosten verstanden werden, da die Tätigkeiten von den Haushaltsmitgliedern direkt und nicht von Dritten ausgeführt werden. Basierend auf der theoretischen Umsetzung werden sowohl die zeitlichen als auch die monetären Effekte und deren Einflüsse auf die materielle Wohlstandssituation ausgewertet. Dabei werden maßgeblich die aggregierten Ergebnisse der Teilkomponente Haushaltsproduktion vorgestellt, die an manchen Stellen jedoch um die Ergebnisse der einzelnen relevanten Tätigkeiten ergänzt werden. Das bedeutet, dass sich die Haushaltsproduktion aus folgenden relevanten Tätigkeiten zusammensetzt: Zubereitung von Mahlzeiten; Bauen und handwerkliche Tätigkeiten; Instandhaltung und Reinigung der Wohnung; Gartenarbeit, Pflanzen- und Tierpflege; Planung und Organisation; Einkaufen und Besorgungen; Kinderbetreuung; sonstige Betreuungen. In diesem Zusammenhang werden im ersten Analysestrang die zeitlichen und monetären Interdependenzen zwischen der Haushaltsproduktion und den sozioökonomischen Merkmalen Geschlecht, Alter und Haushaltstyp diskutiert. Anschließend können im zweiten Analysestrang mögliche Verteilungswirkungen der zusätzlichen Einkommenskomponenten im Vergleich zu dem verfügbaren Einkommen analysiert werden. ← 133 | 134 →

5.2.1 Wohlstandsergebnisse

Die Teilkomponente Haushaltsproduktion beinhaltet eine zeitliche und eine monetäre Dimension und wird über das in Kapitel 4.2 vorgestellte 3-Stufen-Schema modelliert. Dies bedeutet, dass nach der Bestimmung der relevanten Tätigkeiten aus der Zeitbudgeterhebung der zeitliche Umfang dieser Tätigkeiten bestimmt wurde und dieser anschließend auf Basis des Spezialistenansatzes mit einem Nettolohn bewertet wurde (vgl. Tabelle 4-14). Bei der Teilkomponente Haushaltsproduktion fanden dabei Tätigkeiten im Bereich der Haushaltsführung sowie Pflege und Betreuung aus der Zeitbudgeterhebung Berücksichtigung. In Abhängigkeit der verschiedenen Berechnungsvarianten werden im Folgenden die entsprechenden Ergebnisse für das Jahr 2010 vorgestellt.

Die identifizierten Tätigkeiten der Haushaltsproduktion umfassen für die betrachtete Bevölkerung ab 15 Jahren ein jährliches Zeitvolumen von ca. 76 Milliarden Stunden. Im Jahr 2010 kann somit für die – im Rahmen dieser Arbeit modellierten – Haushaltsproduktion ein 19-mal höherer Zeitaufwand als für die Schwarzarbeit (4 Milliarden Stunden) konstatiert werden. Ein Vergleich mit den Ergebnissen der Studie des BMFSFJ auf Basis der Zeitbudgeterhebung zeigt, dass deren Jahresvolumen „unbezahlter Arbeit“ 96 Milliarden Stunden und das Jahresvolumen „bezahlter Arbeit“ 56 Milliarden Stunden für das Jahr 2001 beträgt.325 Das IAB weist für das Jahr 2001 ein Jahresarbeitsvolumen der Erwerbstätigen von 57,4 Milliarden Stunden und für das Jahr 2010 ein Arbeitszeitvolumen von 57,1 Milliarden Stunden aus.326 Dies kann als Jahresvolumen von bezahlter Arbeit interpretiert werden und verdeutlicht, dass es im Jahresvergleich kaum zu Veränderungen im durchschnittlichen Arbeitsvolumen gekommen ist. Die unterschiedlichen Abgrenzungen der relevanten Tätigkeiten für „Haushaltsproduktion“ im Sinne der vorliegenden Arbeit und „unbezahlter Arbeit“ der BMFSFJ-Studie sowie die unterschiedlichen Bevölkerungsstände in den beiden Bezugsjahren sind für die Ergebnisdifferenzen mitverantwortlich. Dennoch wird deutlich, dass die geleisteten Stunden im Bereich der Haushaltsproduktion – auch im Vergleich zur regulären Erwerbsarbeit oder zur Schwarzarbeit – einen sehr hohen Stellenwert einnehmen. Folgender Vergleich unterstreicht die Größenverhältnisse zwischen Erwerbsarbeit und Haushaltsproduktion: Pro Jahr stehen 8.760 Stunden, wovon im Jahr 2010 durchschnittlich ca. 1.400 Stunden bzw. ca. 16 Prozent der zur Verfügung stehenden Zeit für reguläre Erwerbsarbeit ← 134 | 135 → aufgebracht wurden.327 Darüber hinaus werden im Jahresschnitt ca. 1.018 Stunden mit Tätigkeiten in der Haushaltsproduktion verbracht; was ca. 12 Prozent der verfügbaren Zeit entspricht. Damit bekräftigt bereits das zeitliche Ausmaß der Haushaltsproduktion, dass der materielle Wohlstand der privaten Haushalte unterschätzt wird, da dieser bisher nur die Einkommen der marktlichen Tätigkeiten berücksichtigt.

Der zeitliche Umfang der Haushaltsproduktion wird von verschiedenen sozioökonomischen Faktoren beeinflusst und determiniert. In den nachfolgenden Tabellen sind die – in Kapitel 4.4 – modellierten Stunden der Haushaltsproduktion pro Tag, Woche und Jahr nach Geschlecht, Alter und Haushaltstyp dargestellt. Es zeigt sich, dass im Jahr 2010 im Schnitt täglich ca. 2,80 Stunden pro Person im Bereich der Haushaltsproduktion geleistet wurden. Der geschlechtsspezifische Zeiteinsatz liegt bei Frauen mit ca. 3,60 Stunden pro Tag deutlich über dem Wert der Männer mit täglich ca. 1,95 Stunden. Die Extrapolation auf durchschnittliche Jahreswerte ergibt für Frauen 1.315 Stunden und für Männer 710 Stunden. Somit verbringen Frauen durchschnittlich ca. 1,9-mal mehr Zeit mit Haushaltsproduktion als Männer.

Tabelle 5-7: Durchschnittlicher zeitlicher Umfang der Haushaltsproduktion insgesamt und nach Geschlecht im Jahr 2010

Illustration

Quelle: Eigene Berechnungen.

Neben den unterschiedlichen Zeitaufkommen zeigen sich auch Unterschiede bei den relevanten Tätigkeiten.328 Während bei Frauen die als durchaus klassisch zu bezeichnenden Haushaltstätigkeiten „Zubereitung von Mahlzeiten“, „Kinderbetreuung“ und „Instandhaltung und Reinigung der Wohnung“ nahezu drei Viertel des täglichen Zeitpensums veranschlagen, sind es bei Männern nur etwa die Hälfte. Einzig bei „Bauen und handwerkliche Tätigkeiten“ überwiegt die Zeit der Männer in der Haushaltsproduktion (ca. 12 Minuten pro Tag) die der Frauen, die durchschnittlich ca. 3 Minuten pro Tag für diese Tätigkeiten aufwenden. ← 135 | 136 → Diese Arbeitsaufteilung bzw. die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei den Schwerpunkten in diesen Tätigkeiten machen deutlich, dass Hausarbeit immer noch „Frauensachen“ ist und damit das klassische „Male Breadwinner Modell“ schwer aufzubrechen scheint.329 Die geschlechtsspezifischen Ergebnisse dieser Arbeit unterstreichen damit auch die Geschlechterrollen, die sich beim Vergleich der durchschnittlichen regulären Arbeitszeit ergeben. Während im Jahr 2010 die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von Erwerbstätigen (in Voll- und Teilzeit) bei Männern bei ca. 36,70 Stunden betrug, lag sie bei Frauen durchschnittlich nur bei ca. 27,30 Stunden.330 Die durchschnittliche reguläre Arbeitszeit der Männer übersteigt die der Frauen um ca. das 1,35-fache. Die Haushaltsproduktion nimmt bei Frauen somit in etwa den gleichen Stellenwert ein wie die reguläre Erwerbsarbeit. Der Zeitaufwand für Tätigkeiten in der Haushaltsproduktion umfasst bei Männern dagegen weniger als die Hälfte (ca. 40 Prozent) der Zeit für reguläre Erwerbsarbeit. Darüber hinaus macht dieser Vergleich deutlich, dass die durchschnittlich geleistete Arbeitszeit der Frauen in Form von Haushaltsproduktion und Erwerbsarbeit im Wochendurchschnitt um ca. 3 Stunden höher liegt als bei den Männern. Die oben beschriebenen Aufgabenverteilungen zwischen Männern und Frauen im Haushalt können auch in anderen empirischen Befunden konstatiert werden. So zeigt sich beispielsweise in den Ausarbeitungen von Sojka auf Basis des SOEP, dass Frauen mehr Zeit für Hausarbeit, Kinderbetreuung bzw. generell für die Pflege von Familienangehörigen aufwenden als Männer. Zudem ergibt sich bei Frauen folgende Korrelation zwischen dem Arbeitsvolumen der regulären Erwerbsarbeit und den aufgebrachten Stunden für Hausarbeit: Übersteigt die wöchentliche Arbeitszeit 35 Stunden, reduzieren sich die geleisteten Stunden für die Hausarbeit deutlich. Für Männer kann ein solcher Zusammenhang nicht bestätigt werden, da der Zeitaufwand im Vergleich zu Frauen generell niedriger ist.331

Die aufgewandte Zeit im Bereich der Haushaltsproduktion kann nicht nur zwischen den Geschlechtern unterschiedlich ausgeprägt sein, sondern auch von den Altersgruppen abhängen. In dieser Variante wird ebenfalls der Zeiteinsatz der acht relevanten Tätigkeiten ermittelt und anschließend zum aggregierten zeitlichen Umfang der Haushaltsproduktion zusammengefasst. Die Ergebnisse in Abhängigkeit der vier Altersklassen sind in Tabelle 5-8 zusammengefasst. ← 136 | 137 →

In den Altersklassen ist eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit für Haushaltsproduktion von ca. 19,30 Stunden bei den 15-29-Jährigen und ca. 28,34 Stunden bei den über 65-Jährigen zu konstatieren.

Tabelle 5-8: Durchschnittlicher zeitlicher Umfang der Haushaltsproduktion nach Altersgruppen im Jahr 2010

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Quelle: Eigene Berechnungen.

Auffällig ist, dass in den beiden mittleren Altersklassen für die aggregierten Tätigkeiten kaum zeitliche Unterschiede festzustellen sind. Allerdings zeigen sich bei einer differenzierteren Betrachtung der relevanten Tätigkeiten größere Abweichungen zwischen den Altersklassen. Hierbei sind vor allem die „Kinderbetreuung“ und die „Zubereitung von Mahlzeiten“ zu nennen. Bei den 30-44-Jährigen dominiert mit durchschnittlich ca. 40 Minuten pro Tag die Zeit für „Kinderbetreuung“ im Gegensatz zu den 45-64-Jährigen, die täglich ca. vier Minuten dafür aufwenden. Im zweiten Beispiel verbringen die 44-64-Jährigen durchschnittlich ca. 52 Minuten täglich mit der „Zubereitung von Mahlzeiten“, während es in der jüngeren Altersklasse ca. 43 Minuten täglich sind (vgl. Tabelle 4-15). Über alle Altersklassen hinweg wird die meiste Zeit für Haushaltsproduktion für die Instandhaltung und Reinigung der Wohnung aufgebracht und dieser Zeiteinsatz nimmt mit steigendem Alter zu. Konkret bedeutet dies, dass die jüngste Altersgruppe durchschnittlich ca. 44 Minuten mit Putzen oder ähnlichen Arbeiten in der Wohnung beschäftigt ist, während es in der ältesten Gruppe über 75 Minuten pro Tag sein können. Die Tätigkeiten im Haushalt müssen oftmals neben der regulären Erwerbsarbeit erbracht werden, die in Abhängigkeit der Altersgruppen unterschiedlich stark ausgeprägt ist. In der Haupterwerbsphase der 30-55-Jährigen werden oftmals Erwerbsquoten von über 80 Prozent der jeweiligen Alterskohorte erreicht.332 Dabei kann auch davon ausgegangen werden, dass die damit verbundene Arbeitszeit in diesen Altersgruppen höher ausfällt. Zudem zeichnen sich in ← 137 | 138 → den beiden hier dargestellten mittleren Altersklassen, die nahezu deckungsgleich mit der Haupterwerbsphase sind, relative hohe Arbeitszeiten für die Haushaltsproduktion ab. Damit scheinen hohe Erwerbsquoten bzw. die Haupterwerbsphase kein Grund dafür zu sein, weniger Zeit für Haushaltsproduktion aufzuwenden. Auf der anderen Seite sind zu Beginn des Erwerbslebens und in der Ruhestandsphase ungleich niedrigere bzw. höhere Zeiteinsätze für die Haushaltsproduktion zu beobachten. In der Gruppe der über 65-Jährigen entspricht der wöchentliche Zeitaufwand nahezu dem Umfang einer regulären Vollzeitbeschäftigung. Dies kann unter anderem auf die in der Ruhestandsphase mehr zur Verfügung stehende Zeit, aber auch auf mögliche zeitliche Kompensationen beim Übergang von der Erwerbs- in die Ruhestandsphase zurückzuführen sein. In der jüngsten Altersgruppe wird am wenigsten Zeit für Haushaltsproduktion im Allgemeinen und für die „Zubereitung von Mahlzeiten“ im Speziellen aufgewandt. Ähnliche Erkenntnisse lassen sich auch in anderen Studien feststellen. So überlassen beispielsweise ca. 72 Prozent der Männer im Alter von 20 bis 25 Jahren viele Hausarbeiten, vor allem das Kochen bzw. die Ernährungsversorgung, vollständig den weiblichen Familienmitgliedern wie der Mutter, Großmutter oder Partnerin.333 Trotz der zeitlichen Unterschiede bleibt festzuhalten, dass in den einzelnen Altersklassen die Haushaltsproduktion einen beträchtlichen Anteil der verfügbaren Zeit in Anspruch nimmt.

Abschließend ist in Tabelle 5-9 die durchschnittlich aufgebrachte Zeit für die Haushaltsproduktion in den vier Haushaltstypen zusammengefasst. Der Gesamtumfang setzt sich hierbei – analog zu den geschlechts- und altersgruppenspezifischen Ergebnissen – wieder aus den zeitlichen Angaben der acht relevanten Tätigkeiten zusammen.

