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Pflege im Hospital

Die Aufwärter und Aufwärterinnen von Merxhausen (16. – Anfang 19. Jh.)

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Natascha Noll

Die Autorin befasst sich mit dem Thema Pflege in der Frühen Neuzeit. Krankenpflege in dieser Zeit wird vor allem mit religiösen Orden und Gemeinschaften in Verbindung gebracht. Über die weltliche Krankenpflege ist hingegen wenig bekannt, noch weniger über die Personen, die pflegten. Das Buch untersucht diesen Themenkomplex anhand des Hospitals Merxhausen. Im Zentrum stehen die Personen der Aufwärter und Aufwärterinnen, ihre Arbeitsverrichtung sowie ihr Verhältnis zu den Hospitalsinsassen. Darauf aufbauend werden grundlegende Fragen zu Hygiene und Medizin, aber auch zu Gewaltanwendung und Einsperrung in einem Hospital der Frühen Neuzeit behandelt.
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9. Dienstversehung und Dienstvergehen

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9.  Dienstversehung und Dienstvergehen

9.1  Hospitalitinnen und Wartpersonal in der gegenseitigen Wahrnehmung

Die Behandlung der Arbeitsbereiche der Aufwärter und Aufwärterinnen hat bereits gezeigt, dass das Zusammenleben von Wartpersonal und Hospitalitinnen auf recht beengtem Raum teilweise eigenen Regeln folgte, die mit den Hospitalsvorschriften nicht immer in Einklang standen. An verschiedenen Stellen wurde dabei auch deutlich, wie sich die sozialen Beziehungen untereinander gestalteten. Dies wird nun nochmals aufgegriffen, wobei die Wahrnehmung dieser Beziehungen und der Dienstversehung des Wartpersonals durch die Beteiligten mit einbezogen wird.913

Sympathie und Antipathie sowie Bündnisse und Cliquenbildung auf der einen und Ausgrenzungsmechanismen auf der anderen Seite sind grundlegende Komponenten des sozialen Zusammenlebens, die sich auch in Weberhaus und Krankenhaus wiederfinden. Als Akteure nahmen die Hospitalitinnen verschiedene Positionen ein. Zum Beispiel ist zu beobachten, dass einige Hospitalitinnen als Wortführerinnen auftraten und sich in verschiedene Belange einmischten, während andere eher zurückhaltend waren und versuchten, Konflikte möglichst zu vermeiden.914 Aufgrund ihrer Erkrankungen konnten einige Frauen – auch wenn sie nicht eingesperrt oder bettlägerig waren – nicht gleichwertig am sozialen Leben im Hospital teilhaben, worauf sie gelegentlich im Rahmen von Befragungen selbst hinwiesen. So äußerte die 60 Jahre alte Hospitalitin Kohlin, dass sie zu der verhandelten Sache nichts sagen könne, »da sie nunmehr Altershalber nicht wohl sehe noch höre« und die 37 Jahre alte Hospitalitin Minkin wies darauf hin: »Alles was sie […] wisse, hätte sie von hörensagen, da sie blind sey […].«915 ← 299 | 300 →

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