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Die Pflicht zum Risikomanagement im Aktienrecht

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Kjell Jacobsen

Der Erfolg unternehmerischer Entscheidungen ist ungewiss. Riskante Projekte versprechen häufig größeren Gewinn, bergen aber auch die Gefahr eines Fehlschlags bis hin zur Existenzgefährdung. Fehlerhafter Umgang mit den Unternehmensrisiken kann zur Haftung der Unternehmensverwaltung führen. Die Arbeit geht der Frage nach, ob der Vorstand einer Aktiengesellschaft eine bestimmte Risikoschwelle nicht überschreiten darf. Es wird ausführlich analysiert, ob die Anforderungen des Kreditwesengesetzes auf das Risikomanagement aller Aktiengesellschaften übertragbar sind. Der Autor legt seiner Arbeit einen interdisziplinären Ansatz zugrunde, der nicht nur für Juristen und Ökonomen, sondern auch für Organe von Kapitalgesellschaften von Interesse ist. Er zeigt, dass Vorstellungen aus der Bankenregulierung ungeeignet für eine Übernahme in das Aktienrecht sind, da sie riskante, aber sinnvolle Investitionen verhindern.
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Teil 5: Zusammenfassung der Ergebnisse

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1. „Risiko“ bezeichnet die Möglichkeit der Zielverfehlung. Während nach engem Verständnis lediglich negative Zielabweichungen erfasst werden, betrachtet ein weites Verständnis die gesamte Streuung des Erfolgs um ihren Erwartungswert. Risiko ist danach die Möglichkeit, dass es sowohl schlechter als auch besser kommen kann als erwartet. Diese Definition beinhaltet nicht nur Verlustgefahren, sondern auch Gewinnchancen und berücksichtigt damit, dass unternehmerische Entscheidungen ungünstig aber auch günstig ausfallen können. Risiko und Chance sind zwei Seiten ein- und derselben Medaille. Bestandsgefährdend ist ein Risiko, wenn es geeignet ist im Falle seiner Verwirklichung, die Überschuldung oder Illiquidität der Gesellschaft herbeizuführen.

2. Die Bestandserhaltung eines Unternehmens kann aus volkswirtschaftlicher Sicht kein Selbstzweck unternehmerischen Handelns sein. Das Ziel des Vorstands muss es vielmehr sein, den Wert des Unternehmens zu steigern. Die Geschäftsleitung sollte grundsätzlich jedes Projekt auswählen, das einen positiven Kapitalwert (net present value) aufweist. Stehen mehrere Projekte zur Auswahl, sollte das Projekt mit dem höchsten Kapitalwert gewählt werden. Diese Handlungsmaxime entspricht nicht nur dem rationalen Interesse der Eigenkapitalgeber, sondern führt auch dazu, dass die soziale Wohlfahrt insgesamt wächst. Die Vorgabe einer absoluten Risikogrenze ist aus ökonomischer Sicht abzulehnen. Auch kann es keine Pflicht zur Existenzsicherung geben. Das Eingehen von Risiken ist vielmehr jeder Wettbewerbsordnung immanent und volkswirtschaftlich geradezu angezeigt, um den sozialen Wohlstand zu mehren. Innovationen und Fortschritt verlangen oft Entscheidungen, die den Bestand von Unternehmen gefährden. In der englischsprachigen Literatur spricht man...

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