Tabelle 5-9: Durchschnittlicher zeitlicher Umfang der Haushaltsproduktion nach Haushaltstypen im Jahr 2010

Illustration

Quelle: Eigene Berechnungen. ← 138 | 139 →

Die mögliche Zeitspanne nach Haushaltstypen erstreckt sich von ca. 21 Stunden pro Woche bei Alleinlebenden bis ca. 31 Stunden pro Woche bei Alleinerziehenden. Der Zeiteinsatz bei Paaren mit und ohne Kinder unterscheidet sich mit einer Differenz von drei Stunden in der Woche nicht so stark im Vergleich zu den anderen Haushaltstypen. Allerdings sind bei den acht Tätigkeiten, die zur Haushaltsproduktion gehören, zum Teil Unterschiede hinsichtlich des zeitlichen Ausmaßes zwischen den Haushaltstypen zu erkennen. Über alle Haushaltsformen hinweg nimmt die „Zubereitung von Mahlzeiten“ sowie die „Instandhaltung und Reinigung der Wohnung“ die meiste Zeit in Anspruch. Während Alleinerziehende pro Tag durchschnittlich ca. eine Stunde mit Kochen beschäftigt sind, nimmt diese Tätigkeit bei Alleinlebenden lediglich ca. 48 Minuten ihrer Zeit in Anspruch und damit in etwas so viel wie in Paarhaushalten mit Kindern. Paare ohne Kinder verbringen durchschnittlich ca. 56 Minuten pro Tag mit der Zubereitung von Mahlzeiten und damit mehr als Paare mit Kindern. Bei der zweiten zeitintensiven Tätigkeit, der Instandhaltung und Reinigung der Wohnung, sind ähnliche Tendenzen – sowohl im zeitlichen Ausmaß als auch der zeitlichen Verteilung – zwischen den vier Haushaltstypen zu erkennen. Die zeitlichen Unterschiede können zum Teil auf Synergieeffekte bzw. Arbeitsteilungen in den jeweiligen Haushaltstypen, aber auch auf unterschiedliche Präferenzen zurückgeführt werden. Darüber hinaus zeichnen sich – erwartungsgemäß – Abweichungen bei den aufgebrachten Zeiten der „Kinderbetreuung“ ab. In Paarhaushalten mit Kindern, aber auch bei Alleinerziehenden, wird hierfür ein durchschnittlicher Zeiteinsatz von ca. 45 Minuten täglich aufgewandt. Ähnlich wie bei den geschlechts- und altersspezifischen Ergebnissen können diese Werte mit möglichen Erwerbssituationen in den Haushalten gespiegelt werden. In den vergangenen Jahren hat zwar die Zahl der Paarhaushalte mit Kindern, in denen beide erwerbstätig sind, zugenommen, dennoch bleibt das traditionelle Ernährermodell die häufigste Erwerbskonstellation in diesen Haushalten.334 Zudem gehen immer mehr Frauen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach, wenngleich mit weniger Stunden bzw. eher in Teilzeit als Männer.335 Somit kann angenommen werden, dass der Großteil der Arbeiten der Haushaltsproduktion in den Haushalten von Frauen erbracht wird. In Auswertungen des SOEP lassen sich ähnliche Befunde ableiten. Ergänzend zu den hier dargestellten Ergebnissen wird deutlich, dass der Zeiteinsatz von Frauen für die Hausarbeit und Kinderpflege deutlich zurückgehen, wenn das wöchentliche Arbeitszeitvolumen ← 139 | 140 → der Frauen über 35 Stunden steigt. Bei den Männern hat die Erwerbskonstellation im Haushalt bzw. die Höhe der regulären Arbeitszeit keinen signifikanten Einfluss auf die Beteiligung an der Hausarbeit, da diese generell niedriger ist.336 Sofern es sich um Haushalte mit Kindern handelt, bestehen zudem geschlechtsspezifische Ungleichheiten bezüglich der Kinderbetreuung und der Hausarbeit, die auf einen höheren Arbeitseinsatz der Frauen zurückzuführen sind.337 Diese Erkenntnisse stützen auch die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit.

Ausgehend von der zeitlichen Dimension der Teilkomponente Haushaltsproduktion werden im Folgenden die modellinduzierten monetären Effekte beschrieben. Im Gegensatz zum Einkommen aus Schwarzarbeit muss das mögliche generierbare Einkommen aus der Haushaltsproduktion als hypothetisch angesehen werden. Für die geleisteten Tätigkeiten ist aktuell kein entsprechender Markt vorhanden, über den diese umfassend entlohnt werden könnten. Daher können die folgenden Ergebnisse als mögliche Einkommenszuwächse, aber auch als eingesparte Opportunitätskosten angesehen werden, da die Tätigkeiten direkt von den Haushaltsmitgliedern und nicht von einer bezahlten Haushaltshilfe erbracht werden. Die obigen Ausführungen haben zudem gezeigt, dass das Zeitvolumen im Bereich der Haushaltsproduktion (76 Milliarden Stunden) das gesamte Zeitvolumen der regulären Erwerbstätigkeit (57 Milliarden Stunden) im Jahr 2010 übersteigt. Zudem setzt sich das Volkseinkommen in Deutschland zu über zwei Dritteln aus Arbeitnehmerentgelten zusammen. Damit wird deutlich, dass die geleistete Arbeit im Bereich der Haushaltsproduktion einen entscheidenden Einfluss auf die Zusammensetzung und Höhe des Volkseinkommens und damit den materiellen Wohlstand haben könnte. Basierend auf der Modellstruktur ergibt sich durch die Teilkomponente Haushaltsproduktion im Jahr 2010 ein zusätzliches Einkommen in Höhe von 688 Milliarden Euro. Im gleichen Jahr betrug das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte nach dem Ausgabenkonzept 1.580 Milliarden Euro.338 Die Monetarisierung der Haushaltsproduktion könnte im Jahr 2010 einen Anstieg des verfügbaren Einkommens um ca. 44 Prozent zur Folge haben. Die Ausübung der Tätigkeiten erfolgt auf Haushaltsebene, daher wird im weiteren Verlauf von der gesamtwirtschaftlichen Ebene abstrahiert.

Die monetären Effekte der Haushaltsproduktion werden in Abhängigkeit der sozioökonomischen Merkmale Geschlecht, Alter und Haushaltstyp diskutiert. Als Referenzgröße wird – analog zu den Ausführungen bei der Schwarzarbeit – auf die entsprechenden monatlich verfügbaren Nettoeinkommen zurückgegriffen. ← 140 | 141 → Die Tätigkeiten der Haushaltsproduktion werden über den Spezialistenansatz mit Nettostundenlöhnen bewertet. In der Basisvariante beträgt dieser 10,20 Euro, sodass ein durchschnittliches monatliches Einkommen in Höhe von ca. 765 Euro im Jahr 2010 resultiert.339 Würde die Haushaltsproduktion entsprechend dieser Vorgaben entlohnt werden, könnte das verfügbare Nettoeinkommen somit um ca. 26 Prozent gesteigert werden. In Tabelle 5-10 sind die geschlechtsspezifischen verfügbaren Nettomonatseinkommen, das abgeleitete Einkommen der Haushaltsproduktion sowie der relative Einkommenszuwachs, der damit realisiert werden könnte, dargestellt.

Tabelle 5-10: Verfügbares Nettomonatseinkommen und monatliches Einkommen durch die Haushaltsproduktion nach Geschlecht im Jahr 2010

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Quelle: Eigene Berechnungen; Statistisches Bundesamt (2012b, c), S. 32.

Der ca. 1,9-fach höhere Zeiteinsatz der Frauen bei der Haushaltsproduktion unterstreicht die geschlechtsspezifischen Unterschiede und spiegelt sich zum Teil auch im Nettoeinkommen wider. Im Jahr 2010 entspricht die geleistete Arbeit der Frauen im Bereich der Haushaltsproduktion einem durchschnittlichen Monatseinkommen in Höhe von ca. 907 Euro bzw. 42,3 Prozent des realisierten Nettomonatseinkommens. Im Gegensatz dazu könnte das Einkommen der Männer um ca. 598 Euro bzw. 17,5 Prozent gesteigert werden. Damit übersteigt der Wert der Frauen das mögliche Einkommen der Männer um das ca. 1,5-fache. Die geringeren Einkommensdifferenzen im Vergleich zum zeitlichen Umfang sind auf die geschlechtsspezifischen Nettostundenlöhne zurückzuführen. Während die Tätigkeiten der Frauen mit durchschnittlich 9,40 Euro pro Stunde bewertet werden, sind es bei den Männern durchschnittlich 10,90 Euro. Der dominierende Zeiteffekt der Frauen wird somit durch den dominierenden Lohneffekt der Männer zum Teil kompensiert. ← 141 | 142 →

Neben der monetären Bewertung der Haushaltsproduktion nach Geschlecht werden nun die Ergebnisse nach Altersgruppen und Haushaltstypen differenziert dargestellt. Analog zu den Wohlstandsergebnissen der Schwarzarbeit sind in Tabelle 5-11 und Tabelle 5-12 die verfügbaren Nettomonatseinkommen in den vier Altersklassen und Haushaltstypen aus dem Jahr 2010 sowie die modellbestimmten monatlichen Einkommen aus der Haushaltsproduktion einander gegenübergestellt. Zudem wird in der letzten Spalte der Anteil dieses zusätzlichen Einkommensbausteins am jeweiligen verfügbaren Nettoeinkommen ausgewiesen. Die monetäre Bewertung der Tätigkeiten erfolgt – analog zur Basisvariante – in Altersklassen (vgl. Tabelle 4-14).

Tabelle 5-11: Verfügbares Nettomonatseinkommen und monatliches Einkommen durch die Haushaltsproduktion nach Altersgruppen im Jahr 2010

Illustration

Quelle: Eigene Berechnungen, Statistisches Bundesamt (2012c), S. 32.

Der mögliche Zuverdienst durch Entlohnung der Haushaltsproduktion kann sich in Abhängigkeit der Altersklasse im Jahr 2010 auf bis zu 974 Euro pro Monat belaufen. In der Gruppe der über 65-Jährigen sind somit sowohl absolut als auch relativ mit 40,8 Prozent die größten Einkommenszuwächse möglich. Die 15-29-Jährigen investieren im Vergleich zu den anderen Altersklassen am wenigsten Zeit in die Haushaltsproduktion und können daher mit ca. 714 Euro auch den geringsten Beitrag erwirtschaften. Allerdings würde die Entlohnung dieser Tätigkeiten ihr monatlich verfügbares Einkommen nahezu um ein Drittel erhöhen. Der gesamte zeitliche Umfang für die Haushaltsproduktion unterscheidet sich zwischen den beiden mittleren Altersklassen kaum. Die unterschiedlichen Tätigkeitsschwerpunkte, respektive die aufgewandte Zeit dafür, wirken sich jedoch auf das generierbare Einkommen aus. So zeichnet sich bei den 30-44-Jährigen ein zusätzliches Einkommen von ca. 924 Euro ab, das relativ gesehen 27,2 Prozent des Nettomonatseinkommens entspricht. Dagegen kann die Gruppe der 45-64-Jährigen monatlich ca. 833 Euro bzw. 25,9 Prozent ← 142 | 143 → hinzuverdienen. Die Einkommensunterschiede zwischen den Altersklassen könnten sich durch die Berücksichtigung der Haushaltsproduktion zum Teil sowohl absolut als auch relativ verringern.

Nachfolgend sind die modellabhängigen Wohlstandsergebnisse der Haushaltsproduktion für die vier Haushaltstypen dargestellt. Wie in Kapitel 4.4.2 gezeigt, werden bei der monetären Bewertung die berechneten Gewichtungsfaktoren je Haushaltstyp berücksichtigt, womit annahmegemäß die vorherrschende Einkommensstruktur bei der Entlohnung der Tätigkeiten berücksichtigt wird.

Tabelle 5-12: Verfügbares Nettomonatseinkommen und monatliches Einkommen durch die Haushaltsproduktion nach Haushaltstyp im Jahr 2010

Illustration

Quelle: Eigene Berechnungen, Statistisches Bundesamt (2012c), S. 32.

Die möglichen Einkommenszuwächse verteilen sich absolut gesehen gemäß der monatlichen Nettoeinkommensstruktur. Das geringste Einkommen durch Haushaltsproduktion wird somit von Alleinlebenden mit durchschnittlich ca. 462 Euro monatlich erwirtschaftet. Am anderen Einkommensende befinden sich mit einem zusätzlichen Monatseinkommen von ca. 1.663 Euro zusammenlebende Paare mit Kindern. Der Vergleich mit den ermittelten Zeiteffekten macht deutlich, dass sich die relativen Einkommenszuwächse direkt in der aufgewendeten Zeit widerspiegeln. Dies bedeutet, dass bei Alleinerziehenden nicht nur die meiste Zeit für Tätigkeiten in der Haushaltsproduktion anfällt, sie könnten dadurch auch ihr verfügbares Monatseinkommen um über 39 Prozent steigern. Im Gegensatz dazu wird bei zusammenlebenden Paaren ohne Kinder durch geringeren Zeitaufwand zwar ein höheres absolutes Einkommen (ca. 1.031 Euro), jedoch mit 30,6 Prozent ein geringeres relatives Einkommen generiert. Die induzierten Verschiebungen in den Einkommenszuwächsen sind zum einen auf die verschiedenen (zeitlichen) Tätigkeitsschwerpunkte in den Haushaltstypen, ← 143 | 144 → zum anderen auf haushaltstypspezifisch gewichtete Lohnsätze zurückzuführen. Die vorherrschenden absoluten Einkommensdifferenzen der einzelnen Haushalte untereinander vergrößern sich durch die Berücksichtigung der Haushaltsproduktion. Der hohe zeitliche Einsatz der Alleinerziehenden würde somit auf der einen Seite zwar den Einkommensunterschied zu den Alleinlebenden vergrößern, auf der anderen Seite wird der zeitliche Vorsprung zu Haushalten mit Kindern durch die höheren Zuverdienstmöglichkeiten dieser Gruppe zum Teil kompensiert.

