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Natur bei Rainer Maria Rilke

Wald, Park, Garten und ihre literarische Darstellung

Alfred Hagemann

Du siehst ich stecke mitten im Wald – Rilkes Zitat von 1909 ist nur eines von zahlreichen Belegen in seinen Briefen, die Alfred Hagemann untersucht. Sein Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Sujets Wald, Park und Garten in allen Textgattungen, Werkstufen sowie sämtlichen biographischen Phasen Rilkes. Intertextuelle und intermediale Aspekte ergänzen die Interpretation. Die europäischen Orte, die Rilke literarisch gestaltet, erweisen dabei ihre besondere Qualität als poetische Orte. Bisher unberücksichtigt in der Forschung war der Aspekt Wald. Insgesamt entsteht ein Themenpanorama, das von Natürlichkeit bis Künstlichkeit reicht. Aspekte des Themas Natur bei Rilke werden auf diese Weise erkennbar, aber auch die jeweiligen Querverbindungen zur Kunst und zum Zeitkontext.
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1 Einführende Aspekte

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1.1 Forschungsgegenstand

Eine Momentaufnahme aus dem Jahr 1907: Der Reiseempfehlung der Malerin Mathilde Vollmoellers für einen kleinen Ort in den Niederlanden, inmitten sommerlicher Natur, begegnet Rilke von seinem Stehpult in der Pariser Rue Cassette aus mit einer freundlichen Absage. „Ja, wenn ich mir eines Tages das Recht gäbe, über dieses tägliche Stehpult hinauszudenken“, heißt es in diesem Brief, „an einen ‚stillen grünen Fleck‘, so würde es auf alle Fälle Laren sein; aber es ist nicht wahrscheinlich, gar nicht. Ich muß meine Wurzeln hier pflegen und stillstehen.“4 Ein Spannungsfeld zwischen der Arbeit des Künstlers und der ihn umgebenden Natur wird in dieser kurzen Briefstelle sichtbar. Zwar wird sprachlich zwischen beidem eine Analogie erzeugt, doch die „Wurzeln“ des Künstlers müssen aus Rilkes Sicht eben nicht an einem „‚stillen grünen Fleck‘“, sondern in der täglichen Arbeit, in seinem Arbeitszimmer inmitten der Großstadt gepflegt werden.

← 9 | 10 → Von dieser punktuellen Selbstdefinition aus ergeben sich grundsätzliche Fragen, etwa nach der Wahrnehmung und Gestaltung der Natur, nach dem Zusammenspiel von Natur und Kunst, außerdem nach der Bedeutung von inspirierenden Orten bei Rilke. Durch Rilkes Briefe, vor allem durch die 2009 erschienene Ausgabe der Briefe an seine Mutter, lassen sich diese Fragen konkretisieren: Wald, Park und Garten werden dort zum Thema, erscheinen als Gegenstände seiner Wahrnehmung und Gestaltung, als „lieu poétique“5. Dies lässt sich außerdem in seinem dichterischen Werk, in...

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