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Heimatverlust in historischen und zeitgeschichtlichen Jugendromanen der Gegenwart über Auswanderung, Flucht und Vertreibung

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Sibylle Nagel

In historischen und zeitgeschichtlichen Jugendromanen über Auswanderung, Flucht und Vertreibung, soweit in den letzten Jahren erschienen, spielt das Thema des Heimatverlustes eine zentrale Rolle. Es geht in diesen Texten allerdings um mehr als nur den äußeren Vorgang des Reisens oder der Migration; sie lassen sich auch als verkappte Schilderungen eines inneren Vorgangs, einer psychischen Entwicklung lesen. Sie handeln nicht zuletzt auch vom Verlassen der Kindheit, von der Bewältigung der Adoleszenz und von der Erreichung bzw. der Verfehlung eines reifen Erwachsenenstatus. Wir haben es in gewissem Ausmaß stets auch mit psychologischen, mit Entwicklungsromanen zu tun. Der wie immer sentimental aufgeladene Rückblick auf die Heimat gilt im Grunde genommen der verlorenen Kindheit. Die Arbeit deckt einen Mechanismus der doppelten Bedeutung auf, der für viele andere Jugendromane charakteristisch ist, die auf den ersten Blick frei von aller (Entwicklungs-)Psychologie sind.
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Einleitung

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Bade entwirft in Europa in Bewegung. Migration vom späten 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart (Bade 2000), wie die Wanderungsbewegungen der letzten beiden Jahrhunderte die Geschichte der Menschheit bestimmten. „Den ‚Homo Migrans‘ gibt es, seit es den ‚Homo Sapiens‘ gibt“, schreibt er, „denn Wanderungen gehören zur Conditio humana wie Geburt, Fortpflanzung, Krankheit und Tod“ (ebd. 11). In der Tat legten bereits die Menschen der Frühzeit zu Fuß, alleine oder in Gruppen, große Strecken zurück. In allen Zeiten haben sich Menschen nicht nur gezwungenermaßen, sondern freiwillig auf den Weg gemacht und die Sicherheit des Gewohnten hinter sich gelassen. Bei Machatschke (vgl. Machatschke 1994) ist nachzulesen, wie in dem Jahrtausend vor Beginn unserer Zeitrechnung keltische Stämme sich über Gallien, die iberische Halbinsel und über das mittlere Deutschland bis Italien, Griechenland und die Ukraine ausbreiteten. Ihnen folgten weitere Volksstämme: Auch Goten und Franken verließen in den folgenden Jahrhunderten ihre Heimat, um in anderen Regionen, die bessere Lebensbedingungen versprachen, zu siedeln. Die große Völkerwanderung hatte begonnen. Kriegerische Auseinandersetzungen mit Volksstämmen der durchwanderten Gebiete bewirkten in der Folge sowohl Flucht und Vertreibung der ansässigen Stämme als auch die Durchmischung der Völker nach Ansiedlung der Fremden. Mit der Sesshaftigkeit des letzten Nomadenvolkes, der Ungarn, endete im 9. Jahrhundert n. Chr. die Zeit der großen Völkerwanderung, die das Bild der Staaten und Gesellschaften Europas völlig verändert hatte.

In Mythen und Legenden werden die Wanderungen vormittelalterlicher Zeiten m...

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