Zusammenfassend kann konstatiert werden, dass die privaten Haushalte im Jahr 2010 ihr monatlich verfügbares Einkommen durch die Haushaltsproduktion durchschnittlich um 26,3 Prozent erhöhen könnten. Der ermittelte Zeitvorteil der Frauen gegenüber den Männern wird zum Teil durch die bestehenden geschlechtsabhängigen Lohnunterschiede eliminiert, sodass der mögliche Einkommensvorsprung reduziert wird. Die altersgruppenspezifische Betrachtung zeigt zudem, dass die meiste Zeit für Aktivitäten der Haushaltsproduktion, und damit auch der größte Zuverdienst, bei den über 65-Jährigen zu beobachten ist. Im Haushaltskontext ist die Verteilung der aufgebrachten Zeit von Synergieeffekten bei der Arbeitsteilung geprägt. So ist der Zeitaufwand für einige Aufgaben im Haushalt, wie beispielsweise „Einkaufen und Besorgungen“, nicht direkt von der Anzahl der Haushaltsmitglieder abhängig. Der mögliche relative Zuverdienst ist bei Alleinerziehenden mit nahezu 40 Prozent des Monatseinkommens besonders hoch. Dadurch können jedoch die Einkommensunterschiede zu den Haushalten mit höherem Einkommen nicht reduziert werden – vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Die Auswirkungen des zusätzlichen Einkommens auf die Einkommensverteilung zwischen den einzelnen sozioökonomischen Gruppen werden im nächsten Abschnitt näher ausgeführt.

5.2.2 Verteilungsergebnisse

Nachdem im vorherigen Kapitel die wohlstandsrelevanten Auswirkungen der Teilkomponente Haushaltsproduktion durch die zeitlichen und monetären Einflüsse der sozioökonomischen Merkmale beschrieben wurden, werden nachfolgend die verteilungsrelevanten Ergebnisse ausgewertet. Es werden die Verteilungseffekte des zusätzlichen Einkommens durch die Haushaltsproduktion (HP) im Vergleich zum verfügbaren Nettoeinkommen (NEK) sowie die Auswirkungen des zusätzlichen Einkommens auf das daraus resultierende Gesamteinkommen (NEK+HP) analysiert. Wie bereits bei der Auswertung der Schwarzarbeit werden auch hier die personellen Einkommensverteilungen in Abhängigkeit von Geschlecht, Alter und Haushaltstyp anhand der jeweiligen ← 144 | 145 → Lorenzkurve und dem damit verbundenen Gini-Koeffizienten dargestellt. Die verfügbaren Nettomonatseinkommen der drei sozioökonomischen Merkmale werden – analog zur Schwarzarbeit – als Vergleichsgröße herangezogen.

In Abbildung 5-5 sind die Lorenzkurven der drei beschriebenen Einkommensgrößen (NEK, HP und NEK+HP), die geschlechtsspezifischen Bevölkerungsanteile sowie die daraus resultierenden drei Gini-Koeffizienten dargestellt. Die Abszisse teilt sich in die beiden Bevölkerungsanteile auf, allerdings unterscheiden sich die Abschnitte in Abhängigkeit der Einkommensgrößen. Bei den beiden Nettomonatseinkommen werden zuerst die Einkommen der Frauen abgetragen, d.h. die Einkommen sind zu Ungunsten der Frauen verteilt. Für das Einkommen der Haushaltsproduktion liegt jedoch der umgekehrte Fall vor – das Einkommen verteilt sich zu Gunsten der Frauen.

Abbildung 5-5: Lorenzkurve der Teilkomponente Haushaltsproduktion nach Geschlecht

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Quelle: Eigene Berechnungen.

Die Lage der Lorenzkurven zeigt, dass das verfügbare Nettoeinkommen nach Geschlecht ungleicher verteilt ist als die beiden anderen Einkommensgrößen. Während bei ersterem ca. 40 Prozent des Einkommens auf 51 Prozent der Bevölkerung verteilt werden, erhalten bei der Teilkomponente Haushaltsproduktion die Frauen (51 Prozent) ca. 60 Prozent des resultierenden Einkommens. Allerdings zeigen die Gini-Werte auch, dass die Ungleichverteilung der ← 145 | 146 → Einkommen in beiden Fällen zum einen nahezu gleich ist und zum anderen auch als relativ gering eingestuft werden kann. Die wohlstandsrelevanten Ergebnisse haben gezeigt, dass der Einkommenszuwachs bei Männern ca. 598 Euro (bzw. 17,5 Prozent) und bei Frauen ca. 907 Euro (bzw. 42,3 Prozent) betragen kann. Somit verringert sich die Einkommensdifferenz zwischen Männern und Frauen von 1.280 Euro (NEK) auf 917 Euro (NEK+HP) und führt zu einer gleichmäßigeren Verteilung der Einkommen. Die NEK+HP-Lorenzkurve liegt somit näher an der Winkelhalbierenden als die beiden anderen Kurven und der Gini-Koeffizient sinkt unter der Berücksichtigung des Haushaltsproduktionseinkommens von 0,11 auf 0,07. Der deutlich höhere Zeiteinsatz der Frauen bei der Haushaltsproduktion führt dazu, dass Frauen durchschnittlich mehr Zeit in marktliche und nicht-marktliche Arbeiten investieren als Männer. Die unterschiedlichen Lohnsätze für Männer und Frauen führen jedoch dazu, dass die Einkommen auch nach Berücksichtigung der Haushaltsproduktion zu Gunsten der Männer verteilt sind.

Nach der geschlechtsspezifischen Auswertung sind in Abbildung 5-6 die Lorenzkurven in Abhängigkeit der Altersgruppen, der dazugehörigen Gini-Werte und der jeweiligen Bevölkerungsanteile dargestellt. Es liegen die modellinduzierten monatlichen Einkommen aus der Teilkomponente Haushaltsproduktion und die verfügbaren Monatsnettoeinkommen der vier Altersgruppen, die im vorherigen Kapitel vorgestellt wurden (vgl. Tabelle 5-11), vor. Die Abszissenabschnitte der NEK-Lorenzkurve und der NEK+HP-Lorenzkurve sind identisch mit den beschriebenen Abschnitten in Abbildung 5-3.340 Die Tabelle rechts neben den Lorenzkurven gibt somit die Einteilung des Einkommens der Haushaltsproduktion nach Altersgruppen an und beschreibt somit die Abszissenabschnitte für diese Lorenzkurve. ← 146 | 147 →

Abbildung 5-6: Lorenzkurve der Teilkomponente Haushaltsproduktion nach Alter

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Quelle: Eigene Berechnungen.

Der Vergleich der Lorenzkurve des Nettomonatseinkommens und der Lorenzkurve des Haushaltsproduktionseinkommens zeigt, dass das Nettomonatseinkommen in den Altersgruppen ungleicher verteilt ist als das Einkommen der Haushaltsproduktion. Während mit der Verteilung des Nettoeinkommens ein Gini-Koeffizient von 0,09 einhergeht, liegt dieser beim Haushaltsproduktionseinkommen bei 0,06. Wie im vorherigen Kapitel gezeigt, kann das Nettomonatseinkommen durch Berücksichtigung des möglichen Einkommens der Haushaltsproduktion zwischen ca. 26 Prozent bei den 45-64-Jährigen und bis zu ca. 41 Prozent bei den über 65-Jährigen erhöht werden. Die damit einhergehende Einkommensverteilung ist durch die NEK+HP-Lorenzkurve dargestellt. Diese liegt zwischen den beiden anderen Lorenzkurven und führt zu einem Gini-Koeffizienten von 0,08. Damit ist das Einkommen inklusive des möglichen Zusatzeinkommens zwischen den Altersgruppen gleichmäßiger verteilt als das verfügbare Nettomonatseinkommen. Der mögliche Zuverdienst durch die Haushaltsproduktion reduziert somit die Einkommensdifferenzen zwischen den Altersgruppen und damit die Einkommensungleichheit.

In Abbildung 5-7 sind die Verteilungen der abgeleiteten Einkommen der Haushaltsproduktion nach Haushaltstypen und das verfügbare Nettomonatseinkommen visualisiert. Ergänzend hierzu ist ebenfalls die Lorenzkurve des modellierten Gesamteinkommens (NEK+HP) abgetragen. ← 147 | 148 →

Abbildung 5-7: Lorenzkurve der Teilkomponente Haushaltsproduktion nach Haushaltstyp

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Quelle: Eigene Berechnungen.

Die Einkommen werden wie in den bereits beschrieben Fällen der Höhe nach aufsteigend sortiert. Die angegebenen Bevölkerungsanteile der Haushaltstypen entsprechen dabei der abgetragenen Reihung auf der Abszisse. Dies impliziert, dass die Alleinlebenden das geringste Einkommen erhalten. Der Verlauf der Lorenzkurven macht deutlich, dass das zusätzliche Einkommen aus der Haushaltsproduktion ungleicher über die Haushaltstypen verteilt ist als das verfügbare Nettomonatseinkommen. So erhalten ca. 83 Prozent der Haushalte (ohne zusammenlebende Paare mit Kindern) ca. 73 Prozent des verfügbaren Nettoeinkommens, aber nur ca. 67 Prozent des Einkommens aus der Haushaltsproduktion. Der mögliche Einkommenszuwachs, der bei den Wohlstandsergebnissen bereits diskutiert wurde, liegt zwischen ca. 462 Euro (bzw. 25,9 Prozent) bei den Alleinlebenden und ca. 1.663 Euro (bzw. 38,9 Prozent) bei den zusammenlebenden Paaren mit Kindern. Vor allem die Einkommenssituation der letztgenannten Gruppe trägt dazu bei, dass die Einkommen ungleicher verteilt werden. Dies zeigt sich auch in der dritten Lorenzkurve, die das neue verfügbare Einkommen darstellt. Bei der Berücksichtigung der Haushaltsproduktion würde sich der Gini-Koeffizient des verfügbaren Einkommens von 0,19 auf 0,20 erhöhen.

Für die Verteilungseffekte der Teilkomponente Haushaltsproduktion kann festgehalten werden, dass die modellinduzierten Einkommen nach Geschlecht ← 148 | 149 → und in den Altersgruppen jeweils einen geringeren Gini-Koeffizienten aufweisen als das jeweilige verfügbare Nettomonatseinkommen. Mit einem Gini-Koeffizienten von 0,23 ist das Haushaltsproduktionseinkommen zwischen den vier Haushaltstypen zum einen ungleicher verteilt als das verfügbare Nettomonatseinkommen mit 0,19, zum anderen weist es den höchsten Gini-Koeffizienten in den betrachteten drei sozioökonomischen Gruppen auf. Zudem konnte gezeigt werden, dass der Einkommenszuwachs, der aus der Berücksichtigung der Haushaltsproduktion resultiert, die Verteilungseffekte beeinflusst. Dies wurde durch die Lage der jeweiligen NEK+HP-Lorenzkurven deutlich. Hinsichtlich der geschlechtsspezifischen Einkommensverteilung reduzierte sich die Ungleichheit von 0,11 auf einen Gini-Wert von 0,07. Dies kann auf das deutlich höhere Einkommen der Frauen in der Haushaltsproduktion zurückgeführt werden. Bei den Ergebnissen in Abhängigkeit der Altersgruppen würde die Berücksichtigung der Haushaltsproduktion einen Gini-Koeffizienten von 0,08 zur Folge haben, der somit leicht unter dem Wert des Nettomonatseinkommens von 0,09 liegt. Wie bereits oben gezeigt, zeichnet sich bei den Haushaltstypen eine andere Verteilungssituation ab. Diese kann aus den unterschiedlich hohen Einkommen der Haushaltsproduktion (vgl. Tabelle 5-12) abgeleitet werden. Das modellierte mögliche Gesamteinkommen ist durch das Haushaltsproduktionseinkommen ungleicher über die Haushalte verteilt als das verfügbare Nettoeinkommen.

5.3 Auswertung der Teilkomponente Ehrenamt

In diesem Kapitel werden die wohlstands- und verteilungsrelevanten Ergebnisse der dritten Teilkomponente Ehrenamt vorgestellt. Die Tätigkeiten der Teilkomponente Ehrenamt umfassen dabei ehrenamtlichen Tätigkeiten sowie die informelle Hilfe, die in der Zeitbudgeterhebung ausgewiesen werden (vgl. 4-16). Ausgehend vom ermittelten zeitlichen Umfang des Ehrenamtes im Jahr 2010 werden – in Abhängigkeit von Geschlecht, Alter und Haushaltstyp – die Auswirkungen auf den materiellen Wohlstand analysiert. Dies erfolgt über eine Auswertung des möglichen Einkommens, das durch eine Entlohnung der geleisteten Arbeitsstunden erzielt werden könnte. Anschließend werden im zweiten Analyseschritt die damit einhergehenden Verteilungseffekte der zusätzlichen Einkommenskomponenten untersucht.

Die Ausführungen in Kapitel 3.2.3 verdeutlichen, dass das Ehrenamt im Allgemeinen sowie ehrenamtliche Tätigkeiten und informelle Hilfe im Speziellen wichtige Eckpfeiler im deutschen Sozialstaat sind. Ehrenamtliches Engagement sichert die Bereitstellung verschiedener Dienstleistungen und Hilfestellungen in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens. Dies kann zum Großteil nur durch ← 149 | 150 → die unentgeltlich geleistete Arbeit sichergestellt werden. Eine vollständige bzw. adäquate Entlohnung dieser Tätigkeiten kann in der Regel – ähnlich den Tätigkeiten der Haushaltsproduktion – nicht erfolgen. Im Zuge dieser Arbeit werden daher nur zentrale Elemente der Arbeitsleistung im Bereich des Ehrenamtes, die über die Zeitbudgeterhebung zeitlich erfasst werden können, bewertet. Diese Angaben sind, wie in den vorherigen Kapiteln bereits erwähnt wurde, eher als Untergrenze des tatsächlichen Engagements zu interpretieren.

5.3.1 Wohlstandsergebnisse

Bei der Modellierung der Teilkomponente Ehrenamt standen die zeitliche und monetäre Erfassung und Bewertung, die durch die Basisvariante sowie die sozioökonomischen Berechnungsvarianten ermittelt werden konnten, im Vordergrund. Bevor die monetären und damit materiellen (Wohlstands-)Effekte des Ehrenamtes diskutiert werden, wird vorab der zeitliche Umfang der Tätigkeiten für die Teilkomponente Ehrenamt für das Jahr 2010 vorgestellt.

