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Gegenwartskultur als methodologische Herausforderung der Kulturwissenschaft(en)

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Edited By Jürgen Joachimsthaler

Was ist das überhaupt: Gegenwartskultur? Und wie lässt sie sich erfassen? Mit diesen nur scheinbar einfachen Fragen begegnet eine als interdisziplinäres Projekt begriffene Kulturwissenschaft dem Problem ihrer Gegenstandskonstitution. Auf wechselnder Abstraktions- und Konkretisationsebene fächern die Beiträge dieses Bandes ein Feld auf, das von grundsätzlicher methodologischer Erwägung bis zu detaillierter Deskription einzelner Phänomene reicht, von der Reflexion rechtlicher wie ökonomischer Rahmenbedingungen bis zu gezielten Blicken über die Ränder national eingeschränkter Wahrnehmungsräume hinaus; unterschiedlich tief wird zur Erklärung aktueller Phänomene in Vergangenheiten geblickt, die wiederum als Geschichts- oder Erinnerungskultur selbst Teil der Gegenwartskultur sein können.
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Aktuelle Tendenzen in der deutschen Erinnerungsliteratur

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Dass Erinnerungsliteratur heute ein „Segment des Buchmarkts“ bilde, wird wie von Meike Herrmann in ihrem Überblick Literatur und Debatten seit 19901 vielfach konstatiert, aber die Beschreibung von Tendenzen in der Erinnerungsliteratur kommt ebenso häufig nicht über recht allgemein gehaltene Charakterisierungen wie Individualisierung und Pluralisierung hinaus. Mit den Begriffen Subjektivierung und Pluralisierung2 fasste schon die erste Konferenz, die (in Freiburg) eine Bilanz zog, diese zusammen, indem sie „getrost“ das Fragezeichen im Titel strich: Wende des Erinnerns? Gedächtniskonstruktionen in der deutschen Literatur nach 1989.3 Und in einem der neuesten Sammelbände endet der Versuch, das „Feld […] überblickshaft zu kartieren“4, mit der Feststellung von „Reichtum und […] Vielfalt“.5 Heribert Tommek und Klaus-Michael Bogdal, die in der Einleitung ihrer Transformationen des literarischen Feldes in der Gegenwart betonen: „Ein […] zentrales Kennzeichen der Gegenwartsliteratur […] betrifft den Umgang ← 181 | 182 → mit der Vergangenheit und dem kulturellen Gedächtnis“6, haben kritisch zum Problem der Tendenzen-Beschreibung für die Gegenwartsliteratur insgesamt angemerkt, dass die von ihnen selbstreferentiell genannte Freude an Individualisierung und Pluralisierung nicht genüge.7

Ich möchte mich im Folgenden auf ein ‚Segment des Segments‘ beschränken, nämlich die DDR-Kindheit in der Erinnerungsliteratur, und dabei von einem Blick auf die englischsprachige Forschung ausgehen. Während in dem zitierten Freiburger Konferenzband der Diagnose von Individualisierung und Pluralisierung seit der Wende eine an keiner Stelle reflektierte Rede von Homogenität bis 1990 gegenübersteht, ob von „politisch korrekte[m] Einverständnis“ und von „[e]iner deutschen Gedenkkultur, welche die entlastende...

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