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Aktuelle Tendenzen in der Gegenwartsgermanistik

Symposium ungarischer Nachwuchsgermanisten

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Edited By Tamás Kispál and Judit Szabó

Seit den 1990er-Jahren werden regelmäßig Tagungen für junge Germanisten unter der Schirmherrschaft der Gesellschaft ungarischer Germanisten organisiert. Der Band umfasst ausgewählte Aufsätze der ReferentInnen der Tagung von Nachwuchswissenschaftlern aus dem Jahr 2013. Die Veranstaltung mit dem Titel Aktuelle Tendenzen in der Gegenwartsgermanistik fand an der Universität Szeged statt. Die sprachwissenschaftlichen Beiträge behandeln grammatische, metaphorische und aktuelle lexikologische Fragestellungen. Bei den literaturwissenschaftlichen Beiträgen liegt der Schwerpunkt auf Gattungstheorie, Narratologie, Ideologie und Kultur.
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Opfernarrative im zeitgenössischen deutschen Generationen- und Familienroman. Zu Ulla Hahns Unscharfe Bilder: Edit V. Debróczki

1Opfernarrative in der heutigen deutschen Literaturszene

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Edit V. DebróczkiDebrecen

Opfernarrative im zeitgenössischen deutschen Generationen- und Familienroman

Zu Ulla Hahns Unscharfe Bilder

Die Opferproblematik ist in den letzten Jahrzehnten in den Mittelpunkt des literarischen, historischen, theologischen, juristisch-kriminologischen, soziologischen wie politikwissenschaftlichen Interesses geraten. Das lässt sich auf vielfache Weise erklären. Neben der durch das allmähliche Verschwinden der Holocaust-Überlebenden entstandenen historischen Schwellensituation soll im Hintergrund von der Aufwertung der Opferperspektive vor allem auf den Paradigmenwechsel hingewiesen werden, der nach Aleida Assmann als eine ethische Wende in der Geschichte und der Erinnerungskultur zu charakterisieren ist.1 In dem säkularisierten Opferbegriff hat sich nämlich eine Bedeutungsverschiebung vollzogen, in welcher der Akzent von der aktiven, bewussten, über einen Sinn verfügenden, aufopfernden sacrifice-Opferschaft auf die passive, sinnlose, erleidende Opferschaft der victims gelegt wurde.

Es scheint noch angebracht zu erwähnen, dass die ethische Wende nicht nur aus dieser postheroischen, viktimologischen Wende besteht. Ihre andere Dimension sieht Assmann darin, dass man nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr über Sieger und Verlierer, sondern über Täter und Opfer spricht (s. Assmann 2006: 72ff.), d. h. ethisch, juristisch konnotierte Begriffe erscheinen in den Interpretationen der Erinnerung an die historische Vergangenheit. Die viktimologischen Formen der Erinnerung schließen die heroische Semantik aus (vgl. hierzu Assmann 2006: 68). Die seit den 1990er Jahren bestehende Dominanz des postheroischen Opferdiskurses kann mit vielen Beispielen veranschaulicht werden. Eines von diesen ist die bekannte, skandalöse Erfolgsgeschichte eines Romanschriftstellers, eines Schein-Holocaust-Überlebenden, der unter dem Pseudonym...

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