Die zeitliche Erfassung der Arbeitsleistung der Teilkomponente Ehrenamt erfolgte in Kapitel 4.5. Für das Jahr 2010 konnte dabei ein gesamtwirtschaftlicher Umfang von ca. 6,8 Milliarden Stunden im Bereich des Ehrenamtes ermittelt werden und damit ca. 2,8 Milliarden Stunden mehr als in der Teilkomponente Schwarzarbeit. Wie bereits in Kapitel 3.2.3 beschrieben, wird die Erfassung des Ehrenamtes aufgrund unterschiedlicher begrifflicher Abgrenzungen oder unterschiedlicher Betrachtungsebenen erschwert und verkompliziert somit einen Vergleich der Ergebnisse. Zur Einordnung des zeitlichen Umfangs wird hier dennoch auf die Ergebnisse des Engagements Altas von Prognos und des Freiwilligensurveys zurückgegriffen. Im Engagement Atlas wird für das Jahr 2008 ein Jahresvolumen des bürgerschaftlichen Engagements von ca. 4,6 Milliarden Stunden ausgewiesen.341 Im Freiwilligensurvey werden dagegen nur Monatswerte ermittelt. Für das Jahr 2009 geben die Autoren eine durchschnittliche Stundenzahl von 16 Stunden pro Monat und Person an. Diese Zahl liegt über dem durchschnittlichen Monatswert von ca. acht Stunden, der im Rahmen dieser Arbeit berechnet wurde.342 Die unterschiedlichen Ergebnisse sind maßgeblich auf die unterschiedlichen Erhebungsmethoden, die gewählten Abgrenzungen und die unterschiedlichen Beobachtungszeiträume zurückzuführen. Allerdings geben sie mögliche Eckwerte des zeitlichen Umfangs im Bereich des Ehrenamtes an. Es wird deutlich, dass die hier ermittelten Werte der Teilkomponente Ehrenamt ← 150 | 151 → eher im Bereich der Werte der Prognos-Studie eingeordnet werden können und daher möglicherweise das Engagement in der Bevölkerung unterschätzen. Im Folgenden werden die Ergebnisse nach den drei sozioökonomischen Gruppen differenziert vorgestellt.

In der nachstehenden Tabelle ist der modellinduzierte zeitliche Umfang der Teilkomponente Ehrenamt in Abhängigkeit des Geschlechtes zusammengefasst. Es zeigt sich, dass im Jahr 2010 durchschnittlich 91 Stunden pro Person für Tätigkeiten im Bereich des Ehrenamts aufgewandt wurden.

Tabelle 5-13: Durchschnittlicher zeitlicher Umfang des Ehrenamts insgesamt und nach Geschlecht im Jahr 2010

Illustration

Quelle: Eigene Berechnungen.

Die geschlechtsspezifischen Werte zeigen, dass Männer mit durchschnittlich 103 Stunden pro Jahr ungefähr 1,2-mal mehr Zeit in Ehrenämter investieren als Frauen. Die Zeitaufteilung auf die ehrenamtlichen Tätigkeiten und der informellen Hilfe unterscheiden sich dabei ebenfalls zwischen Männern und Frauen. Während Männer über die Hälfte der Zeit in die Ausübung von ehrenamtlichen Tätigkeiten investieren, ist es bei Frauen die informelle Hilfe, die den Hauptteil der aufgebrachten Zeit veranschlagt. Allerdings sind im Bereich der informellen Hilfe kaum zeitliche Unterschiede zwischen Mann und Frau zu konstatieren, sodass der Unterschied aus dem Zeitaufwand für die ehrenamtlichen Tätigkeiten abgeleitet werden kann. Bei Männern liegt dieser durchschnittlich um das 1,5-fache über dem Zeiteinsatz der Frauen. Die zeitliche Dominanz der Männer hinsichtlich des Ehrenamts, aber auch unterschiedliche Tätigkeitsschwerpunkte werden ebenfalls in anderen empirischen Studien deutlich. So zeigen tiefere Auswertungen der Zeitbudgeterhebung, aber auch die Ergebnisse des Engagementatlases von Prognos, dass Frauen mehr Zeit für soziale und kirchliche Aktivitäten sowie für Aufgaben im Beriech der Jugend- und Kinderbetreuung aufwenden als Männer. Die Schwerpunkte des Engagements bei Männern sind dagegen eher im Sportbereich, der Feuerwehr und anderen Freizeitvereinen zu finden.343 Die Tätigkeitsschwerpunkte der Frauen legen zudem nahe, dass einige ← 151 | 152 → ehrenamtlichen Aufgaben oder die informelle Hilfe nicht als solche wahrgenommen werden, sondern mit den Aufgaben der Haushaltsproduktion zusammenfallen können. Damit könnte das zeitliche Engagement der Frauen tendenziell unterschätzt werden.

Neben den geschlechtsspezifischen Ergebnissen können auch hinsichtlich der vier Altersgruppen Rückschlüsse über die Zeitverteilung der Teilkomponente Ehrenamt gezogen werden. In Tabelle 5-14 sind die entsprechenden durchschnittlichen Stunden – pro Tag, Woche und Jahr – dargestellt.

Tabelle 5-14: Durchschnittlicher zeitlicher Umfang des Ehrenamts nach Altersgruppen Jahr 2010

Illustration

Quelle: Eigene Berechnungen.

Es wird deutlich, dass in der Alterskasse der 30-44-Jährigen mit durchschnittlich 66 Stunden im Jahr mit Abstand die geringsten Stundenzahlen im Bereich des Ehrenamtes geleistet werden. In den anderen drei Altersklassen kann in der Gruppe der 45-64-Jährigen mit bis zu 121 Stunden der höchste zeitliche Umfang konstatiert werden. In allen Altersklassen – bis auf die Gruppe der 45-64-Jährigen – nehmen die ehrenamtlichen Tätigkeiten mehr Zeit in Anspruch als die informelle Hilfe. Des Weiteren bringt die jüngste Altersklasse mit jeweils ca. neun Minuten pro Tag nahezu gleich viel Zeit für ehrenamtliche Tätigkeiten und informelle Hilfe auf. Bei den über 65-Jährigen wird jedoch mehr als die Hälfte der Zeit für ehrenamtliche Tätigkeiten aufgebracht. Es ist zudem bemerkenswert, dass in den beiden Altersklassen der Haupterwerbsphase, also der 30-44-Jährigen und der 45-65-Jährigen sowohl die geringste als auch die meiste Zeit für ehrenamtliche Tätigkeiten und informelle Hilfe aufgebracht wird. Der geringe Zeiteinsatz in den ersten beiden Altersklassen kann auf die mögliche Arbeitsbelastung bzw. den Berufseinstieg und Ausbildung, aber auch altersspezifisch ausgeprägten Freizeitpräferenzen im Vergleich zu den anderen beiden Altersgruppen zurückzuführen sein.344 Der relativ hohe Anteil in den beiden ← 152 | 153 → älteren Gruppen kann dagegen unter anderem durch eine höhere Zeitsouveränität aufgrund verschiedener Interessenslagen oder der Ruhestandsphase bedingt sein.

Abschließend ist in nachfolgender Tabelle das durchschnittliche zeitliche Engagement im Ehrenamt in den vier Haushaltstypen dargestellt. Die Werte stellen dabei die Summe aus dem zeitlichen Umfang der ehrenamtlichen Tätigkeiten und der informellen Hilfe dar und sind in Tages-, Wochen- und Jahreswerten angegeben. Es zeigt sich, dass kinderlose Haushalte deutlich mehr Zeit für Tätigkeiten im Bereich des Ehrenamtes aufwenden als Haushalte mit Kindern.

Tabelle 5-15: Durchschnittlicher zeitlicher Umfang des Ehrenamts nach Haushaltstypen Jahr 2010

Illustration

Quelle: Eigene Berechnungen.

Der mögliche Zeitaufwand für Ehrenamt ist in Paarhaushalten mit Kindern (79 Stunden pro Jahr) geringer als in kinderlosen Paarhaushalten (109 Stunden pro Jahr). Noch größer ist der zeitliche Unterschied zwischen Alleinlebenden mit ca. 127 Stunden pro Jahr und Alleinerziehenden mit durchschnittlich ca. 72 Stunden jährlich. Die Aufteilung zwischen ehrenamtlichen Tätigkeiten und informeller Hilfe ist in allen Haushaltstypen ähnlich verteilt – mit Ausnahme der Alleinerziehenden. Diese verbringen nahezu doppelt so viel Zeit mit informeller Hilfe. Der hohe Zeiteinsatz bei Alleinlebenden kann unter anderem mit dem Wunsch nach sozialer Interaktion begründet werden.345 In Haushalten mit Kindern kann oder wird gegebenenfalls nicht zwischen den Tätigkeiten der Haushaltsproduktion und den Tätigkeiten im Bereich des Ehrenamtes unterschieden, sodass der zeitliche Ansatz zu gering bewertet wird. In anderen Studien zeigt sich, dass vor allem Kinder die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, positiv beeinflusst und in Singlehaushalten eher ← 153 | 154 → eine geringere Bereitschaft zu ehrenamtlichem Engagement vorhanden ist.346 Allerdings lassen diese Engagementquoten noch keinen direkten Rückschluss auf die tatsächlich aufgebrachte Zeit zu.

Durch die zeitliche Abgrenzung kann das Ehrenamt monetär bewertet werden, sodass die Auswirkungen auf den materiellen Wohlstand in den drei sozioökonomischen Gruppen ausgewertet werden können. Ähnlich wie bei der Haushaltsproduktion wird in Deutschland die Arbeitsleistung im Ehrenamt nicht entlohnt, wenngleich sie in manchen Bereichen mit einer Aufwandsentschädigung abgegolten wird. Durch die enge definitorische Abgrenzung des Ehrenamtes, die zudem eine zeitliche Untergrenze der berücksichtigten Tätigkeiten impliziert, konnte für das Jahr 2010 ein gesamtwirtschaftliches Einkommen in Höhe von ca. 65,4 Milliarden Euro ermittelt werden. Dies entspricht einem durchschnittlichen monatlichen pro Kopf Einkommen von ca. 73 Euro. Damit übersteigt die entlohnte Arbeitsleistung des Ehrenamtes das abgeleitete Schwarzarbeitseinkommen (42,3 Milliarden Euro) um ca. 23,1 Milliarden Euro. Analog zu den beiden anderen Teilkomponenten werden im Folgenden die monatlichen Einkommensströme auf Personen- bzw. Haushaltsebene aufgezeigt.

In Tabelle 5-16 sind die fiktiven monatlichen Einkommen, die aus den Tätigkeiten des Ehrenamtes resultieren könnten, nach Geschlecht differenziert sowie deren potenzieller Anteil am tatsächlich verfügbaren Nettomonatseinkommen dargestellt.

Tabelle 5-16: Verfügbares Nettomonatseinkommen und monatliches Einkommen durch das Ehrenamt nach Geschlecht im Jahr 2010

Illustration

Quelle: Eigene Berechnungen; Statistisches Bundesamt (2012b, c), S. 32.

Die bereits beim zeitlichen Umfang abgeleiteten Unterschiede zwischen Männern und Frauen werden bei der (absoluten) Entlohnung des Ehrenamtes zusätzlich ← 154 | 155 → verstärkt. Durch Berücksichtigung des Ehrenamtes könnte sich das monatliche Einkommen bei Männern um durchschnittlich ca. 98 Euro erhöhen. Aufgrund der unterschiedlichen Tätigkeitsschwerpunkte und der geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede ist das zusätzliche Einkommen der Männer in etwa um den Faktor 1,6 höher als das der Frauen mit 63 Euro pro Monat. In Relation zum verfügbaren Nettomonatseinkommen im Jahr 2010 könnte durch die Tätigkeiten im Bereich des Ehrenamtes sowohl bei Männern als auch bei Frauen ein Anstieg um ca. 2,9 Prozent realisiert werden.

Die Einkommenssituation im Bereich des Ehrenamtes in Abhängigkeit der Altersgruppen ist in Tabellen 5-17 dargestellt. Hierbei ist erneut neben dem monatlichen Nettoeinkommen aus dem Jahr 2010 das modellinduzierte Einkommen der Teilkomponente Ehrenamt sowie der entsprechende relative Anteil dargestellt.

Tabelle 5-17: Verfügbares Nettomonatseinkommen und monatliches Einkommen durch das Ehrenamt nach Altersgruppen im Jahr 2010

Illustration

Quelle: Eigene Berechnungen, Statistisches Bundesamt (2012c), S. 32.

Ausgehend vom zeitlichen Umfang variiert das durch Ehrenamt generierbare Einkommen in den Altersklassen monatlich zwischen ca. 54 Euro bei den 30-44-Jährigen und ca. 97 Euro bei den 45-64-Jährigen. Die absoluten Einkommenspositionen spiegeln somit den oben beschriebenen zeitlichen Einsatz in den jeweiligen Altersklassen wider. Hinsichtlich der möglichen relativen Einkommenszuwächse sind zum Teil andere Befunde zu beobachten. Während in der zweiten Altersgruppe auch relativ gesehen der geringste monetäre Effekt durch das Ehrenamt erzielt wird, wird in der dritten Altersgruppe – trotz absolut höchstem Zusatzeinkommen – mit 3,0 Prozent der zweitniedrigste Einkommenszuwachs realisiert.

Abschließend sind die abgeleiteten monetären Effekte des Ehrenamtes in den vier Haushaltstypen tabellarisch dargestellt. ← 155 | 156 →

Tabelle 5-18: Verfügbares Nettomonatseinkommen und monatliches Einkommen durch das Ehrenamt nach Haushaltstyp im Jahr 2010

Illustration

Quelle: Eigene Berechnungen, Statistisches Bundesamt (2012c), S. 32.

