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Natur bei Rainer Maria Rilke

Wald, Park, Garten und ihre literarische Darstellung

Alfred Hagemann

Du siehst ich stecke mitten im Wald – Rilkes Zitat von 1909 ist nur eines von zahlreichen Belegen in seinen Briefen, die Alfred Hagemann untersucht. Sein Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Sujets Wald, Park und Garten in allen Textgattungen, Werkstufen sowie sämtlichen biographischen Phasen Rilkes. Intertextuelle und intermediale Aspekte ergänzen die Interpretation. Die europäischen Orte, die Rilke literarisch gestaltet, erweisen dabei ihre besondere Qualität als poetische Orte. Bisher unberücksichtigt in der Forschung war der Aspekt Wald. Insgesamt entsteht ein Themenpanorama, das von Natürlichkeit bis Künstlichkeit reicht. Aspekte des Themas Natur bei Rilke werden auf diese Weise erkennbar, aber auch die jeweiligen Querverbindungen zur Kunst und zum Zeitkontext.
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4.3 Theorie des Landschaftsparks: Zum Briefwechsel mit Gräfin Sizzo

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Mit theoretischen Schriften zur Gartenkunst beschäftigt sich Rilke erst in seinen Schweizer Jahren. Als vornehmlicher Grund für die Beschäftigung mit Gartentheoretikern des 18. Jahrhunderts erscheint der Briefwechsel mit Gräfin Sizzo-Noris1368, der Ende 1921 beginnt. Von der Gattung her sind diese Texte ← 269 | 270 → den essayistischen oder ästhetischen Briefen zuzuordnen. Der briefliche Austausch über die Herrensitze und Parks der Familien Sizzo-Noris, Crouy-Chanel und Semsey de Semse steht unter dem Zeichen der Verlusterfahrung des Ersten Weltkriegs.

Gräfin Sizzo entstammte dem ungarischen Hochadel, wurde 1891 in Ungarn geboren, wuchs auf dem Rokoko-Schloss Sacza auf und heiratete 1918 Graf Christoph Sizzo-Noris, der in erster Ehe mit ihrer Tante verheiratet war. Die Familie Sizzo-Noris besaß das Schloss Adamfalva, das ab 1918 unter dem Namen Adamócz zur Tschechoslowakei gehörte.1369 Das Interesse für den Landschaftspark und exotische Bäume zeigt schon die Mitgliedschaft der Familie Sizzo-Noris in der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft.1370 Gräfin Sizzos Übersetzung des Cornet ins Französische war der Auslöser für einen intensiven Briefwechsel im Zeitraum von 1921 bis 1926. Während dieser Zeit (und noch bis zu ihrem Tod im Jahr 1976) lebte Gräfin Sizzo auf Adamócz (Abb. 38).1371

Persönlich begegnet sind sich die Briefpartner nie – auch die Schlösser und Parks, über die sie sich austauschen, hat Rilke nie persönlich gesehen, er kannte sie nur aus den brieflichen Darstellungen und aus von Fotos. Ein „klein[es] Erinnerungsbuc[h]“1372, das die...

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