Show Less
Restricted access

Heimatverlust in historischen und zeitgeschichtlichen Jugendromanen der Gegenwart über Auswanderung, Flucht und Vertreibung

Series:

Sibylle Nagel

In historischen und zeitgeschichtlichen Jugendromanen über Auswanderung, Flucht und Vertreibung, soweit in den letzten Jahren erschienen, spielt das Thema des Heimatverlustes eine zentrale Rolle. Es geht in diesen Texten allerdings um mehr als nur den äußeren Vorgang des Reisens oder der Migration; sie lassen sich auch als verkappte Schilderungen eines inneren Vorgangs, einer psychischen Entwicklung lesen. Sie handeln nicht zuletzt auch vom Verlassen der Kindheit, von der Bewältigung der Adoleszenz und von der Erreichung bzw. der Verfehlung eines reifen Erwachsenenstatus. Wir haben es in gewissem Ausmaß stets auch mit psychologischen, mit Entwicklungsromanen zu tun. Der wie immer sentimental aufgeladene Rückblick auf die Heimat gilt im Grunde genommen der verlorenen Kindheit. Die Arbeit deckt einen Mechanismus der doppelten Bedeutung auf, der für viele andere Jugendromane charakteristisch ist, die auf den ersten Blick frei von aller (Entwicklungs-)Psychologie sind.
Show Summary Details
Restricted access

4. Forschungsstand

← 62 | 63 →4. Forschungsstand

Extract

Es wurde vorgeschlagen, Jugendliteratur zum Thema Flucht, Exil, Vertreibung und Auswanderung so zu betrachten, dass Verbindungen zwischen der Kindheit und Heimat sowie der historischen Reise der Protagonisten und deren psychologischer Entwicklung deutlich werden. Die in diesem Feld bisher vorliegenden und in der Folge erfassten Studien greifen einen solchen Zusammenhang (aus historisch verständlichen, jedoch literaturwissenschaftlich nicht zwingend relevanten Gründen) nicht auf. Die gemeinsame Charakteristik der bisherigen Forschungsarbeiten läuft größtenteils auf die Bewertung der realitätsgetreuen und wahrheitsgemäßen Verarbeitung historischer Ereignisse in einer Kinder- und Jugendliteratur hinaus, die als historisch-zeitgeschichtliche Literatur betrachtet wird. Insbesondere in Untersuchungen zur Primärliteratur des Themenkreises Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg hat man sich in der Kinder- und Jugendliteraturforschung mit politischen Fragestellungen befasst und das Verhältnis der in fiktionalen Erzählungen getroffenen Aussagen meist subjektiv berichtender Ich-Erzähler und Protagonist/innen zum tatsächlichen Geschehen kritisiert. Es geht in den nachfolgend zitierten einschlägigen Forschungsarbeiten bis heute weniger um literaturtheoretische Fragestellungen als um die Bewertung der Verarbeitung historischer Tatsachen. Verlangt wird eine wahrheitsgetreue Vermittlung an Jugendliche mithilfe der Literatur und somit eine Anpassung der Jugendliteratur an didaktische Anforderungen im Sinne der grundlegenden Gestaltungsformen von Jugendliteratur, wie sie von Ewers dargelegt worden sind (vgl. Ewers 2000, 189 ff.).

Dahrendorf geht in Heimatverlust. Über die Behandlung eines ambivalenten Themas in der zeitgeschichtlichen Kinder- und Jugendliteratur (Dahrendorf 1996, 217–224) auf den Heimatbegriff nur insoweit ein, als er sagt, dieser könne sowohl unveränderbar als auch als etwas fest Bestehendes...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.