Es wird deutlich, dass der mögliche Zuverdienst, der durch das Ehrenamt generiert werden könnte, in den Paarhaushalten absolut gesehen am höchsten ausfallen kann. Allerdings wird bei Alleinlebenden trotz des höchsten zeitlichen Engagements das zweitniedrigste Einkommen in Höhe von 66 Euro generiert. Diese Einkommenseffekte sind somit maßgeblich auf die getroffenen Annahmen zur Lohngewichtung bei den Haushaltstypen zurückzuführen, die die Tätigkeiten der Paarhaushalte mit höheren Faktoren gewichtet als die anderen beiden Haushaltstypen (vgl. Tabelle 4-12). Darüber hinaus sind neben den absoluten Einkommensanstiegen auch Unterschiede bei den relativen Einkommenszuwächsen zu beobachten. Hierbei wird der oben beschriebene zeitliche Effekt deutlich, da die Haushalte mit höherem zeitlichen Einsatz auch höhere relative Einkommenszuwächse erzielen können. Die Einkommensdifferenzen werden durch die Berücksichtigung des Ehrenamtes jedoch nicht maßgeblich verändert.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sich die Einkommenspositionen durch die Berücksichtigung des Einkommens aus Ehrenamt in den betrachteten sozioökonomischen Gruppen nicht verschieben. Durchschnittlich könnte im Jahr 2010 das verfügbare Einkommen durch die Monetarisierung des Ehrenamtes um ca. 2,5 Prozent gesteigert werden. Die altersgruppenspezifische Betrachtung zeigt zudem, dass das verfügbare Einkommen beispielsweise bei Altersklassen mit geringerem Einkommen – wie den 15-29-Jährigen oder den über 65-Jährigen – durch das Ehrenamt um nahezu 4 Prozent aufgestockt werden könnte. Im Haushaltskontext wird deutlich, dass der Zeiteinsatz und die relativen Einkommenszuwächse in kinderlosen Haushalten höher sind als in den Haushalten mit Kindern. Allerdings könnte absolut gesehen das Einkommen in den Paarhaushalten mehr gesteigert werden. ← 156 | 157 →

5.3.2 Verteilungsergebnisse

Im Fokus dieses Kapitels stehen die verteilungsrelevanten Ergebnisse der Teilkomponente Ehrenamt, die von den eben beschriebenen wohlstandsrelevanten Effekten ausgehen können. Analog zu den bisherigen Ausführungen werden die Ergebnisse differenziert nach den drei sozioökonomischen Merkmalen Geschlecht, Alter und Haushaltstyp vorgestellt. Zum einen werden die Verteilungseffekte des zusätzlichen Einkommens (EA) im Vergleich zum verfügbaren Nettoeinkommen (NEK) gezeigt. Zum anderen werden die Auswirkungen des zusätzlichen Einkommens auf das resultierende Gesamteinkommen (NEK+EA) analysiert. Es wird wieder auf das Verteilungskonzept der Lorenzkurven und den damit verbundenen Gini-Koeffizienten zurückgegriffen.

In Abbildung 5-8 ist die Einkommensverteilung der drei Einkommensgrößen in Abhängigkeit des Geschlechts dargestellt. Die resultierenden Gini-Werte und die Bevölkerungsanteile, die die Abszissenabschnitte ergeben, sind rechts neben der Abbildung dargestellt.

Abbildung 5-8: Lorenzkurve der Teilkomponente Ehrenamt nach Geschlecht

Illustration

Quelle: Eigene Berechnungen.

Die Lage der Lorenzkurven verdeutlicht, dass die Verteilung des verfügbaren Nettomonatseinkommens, des möglichen Einkommens durch Ehrenamt sowie des modellierten Gesamteinkommens nach Geschlecht identisch ist. Es erhalten ← 157 | 158 → jeweils 51 Prozent der weiblichen Bevölkerung ca. 40 Prozent des jeweiligen Einkommens. Damit verteilen sich die betrachteten Einkommenskomponenten für die Frauen im Vergleich zu den Männern ungleicher. Des Weiteren hat der monatliche Einkommenszuwachs – auch aufgrund der geringen absoluten Höhe von ca. 98 Euro für Männer und ca. 63 Euro für Frauen – der durch die Teilkomponente Ehrenamt generiert werden kann, keinen Einfluss auf die Verteilungssituation des Gesamteinkommens.

Die wohlstandsrelevanten Auswertungen der Teilkomponente Ehrenamt haben gezeigt, dass die 30-44-Jährigen im Vergleich zu den anderen drei Altersklassen am wenigsten Zeit für Ehrenamt aufwenden und dadurch auch am wenigsten Einkommen in diesem Bereich generieren würden. Allerdings hat diese Altersklasse das zweithöchste verfügbare Monatseinkommen der vier Altersgruppen (vgl. Tabelle 5-17). Die möglichen Implikationen für die altersgruppenspezifische Einkommensverteilung sind durch die entsprechenden Lorenzkurven in Abbildung 5-9 dargestellt. Aus der Darstellung wird ersichtlich, dass die EA-Lorenzkurve die anderen beiden Kurven schneidet. Die Sortierung der Einkommen in den Altersgruppen variiert somit in Abhängigkeit der Einkommensarten. Die Abszissenabschnitte für die Nettomonatseinkommen und die aggregierten NEK+EA-Einkommen entsprechen den Werten, die bereits bei der Lorenzkurvendarstellung der Teilkomponente Schwarzarbeit und Haushaltsproduktion beschrieben wurden.347 Die abweichende Sortierung der modellierten Ehrenamtseinkommen ist in der nebenstehenden Tabelle abgebildet. ← 158 | 159 →

Abbildung 5-9: Lorenzkurve der Teilkomponente Ehrenamt nach Alter

Illustration

Quelle: Eigene Berechnungen.

Die Verläufe der Lorenzkurven lassen aufgrund der Überschneidung keine eindeutigen Aussagen zu, welche Einkommensgröße in Abhängigkeit der Altersgruppen gleichmäßiger oder ungleicher verteilt ist.348 Durch die Gini-Koeffizienten, die die Flächen unterhalb der Winkelhalbierenden und der Lorenzkurven ins Verhältnis setzen, können jedoch Verteilungsergebnisse abgeleitet werden. Das Einkommen aus Ehrenamt weist mit 0,10 einen höheren Gini-Koeffizienten auf als die beiden anderen Einkommen mit jeweils 0,09. Damit ist das mögliche Einkommen der Teilkomponente Ehrenamt ungleicher verteilt als das Nettomonatseinkommen. Im vorherigen Kapitel wurde zudem gezeigt, dass die möglichen Einkommenszuwächse relativ gering ausfallen. Die ungleichmäßigere Verteilung hat somit keinen Einfluss auf die altersgruppenspezifische Verteilungssituation.

In Abbildung 5-10 wird abschließend die Verteilungssituation der Nettomonatseinkommen, des möglichen Ehrenamtseinkommens und des aggregierten Gesamteinkommens der vier Haushaltstypen dargestellt. Ergänzend dazu sind die Bevölkerungsanteile sowie die entsprechenden Gini-Koeffizienten angeführt. ← 159 | 160 →

Abbildung 5-10: Lorenzkurve der Teilkomponente Ehrenamt nach Haushaltstyp

Illustration

Quelle: Eigene Berechnungen.

Die Lage der Kurven zeigt, dass die möglichen Ehrenamtseinkommen gleichmäßiger auf die Haushaltstypen verteilt sind als die Nettomonatseinkommen. So erhalten 49 Prozent der Haushalte (Alleinerziehende und Alleinlebende) ca. 38 Prozent der Einkommen aus ehrenamtlichen Tätigkeiten, aber nur ca. 33 Prozent der Nettomonatseinkommen. Die wohlstandsrelevanten Ergebnisse belegen, dass das zusätzliche Einkommen aus Ehrenamt absolut und relativ gesehen nur einen geringen Einfluss auf die Höhe des aggregierten Gesamteinkommens (NEK+EA) hat. Dies spiegelt sich auch bei der Verteilung wider. Die NEK+EA-Lorenzkurve verläuft deckungsgleich mit der NEK-Lorenzkurve, sodass die gleichmäßigere Verteilung des Ehrenamtseinkommens keinen Effekt auf die Verteilung des Gesamteinkommens hat.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Verteilung der möglichen Einkommen nach Haushaltstypen mit einem Gini-Koeffizienten von 0,18 ungleicher ausfällt als die Verteilung der Ehrenamtseinkommen nach dem Geschlecht oder den Altersgruppen. Des Weiteren zeigen die Ergebnisse, dass die Ehrenamtseinkommen auf die sozioökonomischen Gruppen gleichmäßiger verteilt sind als die entsprechenden Nettomonatseinkommen bzw. aggregierten Gesamteinkommen. Die Berücksichtigung des möglichen Ehrenamtseinkommens führt in den dargestellten Fällen weder zu einer gleichmäßigeren noch zu einer ungleichmäßigeren Einkommensverteilung. ← 160 | 161 →

Im folgenden Kapiteln werden abschließend die aggregierten wohlstands- und verteilungsrelevanten Ergebnisse durch den SHE-Indikator präsentiert.

5.4 Wohlstands- und verteilungsrelevante Analyse des SHE-Indikators

In Kapitel 4 wurde die Modellierung eines Indikators zur Messung von materiellen Wohlstands- und Verteilungseffekten vorgestellt. Dieser setzt sich aus den drei Teilkomponenten Schwarzarbeit, Haushaltsproduktion und Ehrenamt zusammen. Die Wohlstands- und Verteilungseffekte der einzelnen Teilkomponenten wurden in den vorherigen Kapiteln in Abhängigkeit von den Merkmalen Geschlecht, Alter und Haushaltstyp ausgewertet. Die Ausführungen der Tätigkeiten im Bereich der Teilkomponenten überschneiden sich zum Teil, sodass neben einer isolierten auch eine aggregierte Analyse der ermittelten Ergebnisse zielführend ist. Es konnte gezeigt werden, dass die drei Teilkomponenten – aufgrund der gleichen Dimensionen in den jeweiligen Berechnungsvarianten – aggregiert werden können und damit zum hier genannten SHE-Indikator führen. Im Folgenden sollen nun die Gesamtergebnisse des SHE-Indikators vorgestellt werden, um Wohlstands- und Verteilungseffekte abzuleiten. Das Vorgehen orientiert sich an den bereits aufgezeigten Analysestrukturen. Es werden sowohl die zeitliche als auch die monetäre Zusammensetzung sowie die unterschiedlichen Einflüsse auf den SHE-Indikator beschrieben. Die Bestimmung des zeitlichen Umfangs basiert auf den Angaben der Zeitbudgeterhebung, aus denen relevante Tätigkeiten für die drei Teilkomponenten ermittelt wurden (vgl. Tabelle 4-2 und 4-3). Anschließend wurden mithilfe des Spezialistenansatzes die jeweiligen Stundenaufkommen monetär bewertet, woraus das mögliche Einkommen der drei Teilkomponenten resultiert. Weiterhin werden die personellen Verteilungseffekte der resultierenden Einkommensgrößen ausgewertet. Dies erfolgt, wie in den obigen Abschnitten, über die Darstellung der Einkommensverteilung durch die Lorenzkurven bzw. den entsprechenden Gini-Koeffizienten.

In Tabelle 5-19 sind die geschlechtsspezifischen zeitlichen Einzel- und Gesamtergebnisse des SHE-Indikators pro Woche zusammengefasst. Zudem sind die relativen Anteile der jeweiligen Teilkomponenten am gesamten Zeitaufkommen dargestellt. Als zentrales Ergebnis kann festgehalten werden, dass Frauen ca. 1,6-mal mehr Zeit für nicht-marktliche Tätigkeiten aufwenden als Männer und dies alleine auf den Zeiteinsatz in der Haushaltsproduktion zurückzuführen ist. Des Weiteren wird deutlich, dass auch die zeitliche Verteilung von Schwarzarbeit, Haushaltsproduktion und Ehrenamt geschlechtsspezifisch, sowohl absolut als auch relativ, sehr variiert. ← 161 | 162 →

Tabelle 5-19: Durchschnittliche zeitliche Zusammensetzung des SHE-Indikators insgesamt und nach Geschlecht im Jahr 2010

Illustration

Quelle: Eigene Berechnungen.

Der Vergleich der drei Teilkomponenten untereinander zeigt, dass die meiste Zeit für Haushaltsproduktion aufgewandt wird. Allerdings nimmt die Haushaltsproduktion bei Frauen über 92 Prozent der Zeit für nicht-marktliche Tätigkeiten ein, während es bei Männern nur ca. 79 Prozent sind. Damit wird deutlich, dass Frauen nicht nur im absoluten Vergleich, sondern auch in der relativen Zeitverteilung der nicht-marktlichen Tätigkeiten mehr Zeit für Tätigkeiten der Haushaltsproduktion aufwenden als Männer. Ein Vergleich mit den durchschnittlichen Wochenarbeitszeiten von Männern (36,70 Stunden) und Frauen (27,90 Stunden) legt nahe, dass sich die geschlechtsspezifische Aufgabenteilung im Haushalt nahezu umgekehrt zur regulären Erwerbsarbeit verhält. Die Erwerbsquoten der Frauen erhöhten sich in den letzten Jahren auf bis zu 70,7 Prozent im Jahr 2010, während sie bei den Männern bei ca. 82,1 Prozent lagen.349 Allerdings ist das Arbeitsvolumen der Frauen aufgrund vieler Teilzeitbeschäftigungsverhältnisse immer noch geringer als bei den Männern. Damit scheint die Frauenrolle in der Hausarbeit nach wie vor stark von Normen, Werten und Geschlechteridentitäten geprägt zu sein und zudem relativ resistent gegenüber ökonomischen Veränderungen.350 Der Zeiteinsatz für Schwarzarbeit und Ehrenamt der Männer übersteigt den der Frauen sowohl absolut als auch relativ. Während Männer ähnlich viel Zeit in Ehrenamt (11,5 Prozent) wie in Schwarzarbeit (9,5 Prozent) investieren, wenden Frauen deutlich mehr Zeit für Ehrenamt (6 Prozent) als für Schwarzarbeit (1,6 Prozent) auf. Allerdings zeigen die Ergebnisse auch, dass die höchsten relativen Zeitdifferenzen bei der Schwarzarbeit zwischen Männer und Frauen bestehen. Die Unterschiede bei der Schwarzarbeit unterstreichen auch in diesem Vergleich die klassische Rollenverteilung bzw. das klassische Ernährermodell zwischen Männern und Frauen. Hinsichtlich des ← 162 | 163 → Zeitaufkommens für das Ehrenamt belegen andere Studien, dass durchschnittlich ca. 7.5 Prozent der regulären Arbeitszeit auch für ehrenamtliches Engagement aufgewandt wird.351 Die Ergebnisse dieser Arbeit zeichnen ein ähnliches Bild, wenngleich mit etwas niedrigerem Ausmaß. So arbeiten Männer ca. 5,6 Prozent ihrer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit zusätzlich noch ehrenamtlich; bei Frauen beträgt dieser Anteil 6,3 Prozent.

