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Der Zweite Weltkrieg im polnischen und deutschen kulturellen Gedächtnis

Siebzig Jahre danach (1945–2015)

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Edited By Jerzy Kałążny, Amelia Korzeniewska and Bartosz Korzeniewski

Die Autoren untersuchen den Wandel des Bildes des Zweiten Weltkrieges, der sich in der Erinnerungskultur in den letzten 25 Jahren in Polen und in Deutschland vollzogen hat. Ihre Perspektive öffnet den Blick auf das Zusammenspiel der Veränderungen, die sich aus dem Übergang vom kommunikativen zum kulturellen Gedächtnis ergeben, mit denen, die durch neue politische Situationen bzw. neue erinnerungskulturelle Tendenzen bedingt sind. Dieser facettenreiche und durchaus kontroverse Prozess wird an Beispielen aus der Literatur, der Filmkunst und dem Museumswesen veranschaulicht.
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Einleitung

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Der siebzigste Jahrestag des Kriegsendes veranlasst zum Nachdenken über die Art und Weise der Erinnerung an dieses Ereignis. In der Erinnerungsforschung wird oft die die Eigenart des Zeitraumes hervorgehoben, in dem Erinnerungen aus dem kommunikativen ins kulturelle Gedächtnis übergehen und damit nicht mehr als Erlebnisse der Zeitzeugen zu betrachten sind, sondern zum Handlungsgegenstand von Gedächtnisinstitutionen werden. Dieser Übergang induziert Veränderungen sowohl in Bezug auf den Gegenstand als auch die Weise des Erinnerns. Ein forschender Blick auf die seit dem Kriegsende vergangene Zeit lässt die Feststellung zu, dass heute innerhalb der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg tiefgreifende Veränderungen stattfinden. Die noch lebenden Zeitzeugen und Kriegsteilnehmer haben andere Prioritäten als die Nachgeborenen, die den Krieg nur aus Familienerzählungen bzw. medialer Überlieferung kennen. Die ersteren suchen in der Erinnerung nach Bestätigung ihrer Erfahrungen und nach Legitimierungen ihrer Entscheidungen. Individuelle Erinnerungen sind stets mit starken Emotionen verbunden, denn für die Zeitzeugen sind ihre Erfahrungen nicht selten schmerzhaft und daher nur schwer zuzulassen. Dies gilt vor allem für Erinnerungen an eigenes Verhalten, das sie in einem ungünstigen Licht erscheinen lässt. Starke Emotionen, die an das Erinnern von Vergangenheit gekoppelt sind, lassen Erinnerungen Anderer kaum zu. Für nachgeborene Generationen, in denen die Weltkriegserinnerung an den Zweiten Weltkrieg nicht von persönlichen Emotionen begleitet sind, wird die Frage relevant, wie es eigentlich gewesen ist. Ihre Vertreter können sich, wenngleich nicht immer, von der Vergangenheit distanzieren, was oft in die Versuche m...

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