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Gegenwartskultur als methodologische Herausforderung der Kulturwissenschaft(en)

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Edited By Jürgen Joachimsthaler

Was ist das überhaupt: Gegenwartskultur? Und wie lässt sie sich erfassen? Mit diesen nur scheinbar einfachen Fragen begegnet eine als interdisziplinäres Projekt begriffene Kulturwissenschaft dem Problem ihrer Gegenstandskonstitution. Auf wechselnder Abstraktions- und Konkretisationsebene fächern die Beiträge dieses Bandes ein Feld auf, das von grundsätzlicher methodologischer Erwägung bis zu detaillierter Deskription einzelner Phänomene reicht, von der Reflexion rechtlicher wie ökonomischer Rahmenbedingungen bis zu gezielten Blicken über die Ränder national eingeschränkter Wahrnehmungsräume hinaus; unterschiedlich tief wird zur Erklärung aktueller Phänomene in Vergangenheiten geblickt, die wiederum als Geschichts- oder Erinnerungskultur selbst Teil der Gegenwartskultur sein können.
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Geschichtskultur(en): Vergangenheiten in Gegenwarten

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1.   Zu Begriff und Konzept der Geschichtskultur

Der Titel dieses Beitrags rekurriert in abgewandelter Form auf eine frühe Bestimmung des Begriffs „Geschichtskultur“, die der Neuzeithistoriker Wolfgang Hardtwig bereits 1990 vornahm: „Geschichtskultur – das ist eine Sammelbezeichnung für höchst unterschiedliche, sich ergänzende oder überlagernde, jedenfalls direkt aufeinander bezogene Formen der Präsentation von Vergangenheit in einer Gegenwart.“1 In der zehn Jahre später durch den Geschichtsdidaktiker Bernd Schönemann vorgenommenen Einteilung der Entstehung des Konzepts „Geschichtskultur“ wurde Hardtwigs Begriffsbestimmung am Ende eines ersten Entwicklungsabschnitts eingeordnet, der nach Schönemann auf der „Phänomenebene“ ansetzte, indem er „Institutionen und Medien der außerschulischen Geschichtsvermittlung“,2 von Schönemann später als „Oberflächengestalt der Geschichtskultur“3 bezeichnet, in den Blick nahm: „Der Begriff Geschichtskultur“ – so Karl Pellens, Siegfried Quandt und Hans Süssmuth in ihrer im Verlauf dieser ersten Phase 1984 erschienenen Internationalen Bibliographie Geschichtskultur – Geschichtsdidaktik – „zielt systematisch auf den kommunikativen Prozeß historisch-politischer Identitätsfindung und Verständigung. An diesem Prozess sind alle Gruppen und kommunikativen Instanzen einer ← 143 | 144 → Gesellschaft beteiligt, insbesondere Schulen, Hochschulen, Museen und Massenmedien.“4

Thomas E. Fischer kritisierte zehn Jahre nach Hardtwigs Bestimmungsversuch in seinen Versuch, eine „Geschichte der Geschichtskultur“ zu verfassen, dass Hardtwigs Definition „zu sehr auf geformte Objektivationen orientiert“ sei und sich zu stark „auf Mentalitäten, auf Gruppeneinstellungen, weitverbreitete Denkmuster und Stimmungen“ beziehe: „Sie ist zu rationalistisch, zu sehr auf das Geschichtswissen fixiert. Geschichtskultur ist aber auch eine Sache von mehr geahnten als gewu...

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