Bei den Einzelauswertungen wurde deutlich, dass die zeitliche Dominanz der Frauen bei der Haushaltsproduktion durch die höheren Stundenlöhne der Männer teilweise kompensiert wurde. In wieweit sich dies auf die monetären Effekte des SHE-Indikators auswirkt, wird im Folgenden geklärt. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass durch die drei Teilkomponenten ein monatlicher Einkommenszuwachs von 802 Euro (bzw. 23,4 Prozent) bei den Männern und 995 Euro (bzw. 46,3 Prozent) bei den Frauen realisiert werden könnte. Die Daten belegen, dass sich die geschlechtsspezifischen Einkommensdifferenzen durch die drei Teilkomponenten – insbesondere die Haushaltsproduktion – reduzieren können. Damit partizipieren Frauen sowohl absolut als auch relativ gesehen am stärksten am wohlstandsrelevanten Effekt des SHE-Indikators. In Tabelle 5-20 sind die Nettomonatseinkommen sowie die modellinduzierten Einkommen der Teilkomponenten des SHE-Indikators für das Jahr 2010 getrennt nach Geschlecht abgebildet und die Gesamtergebnisse der Basisversion zusammengefasst dargestellt. Neben den absoluten Einkommensgrößen sind auch die relativen Anteile am neuen aggregierten Gesamteinkommen des SHE-Indikators angegeben. Es sind somit vergleichende Aussagen zwischen den Geschlechtern, aber auch in Abhängigkeit des Geschlechts möglich.

Tabelle 5-20: Zusammensetzung des Monatseinkommens des SHE-Indikators nach Geschlecht für das Jahr 2010

Illustration

Quelle: Eigene Berechnungen, Statistisches Bundesamt (2012b), S. 32. ← 163 | 164 →

Die Zusammensetzung zeigt, dass das mögliche Gesamteinkommen der Frauen zu ungefähr 29 Prozent aus dem Einkommen der Haushaltsproduktion bestehen würde und der Anteil des verfügbaren Nettomonatseinkommens damit auf ca. 68 Prozent beziffert werden kann. Im Gegensatz dazu weist diese Einkommenskomponente bei den Männern einen Anteil von 14,2 Prozent bzw. ca. 598 Euro auf und trägt damit – im Vergleich zu den Frauen – weniger zum zusätzlichen Einkommen bei. Des Weiteren wird deutlich, dass das Schwarzarbeitseinkommen bei Frauen nur einen marginalen Einfluss auf die Einkommenshöhe hat. Der Einkommensanteil der Schwarzarbeit und des Ehrenamtes ist bei den Männern mit ca. 2,5 Prozent und ca. 2,3 Prozent auf einem ähnlichen Niveau und übersteigt damit die Zuverdienstmöglichkeiten der Frauen in diesen Bereichen. In Summe könnten sich die Einkommensdifferenzen zwischen Männern und Frauen von 1.280 Euro auf 1.087 Euro reduzieren.

Ausgehend von diesen wohlstandsrelevanten Ergebnissen sind in nachfolgender Abbildung die Auswirkungen auf die geschlechtsspezifische Verteilung des ursprünglichen Nettomonatseinkommens (NEK), das aggregierte Einkommen der drei Teilkomponenten (SHE) sowie das daraus resultierende Gesamteinkommen (NEK+SHE) visualisiert. Ergänzend dazu sind – wie bei den Einzelauswertungen – die geschlechtsspezifischen Bevölkerungsanteile zur Beschreibung der Abszissenabschnitte und die Gini-Koeffizienten rechts neben der Abbildung angegeben.

Abbildung 5-11: Lorenzkurve des SHE-Indikators nach Geschlecht

Illustration

Quelle: Eigene Berechnungen. ← 164 | 165 →

Die bisherigen Ergebnisse spiegeln sich auch in der Verteilung der einzelnen Einkommensgrößen wider. Das verfügbare Nettomonatseinkommen ist deutlich ungleicher zwischen den Geschlechtern verteilt als das SHE-Einkommen. Allerdings ist ersteres für Frauen, zweiteres für Männer ungleicher verteilt. So erhalten Frauen ca. 40 Prozent des verfügbaren Nettomonatseinkommens, aber ca. 56 Prozent des SHE-Einkommens. Anders ausgedrückt resultiert für die NEK-Verteilung ein Gini-Koeffizient von 0,11, für die SHE-Verteilung dagegen ein Wert von 0,05. Dies kann auf die unterschiedlich zu verteilenden Einkommenshöhen über die Bevölkerungsanteile zurückgeführt werden. Die deutlichere Gleichverteilung des SHE-Einkommens führt somit dazu, dass das daraus resultierende Gesamteinkommen gleichmäßiger verteilt ist als das ursprünglich verfügbare Einkommen. Dies impliziert, dass Frauen ca. 44 Prozent des NEK+SHE-Einkommens erhalten würden. Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass sich die Verteilungssituation auf Basis des aggregierten Gesamteinkommens – inklusive des Einkommens der SHE-Komponenten – für Frauen verbessert.

Neben den geschlechtsspezifischen Unterschieden konnten in den vorherigen Kapiteln auch zwischen den Altersgruppen zeitliche und monetäre Unterschiede hinsichtlich der drei nicht-marktlichen Tätigkeiten identifizert werden. Im Folgenden werden die bisherigen Einzelergebnisse zusammengefasst, um Aussagen bzw. Rückschlüsse zum altersgruppenspezifischen SHE-Indikator ableiten zu können. In nachstehender Tabelle sind die aufgewandten Wochenstunden der drei nicht-marktlichen Tätigkeiten sowie deren Anteil am zeitlichen Gesamtaufkommen dargestellt. Die Ergebnisse belegen, dass die über 65-Jährigen mit durchschnittlich fast 32 Stunden die meiste Zeit für nicht-marktliche Tätigkeiten aufwenden. In der jüngsten Altersgruppe sind es mit ca. 23 Stunden fast neun Stunden weniger. Die beiden mittleren Altersgruppen investierten mit je ca. 22 Stunden ähnlich viel Arbeitszeit in diesen Bereich.

Tabelle 5-21: Durchschnittliche zeitliche Zusammensetzung des SHE-Indikators je Altersgruppe im Jahr 2010

Illustration

Quelle: Eigene Berechnungen. ← 165 | 166 →

Hinsichtlich der zeitlichen Zusammensetzung des SHE-Indikators kann konstatiert werden, dass die Haushaltsproduktion der dominiernde Zeitfaktor in allen Altersgruppen ist und sich ähnlich verteilt wie der gesamte SHE-Indikator. Des Weiteren belegen die Daten, dass besonders die ersten beiden Altersklassen im Vergleich zu den letzten beiden relativ viel Zeit für Schwarzarbeit aufbringen. Allerdings wird auch deutlich, dass dieser Zeiteinsatz weit unter dem zeitlichen Umfang für das Ehrenamt liegt. Einzige Ausnahme bildet hierbei die Gruppe der 30-44-Jährigen, die mehr Zeit für Schwararbeit aufbringt als für ehrenamtliche Tätigkeiten. Bemerkenswert ist auch, dass in der Gruppe der 15-29-Jährigen der zeitliche Einsatz für Schwarzarbeit und Ehrenamt den höchsten relativen Anteil an den nicht-marktlichen Tätigkeiten aufweist, auch wenn dort im Vergleich zu den anderen Altersklassen die geringste Zeit in nicht-marktlichen Tätigkeiten investitert wird. In dieser Altersklasse scheinen somit die Freizeitpräferenzen, aber möglicherweise auch der Wunsch, sich durch Schwarzarbeit etwas hinzuverdienen zu wollen oder zu müssen, stärker ausgeprägt zu sein als in den anderen drei Gruppen. Der gesamte zeitliche Umfang des SHE-Indikators übersteigt vor allem bei den über 65-Jährigen den Zeitaufwand einer durchschnittlichen regulären Arbeitswoche. In den beiden mittleren Gruppen, die auch die Haupterwerbsphase im Berufsleben abbilden, wird durchschnittlich nahezu die gleiche Stundenzahl für nicht-marktliche wie für marktliche Arbeit aufgebracht.

Ausgehend von diesem zeitlichen Umfang werden die möglichen monetären Auswirkungen in den Altersklassen ausgewertet. Die wohlstands- und verteilungsrelevanten Auswertungen in den vorangegangen Kapiteln belegten in den vier Altersgruppen unterschiedliche absolute und relative Einkommenszuwächse durch die drei Teilkomponenten. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass sich das mögliche Einkommen aus Haushaltsproduktion im Vergleich zur Schwarzarbeit und zum Ehrenamt gleichmäßiger zwischen den Altersgruppen verteilt. In Tabelle 5-22 finden sich die vier Einkommenskomponenten (Nettomonatseinkommen, Schwarzarbeit, Haushaltsproduktion und Ehrenamt), die in Summe das aggregierte Gesamteinkommen bilden. ← 166 | 167 →

Tabelle 5-22: Zusammensetzung des Monatseinkommens des SHE-Indikators für das Jahr 2010 nach Altersgruppen

Illustration

Quelle: Eigene Berechnungen, Statistisches Bundesamt (2012c), S. 32.

Es konnte bereits gezeigt werden, dass die beiden ersten Altersgruppen das geringste und das höchste Nettomonatseinkommen besitzen, was auf ihre Erwerbsbiographien zurückzuführen ist. Besonders die jüngste Altersklasse ist noch von Schulzeit, Ausbildung und Berufseinstieg geprägt und hat daher durchschnittlich geringere Einkommen zur Verfügung. In Bezug auf das neue Gesamteinkommen würde darauf ein Anteil von ca. 72,1 Prozent (15-29-Jährige) bzw. ca. 76,0 Prozent (30-44-Jährige) entfallen. Zudem wird aus der Tabelle ersichtlich, dass sich die Einkommenspositionen beim neuen Gesamteinkommen nicht ändern. Allerdings haben die Komponenten in den einzelnen Altersgruppen einen unterschiedlichen Einfluss auf dessen Zusammensetzung. Über alle Altersgruppen hinweg kann das Einkommen aus der Haushaltsproduktion als höchster absoluter und relativer Einkommenszuwachs identifiziert werden. Der Gruppe der über 65-Jährigen könnten durch die Entlohnung der Haushaltsproduktion ca. 974 Euro mehr zur Verfügung stehen. Dieser Beitrag entspräche ca. 27,8 Prozent des aggregierten Gesamteinkommens. Dahingegen weist in der Gruppe der 45-64-Jährigen das Haushaltsproduktionseinkommen mit 19,9 Prozent in Relation zu den anderen drei Altersgruppen den geringsten Anteil am Gesamteinkommen auf. Der Anteil der möglichen Einkommen aus Schwarzarbeit und Ehrenamt am neuen Gesamteinkommen ist damit als verhältnismäßig gering einzustufen. In der jüngsten Altersgruppe sind die Ergebnisse für Schwarzarbeit und Ehrenamt nahezu identisch und nehmen im Vergleich zu den anderen Altersgruppen den höchsten relativen Anteil von je ca. 2,8 Prozent am Gesamteinkommen ein. Besonders auffällig ist, dass in der Gruppe der 30-44-Jährigen der Anteil des Ehrenamtes am geringsten ausgeprägt ist und zudem geringer ist als ← 167 | 168 → der Wert der Schwarzarbeit. In den Altersgruppen der 45-64-Jährigen und der über 65-Jährigen ist der umgekehrte Fall zu beobachten. Die Einkommen aus Schwarzarbeit haben zum einen absolut den kleinsten Wert und zum anderen ist ihr Einfluss mit ca. 1,0 bzw. 1,3 Prozent zum jeweiligen Gesamteinkommen als marginal einzustufen. Es kann festgehalten werden, dass bei den über 65-Jährigen und den 30-44-Jährigen der Einkommenszuwachs durch die drei Teilkomponenten mit ca. 1.111 Euro und ca. 1.076 Euro absolut am höchsten sein kann. Der Einfluss der Haushaltsproduktion ist für diesen Anstieg verantwortlich und kann auch durch die leicht höheren Anteile der anderen beiden Teilkomponenten (vgl. die Gruppe der 15-29-Jährigen) nicht kompensiert werden. Hinsichtlich der Einkommensdifferenzen zwischen einzelnen Altersgruppen können verschiedene Befunde konstatiert werden. Während sich die Einkommensabstände der jüngsten Altersklasse zu den anderen drei Altersgruppen durch das SHE-Einkommen vergrößern, sind in den anderen Gruppen sowohl Annäherungen als auch weitere Einkommensspreizungen zu beobachten. Das SHE-Einkommen der über 65-Jähringen liegt näher an den SHE-Einkommen der mittleren beiden Altersklassen als das verfügbare Haushaltsnettoeinkommen. Die damit verbundenen Auswirkungen auf die Einkommensverteilung werden im Folgenden präsentiert. Es werden neben den Lorenzkurven für das verfügbare Nettomonatseinkommen, für das SHE-Einkommen und das aggregierte Gesamteinkommen auch die Gini-Koeffizienten dargestellt. Die angegebenen Bevölkerungsanteile der Altersgruppen entsprechen den Abszissenabschnitten der SHE-Lorenzkurve.352

Die Lage der Lorenzkurven macht deutlich, dass die Einkommensverteilung der drei Einkommensgrößen über die Altersklassen sehr ähnlich verläuft und durch die Nähe zur Winkelhalbierenden auch relativ gleichmäßig ist. ← 168 | 169 →

Abbildung 5-12: Lorenzkurve des SHE-Indikators nach Alter

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Quelle: Eigene Berechnungen.

Der Gini-Koeffizient des aggregierten Gesamteinkommens (NEK+SHE) beträgt 0,07 und liegt somit zwischen den beiden anderen Werten. Das SHE-Einkommen weist im Vergleich zu den beiden anderen Einkommen die geringste Ungleichverteilung über alle betrachteten Altersgruppen hinweg auf. Dies kann vor allem auf den absoluten und relativen Einfluss des Haushaltsproduktionseinkommens zurückgeführt werden, der maßgeblich die Einkommensdifferenzen zwischen den drei älteren Gruppen reduzieren kann. Das Haushaltsproduktionseinkommen kann somit die, in den vorherigen Kapiteln dargestellten, Ungleichheiten im Bereich der Schwarzarbeit und des Ehrenamtes kompensieren. Nach Berücksichtigung des SHE-Einkommens kann ca. 47 Prozent der Bevölkerung (15-29-Jährigen und über 65-Jährige) ca. 41 Prozent des neuen Gesamteinkommens zugewiesen werden, davor waren es ca. 39 Prozent.

