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Haftung für terroristische Anschläge

Ökonomische Analyse einer Allokation terroristischer Risiken durch Haftung, Versicherung und Entschädigung

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Linda Souren

Terrorismus ist nicht nur eine sicherheitspolitische Fragestellung, sondern hat auch eine privatrechtliche Dimension, der dieses Werk nachgeht. Bei einem terroristischen Anschlag rückt eine Haftung der Attentäter und ihres unterstützenden Umfeldes, aber des Weiteren auch die Verantwortung fahrlässiger Mitverursacher, wie beispielsweise Flugunternehmen und Sicherheitsfirmen in den Blick. Eine ökonomische Analyse des Haftungsregimes sowie konkurrierender Lösungen zur Schadensabnahme und -verteilung zeigt: Jenseits des berechtigten Interesses, katastrophale Schäden durch eine Entschädigung nach Art des September 11th Victim Compensation Fund zu vergemeinschaften, ist es wichtig, die verhaltenssteuernde Wirkung des Deliktsrechts zu erhalten, um terroristische Anschläge zu vermeiden.
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3. Abschnitt: Rahmenbedingungen einer Haftung für terroristische Anschläge

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3.  Abschnitt: Rahmenbedingungen einer Haftung für terroristische Anschläge

§ 7  Versicherung terrorismusbedingter Risiken

A)  Wechselbezüge von Haftung und Versicherung

Der Versicherung eines Risikos – sei es des Haftpflicht- oder des Schadensrisikos – ist die volkswirtschaftlich positive Wirkung zuzuschreiben, risikoaverse Individuen zu einem riskanten, aber gesamtgesellschaftlich wünschenswerten Verhalten zu animieren, ohne dass es hierbei zu übermäßiger Schadensvorsorge kommt658. Dass die meisten Menschen sich risikoavers verhalten, bedeutet, dass sie einen sicheren Status gegenüber einem unsicheren Status vorziehen659. Als Ursache hierfür lässt sich der abnehmende Grenznutzen des Geldes benennen: Der Nutzen, den der Einzelne aus einem Zugewinn an Geld ziehen kann, nimmt ab, je weiter seine Grundbedürfnisse hiermit bereits befriedigt sind. Folglich ergibt sich aus einem einmaligen, erheblichen Einkommensverlust ein größerer Nutzenentgang als aus einem wiederkehrenden Verlust in Höhe lediglich eines geringen Teils des Einkommens660. Dies wirkt sich zugunsten des Versicherungsprinzips dahin aus, dass ein unsicheres Verlustrisiko in Form eines künftigen, ungewissen Schadensereignisses gegen sichere Ausgaben in Form von Prämienzahlungen eingetauscht wird661. Das Vorhandensein von Versicherungsschutz kann auf diesem Weg Handlungsmodalitäten eröffnen, weil der risikoaverse Entscheider nunmehr kalkulierbare Kosten für das gefahrene Risiko in seine Wagnisentscheidung einpreisen kann. Außerdem führt eine vollkommene ← 173 | 174 → Versicherung dazu, dass trotz Risikoaversion optimale Sorgfalt geübt wird. Denn im Idealfall bildet die Versicherungsprämie das Risiko vollständig ab, indem die Versicherungsprämien nach dem Sorgfaltsniveau der Versicherten gestaffelt sind662.

Dieser Idealfall ist...

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