Show Less
Restricted access

Eheverfahren und Eheprozesse in Staat und Kirche

Eine rechtsvergleichende Betrachtung

Series:

Vitus Kapfelsperger

Der Autor befasst sich mit dem Eheprozessrecht in Staat und katholischer Kirche. Dabei untersucht er das staatliche Verfahren in Ehesachen (Verfahren auf Scheidung der Ehe, Aufhebung der Ehe und auf Feststellung des Bestehens oder Nichtbestehens einer Ehe zwischen den Beteiligten nach § 121 Nr. 1-3 FamFG) und beschreibt im Anschluss daran das kirchliche Eheprozessrecht mit den beiden grundsätzlichen Möglichkeiten der Feststellung der Nichtigkeit einer Ehe und der Auflösung des Ehebandes. In der folgenden rechtsvergleichenden Betrachtung werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie Vor- und Nachteile der Verfahren herausgearbeitet. Das Buch eignet sich als Grundlage für mögliche Änderungen und Verbesserungen in beiden Rechtskreisen.
Show Summary Details
Restricted access

b) Verfahren zur Auflösung des Ehebandes

Extract



Während in staatlichen Verfahren zur Ehescheidung – genauso wie in staatlichen Verfahren zur Beendigung der Ehe wegen Fehler – die Ehepartner sich einen Rechtsanwalt als Parteibeistand auswählen und bestellen können und sogar müssen, ist hingegen für die kirchlichen gerichtsähnlichen Verwaltungsverfahren zur Auflösung des Ehebandes aufgrund Nichtvollzuges oder in favorem fidei ein Parteibeistand nicht vorgesehen und auch nicht zugelassen1123. Dies beruht auf der Tatsache, dass es in Eheauflösungsverfahren für Parteibeistände keine relevanten Betätigungsfelder gibt; insbesondere die für einen Parteibeistand entscheidende Phase der Aktenoffenlegung findet nicht statt1124. Stattdessen kann sich die Partei für das Verfahren eines vom Diözesanbischof zugelassenen Rechtskundigen bedienen, der den Ehepartnern im Verfahren hilft1125. Dem Rechtskundigen kommt es dann zu, das Bittgesuch um Auflösung der Ehe abzufassen, bei der Beweisaufnahme zu helfen sowie bei negativem Bescheid bei der Ergänzung der Akten mitzuwirken1126. ← 170 | 171 →

Über die Voraussetzungen und erforderlichen Kenntnisse des Rechtskundigen werden – anders als im staatlichen Verfahren zur Ehescheidung – keine Regelungen getroffen. Mittelbar ergibt sich lediglich aus der Zulassung eines „Rechtskundigen“, dass er Erfahrung in rechtlichen und verfahrensrechtlichen Fragen besitzen muss. Diese Kenntnisse kann der betreffende Rechtskundige im Rahmen eines Lizentiatsstudiums des kanonischen Rechts erworben haben, muss dies aber nicht.

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.