Aufgrund der bisherigen Ergebnisse kann festgehalten werden, dass durch das SHE-Einkommen die Einkommensungleichheiten zwischen den Altersgruppen leicht reduziert werden können. Zudem wird das hier ermittelte neue Gesamteinkommen gleichmäßiger verteilt und würde die jüngste und die älteste Gruppe im Vergleich zur Verteilungssituation des verfügbaren Nettomonatseinkommens besser stellen. ← 169 | 170 →

Ergänzend zu den bisherigen Ausführungen werden nun die haushaltstypspezifischen Ergebnisse des aggregierten SHE-Indikators für das Jahr 2010 vorgestellt. Dabei wird das Zusammenspiel der zeitlichen, monetären und verteilungsrelevanten Ergebnisse der drei Teilkomponenten Schwarzarbeit, Haushaltsproduktion und Ehrenamt näher analysiert. Die nachstehende Tabelle enthält die absolute und relative zeitliche Zusammensetzung des SHE-Indikators. Es zeigt sich, dass Alleinerziehende mit durchschnittlich fast 34 Stunden pro Monat die meiste Zeit für nicht-marktliche Tätigkeiten aufbringen; Alleinlebende investieren mit ca. 24,6 Stunden dagegen über neun Stunden weniger in diese Tätigkeiten.

Tabelle 5-23: Durchschnittliche zeitliche Zusammensetzung des SHE-Indikators nach Haushaltstypen im Jahr 2010

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Quelle: Eigene Berechnungen.

Wie bereits die Einzelauswertungen gezeigt haben, nehmen die Tätigkeiten der Haushaltsproduktion in allen Haushalten die meiste Zeit – wenngleich in unterschiedlichem Ausmaß – in Anspruch. Sowohl absolut als auch relativ gesehen sind diese Tätigkeiten bei den Alleinerziehenden mit über 31 Stunden pro Monat am stärksten ausgeprägt, gefolgt von Paarhaushalten mit Kindern. Der zeitliche Umfang in der Haushaltsproduktion scheint somit vom Vorhandensein von Kindern und den damit verbundenen Aufgaben im Haushalt maßgeblich geprägt zu sein. Bei Haushalten ohne Kinder ist auffällig, dass diese zwar weniger Zeit in die Haushaltsproduktion investieren, dafür jedoch mehr in Ehrenamt als die Haushalte mit Kindern. Dies könnte unter anderem auf den Wunsch nach sozialer, sportlicher oder generell gesellschaftlicher Interaktion zurückzuführen sein. Der geringere Zeiteinsatz in den Haushalten mit Kindern könnte darauf zurückgeführt werden, dass viele Tätigkeiten im Bereich des Ehrenamtes nicht als ← 170 | 171 → solche wahrgenommen werden, sondern vielmehr dem Bereich der Haushaltsproduktion zugeordnet werden bzw. aufgrund der hohen zeitlichen Beanspruchung durch die Aufgaben im Haushalt keine Zeit mehr für andere Tätigkeiten übrig bleibt. In diesem Zusammenhang sind auch die zeitlichen Unterschiede der Schwarzarbeit innerhalb, aber auch zwischen den Haushalten interessant. Während in den kinderlosen Haushalten der Zeiteinsatz für Schwarzarbeit deutlich unter dem für Ehrenamt liegt, ist er in den Haushalten mit Kindern nahezu gleich. Die höhere Schwarzarbeitszeit in diesen Haushalten könnte somit auf das Vorhandensein von Kindern bzw. damit verbundener etwaiger Mehrkosten zurückzuführen sein, die durch das zusätzliche Schwarzarbeitseinkommen zu kompensieren versucht werden.

Die monetären Effekte, die mit dem zeitlichen Arbeitseinsatz für die nicht-marktlichen Tätigkeiten einhergehen, sind in Tabelle 5-24 abgebildet. Wie bei den vorherigen Auswertungen sind die bereits vorgestellten Einkommensgrößen aus Schwarzarbeit, Haushaltsproduktion und Ehrenamt sowie das verfügbare Nettomonatseinkommen und das – durch Aggregation der vier Einkommensgrößen – ermittelte Gesamteinkommen des SHE-Indikators dargestellt.

Tabelle 5-24: Zusammensetzung des Monatseinkommens des SHE-Indikators für das Jahr 2010 nach Haushaltstypen

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Quelle: Eigene Berechnungen, Statistisches Bundesamt (2012c), S. 32.

Die Angaben in der ersten und letzten Zeile der Tabelle verdeutlichen, dass sich die Reihenfolge der haushaltstypspezifischen absoluten Einkommenshöhen durch die Entlohnung der SHE-Komponenten nicht ändert. Somit steht den Paarhaushalten monatlich auch weiterhin das meiste Nettoeinkommen ← 171 | 172 → zur Verfügung. Allerdings belegen die Daten auch, dass die Einkommenskomponenten des SHE-Indikators in Haushalten mit Kindern einen höheren Anteil aufweisen als in kinderlosen Haushalten. Dies ist gleichbedeutend mit dem geringeren Anteil des Nettomonatseinkommens am aggregierten Gesamteinkommen des SHE-Indikators. Während dieser Wert bei Haushalten mit Kindern jeweils ca. 69 Prozent beträgt, liegt er bei kinderlosen Paaren bei ca. 73,6 Prozent und bei Alleinlebenden bei ca. 75,9 Prozent. Darüber hinaus lassen sich auch hier ähnliche Befunde wie in der vorherigen sozioökonomischen Auswertungen ableiten. Das Einkommen aus der Haushaltsproduktion erhöht das Einkommen (absolut und relativ) am stärksten. Bemerkenswert ist an dieser Stelle, dass diese Einkommenskomponente bei Alleinerziehenden mit 865 Euro nahezu doppelt so hoch ist wie bei Alleinlebenden mit ca. 462 Euro. Dies ist maßgeblich auf den höheren Zeiteinsatz der Alleinerziehenden zurückzuführen (vgl. Tabelle 5-9). Die möglichen Einkommen aus Schwarzarbeit und Ehrenamt lassen auch Gemeinsamkeiten in den Haushalten mit Kindern und in den Haushalten ohne Kinder erkennen. Das Einkommen aus Ehrenamt übersteigt in den kinderlosen Haushalten das Einkommen aus Schwarzarbeit – in den Haushalten mit Kindern ist der umgekehrte Fall festzustellen.

Zusammenfassend kann konstatiert werden, dass das Einkommen bei Alleinerziehenden und zusammenlebenden Paaren mit Kindern durch die Berücksichtigung der SHE-Komponenten prozentual mehr gesteigert werden kann als in den anderen beiden Haushaltstypen. Zudem konnte gezeigt werden, dass Alleinlebende und kinderlose Paare mehr Zeit in Ehrenamt investieren und somit auch ein höheres Einkommen in diesem Bereich generieren könnten als Haushalte mit Kindern. Die dargestellten wohlstandsrelevanten Ergebnisse belegen zudem eine weitere Spreizung der Einkommensdifferenzen zwischen den Haushaltstypen. Daher werden im Folgenden die Verteilungswirkungen des aggregierten Gesamteinkommens des SHE-Indikators im Vergleich zum verfügbaren Nettomonatseinkommen beschrieben. In Anlehnung an die bisherige Ergebnisdarstellung sind neben den Lorenzkurven (NEK, SHE und NEK+SHE) auch die damit einhergehenden Gini-Koeffizienten und die Bevölkerungsanteile der Haushaltstypen dargestellt. Die Reihenfolge der haushaltstypspezifischen Bevölkerungsanteile (p) entspricht hierbei den jeweiligen Abszissenabschnitten. ← 172 | 173 →

Abbildung 5-13: Lorenzkurve des SHE-Indikators nach Haushaltstyp

Illustration

Quelle: Eigene Berechnungen.

Der Verlauf der Lorenzkurven verdeutlicht, dass das verfügbare Nettomonatseinkommen über die Haushalte gleichmäßiger verteilt ist als das aggregierte Einkommen (NEK+SHE) des SHE-Indikators. Ausschlaggebend für diese Verschiebung ist die Einkommensverteilung der SHE-Teilkomponenten, die einem Gini-Koeffizienten von 0,23 entspricht. So kann ca. 49 Prozent der Bevölkerung (Alleinlebende und Alleinerziehende) ca. 33 Prozent des verfügbaren Nettomonatseinkommens, aber nur etwa 29 Prozent des SHE-Einkommens zugeteilt werden. Daraus resultiert für das aggregierte Gesamteinkommen des SHE-Indikators ein Gini-Koeffizient von 0,20. Die Berücksichtigung der Teilkomponenten des SHE-Indikators führt zu einer ungleichmäßigeren Einkommensverteilung, die sich vor allem bei den Einkommen der Alleinlebenden und Alleinerziehenden bemerkbar macht. Dies ist vor allem auf das Einkommen aus der Haushaltsproduktion zurückzuführen, die zu einer Erhöhung der Einkommensdifferenzen zwischen den Haushalten führt.

Die bisherigen Ausführungen verdeutlichen, dass die Erfassung und Monetarisierung von nicht-marktlichen Tätigkeiten in den Bereichen der Schwarzarbeit, der Haushaltsproduktion und des Ehrenamtes einen entscheidenden Einfluss auf die materielle Wohlstandssituation der privaten Haushalte haben können. Das verfügbare Einkommen könnte im Jahr 2010 durchschnittlich um ← 173 | 174 → ca. 30 Prozent gesteigert werden. Die Ungleichverteilung der Einkommen würde sich durch die Berücksichtigung des SHE-Indikators zwischen den Männern und Frauen sowie zwischen den vier dargestellten Altersgruppen reduzieren. Allerdings könnte die Verteilung zwischen den Haushaltstypen ungleicher im Vergleich zum verfügbaren Nettomonatseinkommen werden. Durch die Ergebnisse kann somit empirisch belegt werden, dass Wohlstandsaussagen über das BIP respektive das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte die materielle Wohlstandssituation systematisch unterschätzen. Die zielgerichtete Erweiterung der Einkommensbasis um die Arbeitsleistung der nicht-marktlichen Tätigkeiten könnte die materielle Wohlstandssituation besser erfassen. Zudem ermöglicht der vorgestellte SHE-Indikator, erste personelle Verteilungsergebnisse im Rahmen der Wohlstandsmessung zu integrieren.

5.5 Kritische Würdigung der Ergebnisse

Zur Beantwortung der zentralen Fragestellung, wie ein Indikator konzipiert werden könnte, der wohlstands- und verteilungsrelevante Aussagen ermöglicht, wurde der SHE-Indikator abgeleitet. Basierend auf der zeitlichen und monetären Erfassung der Arbeitsleistung nicht-marktlicher Tätigkeiten konnte gezeigt werden, dass durch den SHE-Indikator die Auswirkungen auf die Einkommenssituation der privaten Haushalte modelliert und empirisch analysiert werden kann. Die Ergebnisse des vorgestellten Indikators zur materiellen Wohlstands- und Verteilungsmessung wurden in den vorherigen Abschnitten vorgestellt. Der folgende Abschnitt widmet sich einer kritischen Würdigung des Modellansatzes und der Annahmen sowie deren Einfluss auf die Ergebnisse.

In nachstehender Abbildung ist die Zusammensetzung des SHE-Indikators differenziert nach den wohlstands- und verteilungsrelevanten Komponenten zusammengefasst. Ausgehend von den einzelnen Komponenten werden die zugrundeliegenden Modellannahmen aufgegriffen und bewertet. ← 174 | 175 →

Abbildung 5-14: Zusammensetzung des SHE-Indikators

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Quelle: Eigene Darstellung.

Es wird deutlich, dass die Fokussierung auf die Arbeitsleistung der nicht-marktlichen Tätigkeiten die Integration der wohlstandsrelevanten Komponenten Schwarzarbeit, Haushaltsproduktion und Ehrenamt im SHE-Indikator ermöglicht. Die Differenzierung nach Geschlecht, Alter und Haushaltstyp bildete die Grundlage für die personelle Verteilungsanalyse.

Ausschlaggebend für die zeitliche und monetäre Modellierung sind die Zeitbudgeterhebung und die Entlohnung der drei Teilkomponenten. In Kapitel vier wurden die drei Modellierungsschritte (Abgrenzung der relevanten Tätigkeiten, Bestimmung des zeitlichen Aufwands und Bestimmung des monetären Bewertungsansatzes) und die getroffenen Annahmen vorgestellt. Zur zeitlichen Abschätzung der Schwarzarbeit wurde auf Sekundärstatistiken der Rockwool-Foundation zurückgegriffen, die das Ausmaß der Schwarzarbeit in Deutschland über Befragungen in verschiedenen Wirtschaftszweigen eruiert haben. Die Ergebnisse mussten in die Systematik der Tätigkeiten der Zeitbudgeterhebung transformiert werden, dadurch war es möglich in den relevanten Tätigkeiten Schwarzarbeitsanteile abzuleiten (vgl. Tabelle 4-5). Im Rahmen der Ergebnisbeschreibung wurde darauf hingewiesen, dass das zeitliche Aufkommen und die angenommene Entlohnungsstruktur der Schwarzarbeit durch dieses Vorgehen vorsichtig abgeschätzt wurden. Des Weiteren wurden die Daten der Zeitbudgeterhebung aus dem Jahr 2001/02 für die Berechnungen herangezogen, da die aktualisierten Daten noch nicht veröffentlicht waren. In den neueren Zeitbudgetdaten könnte es zu Verschiebungen zwischen den einzelnen nicht-marktlichen Tätigkeiten sowohl zwischen als auch innerhalb der sozioökonomischen Gruppen kommen. Allerdings hat sich das durchschnittliche Jahresvolumen ← 175 | 176 → von bezahlter Arbeit in den vergangenen zehn Jahren kaum verändert, sodass dies gegebenenfalls auch auf die nicht-marktlichen Tätigkeiten zutreffen könnte. Eine abschließende Bewertung kann jedoch nur durch die Integration der neuen Zeitbudgetdaten erfolgen. Generell konnte gezeigt werden, dass über alle sozioökonomischen Merkmale hinweg in den Tätigkeiten der Haushaltsproduktion der größte Zeiteinsatz vorliegt. In den einzelnen Teilkapiteln wurde auf den zeitlichen Umfang in den jeweiligen Teilkomponenten hingewiesen. Bedingt durch die modellspezifischen Annahmen investieren Frauen ca. 92 Prozent der Zeit in nicht-marktliche Tätigkeiten im Bereich Haushaltsproduktion, dagegen nur 2 Prozent in Schwarzarbeit und ca. 6 Prozent in Ehrenamt. Bei den Männern verlagert sich diese Aufteilung zu Gunsten der Schwarzarbeit und des Ehrenamtes. Sie wenden jeweils ca. 10 Prozent dafür auf und somit nur ca. 80 Prozent für die Haushaltsproduktion. In den Altersgruppen zeichnet sich für die zur Verfügung stehende Zeit der Teilkomponenten eine ähnliche Aufteilung ab. In Vergleich zu den anderen Altersgruppen wird in der jüngsten Altersgruppe der geringste Zeitanteil für die Haushaltsproduktion (ca. 84 Prozent), aber der höchste für das Ehrenamt (ca. 10 Prozent) ermittelt. Die beiden mittleren Altersklassen verwenden ca. 88 Prozent der Zeit für die Haushaltsproduktion. Allerdings zeichnen sich unterschiedliche Präferenzen für die Zeitverwendung bezüglich der anderen beiden Komponenten ab. Während die Gruppe der 45-64-Jährigen ca. 9 Prozent der Zeit in Ehrenamt und ca. 3 Prozent in Schwarzarbeit investiert, sind es bei den 30-44-Jährigen jeweils ca. 6 Prozent. In der Gruppe der über 65-Jährigen nimmt die Haushaltsproduktion mit ca. 90 Prozent die meiste Zeit im Vergleich zu den anderen ein und die Schwarzarbeit mit ca. 3 Prozent einen der niedrigsten Anteile an. Die modellierten Anteile der drei Teilkomponenten in den Haushaltstypen zeigen, dass in Paarhaushalten mit Kindern jeweils ca. 5 Prozent der Zeit für Schwarzarbeit und Ehrenamt und damit rund 90 Prozent für die Haushaltsproduktion aufgewandt werden. Bei Alleinerziehenden werden sogar 92 Prozent der Zeit für die Tätigkeiten der Haushaltsproduktion benötigt, bei Alleinlebenden dagegen nur ca. 85 Prozent. Der höhere Zeiteinsatz bei den Alleinerziehenden ist dabei maßgeblich auf die Tätigkeiten im Bereich der Kinderbetreuung zurückzuführen. Bei den Alleinlebenden kann im Bereich des Ehrenamtes mit ca. 11 Prozent der höchste relative Zeiteinsatz im Vergleich zu den anderen Haushaltstypen konstatiert werden. Des Weiteren konnte gezeigt werden, dass kinderlose Paare ca. 8 Prozent ihrer Zeit in Ehrenamt investieren und damit etwa doppelt so viel wie in Schwarzarbeit. Die Modellierung des zeitlichen Umfangs bildet die Basis zur monetären Bewertung der drei Teilkomponenten und hat somit einen entscheidenden Einfluss auf die Ergebnisse des materiellen Wohlstandes in den dargestellten sozioökonomischen Gruppen. ← 176 | 177 →

