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Die Pflicht zum Risikomanagement im Aktienrecht

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Kjell Jacobsen

Der Erfolg unternehmerischer Entscheidungen ist ungewiss. Riskante Projekte versprechen häufig größeren Gewinn, bergen aber auch die Gefahr eines Fehlschlags bis hin zur Existenzgefährdung. Fehlerhafter Umgang mit den Unternehmensrisiken kann zur Haftung der Unternehmensverwaltung führen. Die Arbeit geht der Frage nach, ob der Vorstand einer Aktiengesellschaft eine bestimmte Risikoschwelle nicht überschreiten darf. Es wird ausführlich analysiert, ob die Anforderungen des Kreditwesengesetzes auf das Risikomanagement aller Aktiengesellschaften übertragbar sind. Der Autor legt seiner Arbeit einen interdisziplinären Ansatz zugrunde, der nicht nur für Juristen und Ökonomen, sondern auch für Organe von Kapitalgesellschaften von Interesse ist. Er zeigt, dass Vorstellungen aus der Bankenregulierung ungeeignet für eine Übernahme in das Aktienrecht sind, da sie riskante, aber sinnvolle Investitionen verhindern.
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Teil 3: Ökonomische Einordnung des Risikomanagements

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Die ökonomische Analyse von Rechtspflichten zum Risikomanagement verlangt, dass man sich der volkswirtschaftlichen Bedeutung von Aktiengesellschaften, Märkten und Verträgen Bewusst ist. Die Auswirkungen bestandsgefährdender Risiken erkennt man erst, wenn man einen Blick auf die an der Gesellschaft beteiligten Interessengruppen (Stakeholder) und deren Schutzmöglichkeiten wirft.

A. Die Aktiengesellschaft aus ökonomischer Sicht

I. Die Gesellschaft als Vertragsgeflecht

Zwischen Juristen und Ökonomen bestehen große Unterschiede hinsichtlich der Beantwortung auf die Frage: Was versteht man unter einer Gesellschaft?183 Bei Karsten Schmidt heißt es etwa: „Gesellschaftsrecht ist das Recht der privatrechtlichen Zweckverbände und kooperativen Vertragsverhältnisse.“184 Es existiere keine Gesellschaft ohne die Begründung von Schuldverhältnissen. Kapitalgesellschaften seien „echte Verbände“,185 die einen eigenen Verbandsweck aufwiesen.186 Der Vorstand müsse seine Leitungsmacht auf die wirtschaftliche und soziale Organisations- und Wirkungseinheit ausrichten, deren rechtliche und soziale Identität durch die Rechtsfigur der juristischen Person begründet werde.187 Die juristische Person, zu der das Unternehmen verfasst sei, sei eine durch die Rechtsordnung begründete und zur sozialen Realität erhobene geistige Einheit. Ihr stehe nicht nur eine eigene Rechtspersönlichkeit zu, sondern auch ein eigenes Interesse an ihrer Selbstbehauptung und erfolgreichen Verwirklichung ihres Daseinszwecks, das gegenüber den Interessen der Stakeholder verselbstständigt sei.188 Raiser/Veil führen klarstellend aus: „Die Vorstellung, dass das Unternehmen als Organisation eigene, von den Interessen der an ihm beteiligten Anteilseigner, Arbeitnehmer ← 43 | 44 → usw. verschiedene Interessen entfaltet, auf welche seine Organe bei ihren...

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