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Modelle betrieblicher Arbeitnehmerbeteiligung

Ein historisch-europäischer Rechtsvergleich zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich

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Tom Christopher Pröstler

Das Buch beleuchtet die betriebliche Arbeitnehmerbeteiligung und deren Entstehung in Deutschland, dem Vereinigten Königreich und der EU aus rechtswissenschaftlicher Perspektive. In wenigen Bereichen gehen die rechtlichen Traditionen innerhalb der EU so sehr auseinander wie bei diesem Thema. Während in Deutschland gesetzlich festgelegte betriebliche Beteiligung ein prägender Teil der betrieblichen Realität ist, gibt es solche Regelungen im Vereinigten Königreich weitgehend nicht. Die europäische Gesetzgebung wiederum schreibt nur einen Minimalkonsens fest. Der Autor liefert hierzu einen historischen Überblick und stellt vier Beteiligungsmodelle aus Deutschland und dem Vereinigten Königreich genauer vor.
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C. Historischer Überblick

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C. Historischer Überblick

Die Geschichte der betrieblichen Arbeitnehmerbeteiligung ist eng mit der Geschichte der industriellen Revolution verbunden. Erst durch die zunehmende Industrialisierung der Produktion und dem damit verbundenen Übergang von der Agrar- in die Industriegesellschaft mit all ihren gesellschaftlichen Umwälzungen stellte sich die Frage nach der Beteiligung der Arbeitnehmer an den sie betreffenden Entscheidungen im Betrieb. Im 19. Jahrhundert entstanden erst in England und dann auch in Deutschland immer größere Fabriken. Mit ihren Massenprodukten verdrängten sie den traditionellen Produktionsstil vieler Gewerbezweige, bei dem ein Meister mit einigen Gesellen und Lehrlingen Produkte schuf. Durch diese Veränderung der Produktionsmethoden und -stätten wurde das persönliche Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgebrochen und zunehmend anonymisiert. Gleichzeitig wurden die Produktions- und Lebensbedingungen für die Arbeitnehmerschaft immer härter und schädlicher. In diesem Klima entstanden die ersten modernen Ideen und Modelle zur Beteiligung der Arbeitnehmer an betrieblichen Entscheidungen.

Die Wirtschaft des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit war weitgehend von kleinteiligen Produktionsabläufen geprägt. Ausnahmen bildeten lediglich die Förderung von Kohle und Erzen in den Bergwerken oder die Schiffsproduktion auf den Großwerften. Es gab kaum Arbeitsverhältnisse, die einen eindeutigen, ausschließlichen Bezug zur Arbeit hatten.210 Mit den meisten freiwillig eingegangenen Arbeitsverhältnissen war die zumindest zeitweise Eingliederung der Arbeitnehmer in den Haushalt des Arbeitgebers verbunden.211 So wurden in den Städten die Lehrlinge und oft auch die Gesellen des Handwerks Teil des Haushalts ihres Meisters. Auf dem...

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