Hinsichtlich der monetären Bewertung wurde in dieser Arbeit der Spezialistenansatz in Kombination mit Bruttostundenlöhnen für die Tätigkeiten der Schwarzarbeit und Nettostundenlöhnen für die Tätigkeiten der Haushaltsproduktion und des Ehrenamtes angewandt. Dieser Ansatz spiegelt die Vielschichtigkeit der nicht-marktlichen Tätigkeiten besser wider als die alternativen Ansätze der Generalistenmethode oder die Bewertung mit einem gesamtwirtschaftlichen Durchschnittslohn. Dafür ist jedoch die Zuteilung der relevanten Tätigkeiten in den drei Teilkomponenten zu Berufen notwendig, die diese prinzipiell ausführen könnten (vgl. Tabelle 4-3). Die Löhne dieser Berufe determinieren die Höhe des Lohns für die Tätigkeiten und haben damit neben dem zeitlichen Umfang entscheidenden Einfluss auf die Ergebnisse des materiellen Wohlstandes. Die Auswahl der Berufe führt über die relevanten Tätigkeiten hinweg zu einem durchschnittlichen Bruttostundenlohn in Höhe von 15,00 Euro für Männer und 12,60 Euro für Frauen. Die Bestimmung der Nettostundenlohnsätze erfolgte über eine Gewichtung mit den Brutto-Netto-Einkommensdaten der VGR. Für die Nettostundenlöhne wird somit angenommen, dass sie ca. 26 Prozent unter den Bruttostundenlöhnen liegen (vgl. Kapitel 4.4). Diese Anpassung musste vorgenommen werden, da keine durchschnittlichen berufsspezifischen Nettostundenlöhne in den öffentlichen Statistiken ausgewiesen werden.

Wie in Kapitel 4.1.2.3 ausgeführt, könnte auch der gesamtwirtschaftliche Stundenlohn bzw. ein ausgewählter Generalistenlohn (bspw. Stundenlohn eines hauswirtschaftlichen Betreuers353) zur Bewertung der nicht-marktlichen Tätigkeiten herangezogen werden. Für das Jahr 2010 beträgt der durchschnittliche gesamtwirtschaftliche Bruttostundenlohn ca. 17,50 Euro und der Bruttolohn für einen hauswirtschaftlichen Betreuer ca. 10,45 Euro.354 Damit wird deutlich, dass die Bewertung mit Durchschnittslöhnen zu einer höheren Entlohnung, die Bewertung mit dem Generalistenansatz jedoch zu einer niedrigeren Entlohnung der drei Teilkomponenten im Vergleich zum Spezialistenansatz führen würde. Allerdings kann angenommen werden, dass die Teilkomponenten durch den Durchschnittslohn überschätzt werden, da sich dieser aus den Lohnsätzen aller Berufe ergibt. Der Generalistenansatz kann dagegen die Vielschichtigkeit der nicht-marktlichen Tätigkeiten und deren Entlohnung nicht aufgreifen. Aus diesen Gründen ist die Anwendung des Spezialistenansatzes zur Beantwortung der Fragestellung im Rahmen dieser Arbeit als sinnvoll und robust anzusehen. Die möglichen Einkommenszuwächse sind somit vom zeitlichen Einsatz und den ← 177 | 178 → gewählten Stundenlöhnen in den relevanten Tätigkeiten abhängig. Wie bereits bei der obigen wohlstandsrelevanten Analyse beschrieben, müssen die Ergebnisse im Kontext dieser Annahmen interpretiert und bewertet werden.

Der entwickelte Indikator ermöglicht nicht nur Aussagen zum materiellen Wohlstand in Abhängigkeit der drei Teilkomponenten und der sozioökonomischen Merkmale, sondern auch eine Analyse der personellen Einkommensverteilung. Dabei wurde auf das Verteilungskonzept der Lorenzkurve und des Gini-Koeffizienten zurückgegriffen. Durch diese Verteilungsmaße wird die Ungleichverteilung der Einkommen in Abhängigkeit von Bevölkerungsanteilen gemessen. Im Rahmen dieser Arbeit wurde hierbei auf die sozioökonomischen Bevölkerungsanteile nach Geschlecht, Altersgruppen und Haushaltstyp zurückgegriffen. Basierend auf den modellinduzierten Ergebnissen wurde somit die Verteilung der verfügbaren Haushaltsnettoeinkommen, der möglichen Einkommen der drei Teilkomponenten sowie des aggregierten Gesamteinkommens analysiert. Die Verteilung kann aufgrund der gewählten Modellstruktur nur auf Makroebene erfolgen. Bei der Modellierung der Teilkomponenten sind aktuell keine mikroökonomischen Informationen, bspw. der Bildungsstand oder der Erwerbsstatus der Personen, die die nicht-marktlichen Tätigkeiten ausführen, enthalten. Somit kann auch keine mikroökomische Einkommensgröße modelliert werden.

Die vorliegende Datenlage ermöglicht daher noch keine Aussagen auf Mikroebene. Vor allem die genauen Haushaltszusammensetzungen konnten in dem hier gewählten Ansatz nicht vollständig aufgegriffen bzw. berücksichtigt werden, sodass manche Aspekte vor allem bei der Modellierung der Haushaltstypen, die zur Entstehung der Ergebnisse beitragen nicht umfassend berücksichtigt werden können. Zusammenfassend kann jedoch festgehalten werden, dass der SHE-Indikator auf makroökonomischer Ebene neue Erkenntnisse zur materiellen Wohlstands- und Verteilungssituation in Deutschland beitragen kann.

299 Es wurden Aktivitäten und damit einhergehende Tätigkeiten im Bereich der Haushaltsführung, von Pflege und Betreuung, der informellen Hilfe sowie des Haupt- und Nebenerwerbs als relevant für die Schwarzarbeit identifiziert. Die Angaben aus der Zeitbudgeterhebung, die in Tabelle 4-4 zusammengefasst sind, verdeutlichen, dass der höchste Zeitaufwand im Bereich der Haupterwerbstätigkeit (durchschnittlich 120 Minuten pro Tag) zu finden ist.

300 Vgl. Sesselmeier, Ostwald (2011), S. 19.

301 Vgl. Enste (2012), S. 136.

302 Vgl. Feld, Larsen (2012a), S. 58.

303 Vgl. IAW (2014).

304 Bei den angegebenen Werten handelt es sich um durchschnittliche repräsentative Werte für die betrachtete Gesamtbevölkerung bzw. Bevölkerungsanteile im Jahr 2010.

305 Mögliche Abweichungen in den Ergebnissen sind rundungsbedingt.

306 Bei der Modellierung wurde angenommen, dass es auch während der regulären Arbeitszeit zu Schwarzarbeit kommt und dabei vor allem Tätigkeiten ausgeführt werden, die auch dem regulären Beruf entsprechen.

307 Vgl. Statistisches Bundesamt (2013g), S. 121f. Die Werte geben die durchschnittlich tatsächlich geleisteten Wochenarbeitszeiten der Erwerbstätigen inklusive Teilzeitarbeit wider.

308 Vgl. Feld, Larsen (2012b), S. 62.

309 Vgl. Hacket (2012).

310 Vgl. Ebert, Trischler (2012), S. 533f.

311 Vgl. Ebert, Trischler (2012), S. 540ff., 552.

312 Vgl. Feld und Larsen (2012b), S. 62.

313 Vgl. u.a. Blossfeld, Buchholz (2009), Schmidt (2012).

314 Vgl. Statistisches Bundesamt (2012c), S. 32.

315 Vgl. Sachverständigenrat (2010), S. 35ff.

316 Vgl. Statistisches Bundesamt (2012b), S. 32. Die geschlechtsspezifischen Angaben sind der EVS aus dem Jahr 2008 entnommen, da diese Angaben in der LWR 2010 nicht ausgewiesen werden.

317 Vgl. Schwarze, Elsas (2013), S. 106.

318 Vgl. Schwarze, Elsas (2013), S. 115f.

319 Die hier aufgeführten allgemeinen Erkenntnisse sind auch für die Auswertung der Verteilungsergebnisse der Teilkomponenten Haushaltsproduktion (vgl. Kapitel 5.2.2) und Ehrenamt (vgl. Kapitel 5.3.2) relevant, werden dort jedoch nicht noch einmal gesondert ausgeführt.

320 Die geschlechtsspezifischen Anteile werden auf Basis des Mikrozensus des Jahres 2010 ermittelt (vgl. Statistisches Bundesamt (2011b), S. 29ff).

321 Die kumulierten (sozioökonomischen) Bevölkerungsanteile werden im Folgenden immer in einer Tabelle rechts neben den Lorenzkurven angegeben.

322 Im Folgenden werden die jeweiligen Gini-Koeffizienten immer in der unteren Tabelle rechts neben den Lorenzkurven dargestellt.

323 Die altersgruppenspezifischen Anteile werden auf Basis des Mikrozensus des Jahres 2010 ermittelt (vgl. Statistisches Bundesamt (2011b), S. 33ff).

324 Die haushaltstypspezifischen Anteile werden auf Basis der EVS ermittelt (vgl. Statistisches Bundesamt (2011c), S. 134).

325 Vgl. BMFSFJ (2003), S. 11.

326 Vgl. Brücker et al. (2012).

327 Vgl. IAB (2013).

328 Die relevanten Tätigkeiten im Bereich der Haushaltsproduktion sind in Tabelle 4-13 dargestellt.

329 Vgl. u.a. Notz (2008); Bundestag (2012); Heimeshoff, Schwenken (2013).

330 Vgl. Statistisches Bundesamt (2013g), S. 120f.

331 Vgl. Sojka (2012), S. 639ff.

332 Vgl. Statistisches Bundesamt (2013g), S. 128.

333 Vgl. Meier-Gräwe (2010), S. 246.

334 Vgl. Ebert, Fuchs (2012), S. 574.

335 Vgl. u.a. Kümmerling et al. (2008), WSI GenderDatenPortal.

336 Vgl. Sojka (2012), S. 639.

337 Vgl. Sojka (2012), S. 657.

338 Vgl. Statistisches Bundesamt (2013c), S. 12.

339 Im Anhang befindet sich in Tabelle 0-2 eine Auflistung der entsprechenden Nettostundenlöhne nach Geschlecht.

340 Die Altersklassen werden nach aufsteigendem Einkommen sortiert. Somit ergibt sich beim Haushaltsnettoeinkommen (NEK) und dem hier ermittelten neuen Gesamteinkommen (NEK+HP) folgende Reihung für die Abszissenabschnitte der Lorenzkurve: 15–29 Jahre, > 65 Jahre, 30–44 Jahre und 45–64 Jahre.

341 Vgl. Prognos (2009), S. 14.

342 Vgl. Gensicke, Geiss (2010), S. 203f.

343 Vgl. Kahle, Schäfer (2005), S. 313f.; Prognos (2019), S. 11.

344 Vgl. u.a. Kahle, Schäfer (2005), S. 314.

345 Vgl. u.a. Gensicke, Geiss (2010), S. 119ff.

346 Vgl. Prognos (2009), S. 26; Gensicke, Geiss (2010), S. 164ff.; Prognos (2009), S. 26.

347 Die Altersklassen werden nach aufsteigendem Einkommen sortiert. Somit ergibt sich beim Haushaltsnettoeinkommen (NEK) und dem hier ermittelten neuen Gesamteinkommen (NEK+EA) folgende Reihung für die Abszissenabschnitte der Lorenzkurve: 15–29 Jahre, > 65 Jahre, 30–44 Jahre und 45–64 Jahre.

348 Vgl. Schwarze, Elsas (2013), S. 112ff.

349 Vgl. Statistisches Bundesamt (2013g), S. 120f., 126f.

350 Vgl. Heimeshoff, Schwenken (2013), S. 202.

351 Vgl. Prognos (2009), S. 15.

352 Die Altersklassen werden nach aufsteigendem Einkommen sortiert. Somit ergibt sich beim Haushaltsnettoeinkommen (NEK) und dem hier ermittelten neuen Gesamteinkommen (NEK+SHE) folgende Reihung für die Abszissenabschnitte der Lorenzkurve: 15–29 Jahre, > 65 Jahre, 30–44 Jahre und 45–64 Jahre.

353 Vgl. Schäfer (2004a), S. 967f.

354 Vgl. Statistisches Bundesamt (2012b), S. 503ff.