Show Less
Restricted access

Eheverfahren und Eheprozesse in Staat und Kirche

Eine rechtsvergleichende Betrachtung

Series:

Vitus Kapfelsperger

Der Autor befasst sich mit dem Eheprozessrecht in Staat und katholischer Kirche. Dabei untersucht er das staatliche Verfahren in Ehesachen (Verfahren auf Scheidung der Ehe, Aufhebung der Ehe und auf Feststellung des Bestehens oder Nichtbestehens einer Ehe zwischen den Beteiligten nach § 121 Nr. 1-3 FamFG) und beschreibt im Anschluss daran das kirchliche Eheprozessrecht mit den beiden grundsätzlichen Möglichkeiten der Feststellung der Nichtigkeit einer Ehe und der Auflösung des Ehebandes. In der folgenden rechtsvergleichenden Betrachtung werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie Vor- und Nachteile der Verfahren herausgearbeitet. Das Buch eignet sich als Grundlage für mögliche Änderungen und Verbesserungen in beiden Rechtskreisen.
Show Summary Details
Restricted access

1. Staat

Extract



In staatlichen Eheverfahren wird das Verhältnis zwischen der Aufhebung1860 und der Scheidung1861 einer Ehe klar durch die gesetzliche Regelung des § 126 Abs. 3 FamFG bestimmt. Hiernach ist bei einem sowohl begründeten Aufhebungsantrag als auch einem begründeten Scheidungsantrag nach § 126 Abs. 3 FamFG der Eheaufhebung der Vorzug gegenüber der Ehescheidung zu geben1862. Abweichend ← 273 | 274 → von dieser gesetzlichen Regelung kann der Antragsteller bei entsprechender Antragstellung aber auch der Scheidung einer Ehe gegenüber der Eheaufhebung den Vorrang einräumen1863.

2. Kirche

In kirchlichen Eheverfahren ist das Verhältnis zwischen der Feststellung der Nichtigkeit einer Ehe und der Auflösung des Ehebandes gesetzlich nicht ausdrücklich geregelt. Nach den materiell-rechtlichen Regelungen des kirchlichen Eherechts gibt es – neben der Ungültigkeit der Ehe – zwei Anknüpfungspunkte zur Auflösung des Ehebandes, zum einen die fehlende Sakramentalität der Ehe, zum anderen den Nichtvollzug der Ehe1864. Diese materiell-rechtlichen Anknüpfungspunkte als Grundlage zu einer Entscheidung über eine Ehe stehen gleichberechtigt nebeneinander. Solange eine kirchliche Ehe ungültig geschlossen wurde, und nicht durch Taufe beider Ehegatten sakramental geworden ist1865 sowie nicht vollzogen wurde1866, kann sowohl die Nichtigkeit einer Ehe angestrebt werden als auch die Auflösung des Ehebandes. Diese materiell-rechtliche Parallelität der möglichen Gründe setzt sich dann auch im Verfahrensrecht dadurch fort, dass die entsprechenden Verfahren zur Feststellung der Nichtigkeit einer Ehe und zur Auflösung des Ehebandes ebenfalls gleichberechtigt nebeneinander möglich sind1867. In der Praxis werden die Ehepartner die f...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.