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Die Pflicht zum Risikomanagement im Aktienrecht

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Kjell Jacobsen

Der Erfolg unternehmerischer Entscheidungen ist ungewiss. Riskante Projekte versprechen häufig größeren Gewinn, bergen aber auch die Gefahr eines Fehlschlags bis hin zur Existenzgefährdung. Fehlerhafter Umgang mit den Unternehmensrisiken kann zur Haftung der Unternehmensverwaltung führen. Die Arbeit geht der Frage nach, ob der Vorstand einer Aktiengesellschaft eine bestimmte Risikoschwelle nicht überschreiten darf. Es wird ausführlich analysiert, ob die Anforderungen des Kreditwesengesetzes auf das Risikomanagement aller Aktiengesellschaften übertragbar sind. Der Autor legt seiner Arbeit einen interdisziplinären Ansatz zugrunde, der nicht nur für Juristen und Ökonomen, sondern auch für Organe von Kapitalgesellschaften von Interesse ist. Er zeigt, dass Vorstellungen aus der Bankenregulierung ungeeignet für eine Übernahme in das Aktienrecht sind, da sie riskante, aber sinnvolle Investitionen verhindern.
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Teil 1: Einführung

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A. Problemstellung

Die Insolvenz der US-amerikanischen Investmentbank Lehmann Brothers im Jahre 2008 löste eine Liquiditätsklemme aus und führte schließlich die schlimmste Rezession herbei, die die Welt seit Ende der 1930er Jahre erlebte. Die betroffenen Regierungen und Zentralbanken mussten milliardenschwere Rettungspakete schnüren, um eine Ansteckung der Realwirtschaft zu vermeiden und einer Kettenreaktion entgegenzuwirken. Der Begriff des „Systemrisikos“ ist seitdem nicht nur Gegenstand zahlreicher akademischer Publikationen, sondern auch fester Bestandteil des Bankenaufsichtsrechts. Die internationale Vernetzung der Finanzmärkte und die Abhängigkeiten der Finanzinstitute voneinander wirkten wie ein Katalysator. Weder die Finanzmarktregulierer noch die Politik waren darauf vorbereitet, dass die Insolvenz einer einzigen Bank solche ökonomischen Verwerfungen nach sich ziehen konnte. Die Wucht und die Schnelligkeit mit der sich die Finanzkrise ausbreitete, waren beispiellos. Die Ursachen für das Desaster sind vielfältig. Als ein Treiber wird die ungezügelte Gier der Bankmanager nach hohen Provisionen und Boni angeführt, die sie dazu veranlassten, Risiken einzugehen mit denen sie den Bestand der Bank auf Spiel setzten. Als weitere Ursache wurden Schwächen in der Corporate Governance der Banken ausgemacht. So wurde darauf hingewiesen, dass das Risikomanagement der Banken sowie die Regulierung durch die Aufsichtsbehörden versagt haben.1 Im Nachgang der Krise wurden gesetzespolitische Anstrengungen unternommen, um Defizite zu beheben und das Finanzsystem sicherer zu machen. So beschloss der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht z.B. eine deutliche Anhebung des von Banken zu haltenden Eigenkapitals (Basel III). Die Umsetzung auf europäischer Ebene erfolgte zum...

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