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Heimatverlust in historischen und zeitgeschichtlichen Jugendromanen der Gegenwart über Auswanderung, Flucht und Vertreibung

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Sibylle Nagel

In historischen und zeitgeschichtlichen Jugendromanen über Auswanderung, Flucht und Vertreibung, soweit in den letzten Jahren erschienen, spielt das Thema des Heimatverlustes eine zentrale Rolle. Es geht in diesen Texten allerdings um mehr als nur den äußeren Vorgang des Reisens oder der Migration; sie lassen sich auch als verkappte Schilderungen eines inneren Vorgangs, einer psychischen Entwicklung lesen. Sie handeln nicht zuletzt auch vom Verlassen der Kindheit, von der Bewältigung der Adoleszenz und von der Erreichung bzw. der Verfehlung eines reifen Erwachsenenstatus. Wir haben es in gewissem Ausmaß stets auch mit psychologischen, mit Entwicklungsromanen zu tun. Der wie immer sentimental aufgeladene Rückblick auf die Heimat gilt im Grunde genommen der verlorenen Kindheit. Die Arbeit deckt einen Mechanismus der doppelten Bedeutung auf, der für viele andere Jugendromane charakteristisch ist, die auf den ersten Blick frei von aller (Entwicklungs-)Psychologie sind.
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5. Die Auswanderung nach Nordamerika im 19. Jahrhundert

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Fiktionale Texte zur Auswanderung nach Nordamerika sind bereits zeitgleich mit der historischen Wanderungsbewegung erschienen und so befassten sich schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts verschiedene Studien mit diesen Werken. Untersuchungen deutscher und amerikanischer Autoren beleuchteten u. a. Vorkommen und Verwendung des Motivs „Amerika“ in der deutschen Literatur (Breffka 1917, Weber 1928, Schroeder 1934, Jantz 1957). Untersucht wurden auch die zeitgenössische Darstellung des Heimatverlustes und Heimatgewinns durch eingewanderte deutschsprachige Autoren (Friesen 1983, Riedel 1984, Fröschle 1997). Mit im 19. Jahrhundert verfassten Briefen und Textsammlungen befassten sich eingehend Wolfgang J. Helbich und Marie-Luise Seidenfaden (Helbich 1988, Seidenfaden 1987). Andere betrachteten später Texte unter Aspekten der Gattungszuordnung (Abenteuerroman, Exotikroman, vgl. Majut 1957) oder einzelner Motive wie bspw. der Ankunft im neuen Land in Berichten zeitgenössischer Autoren. Mikoletzkys umfangreiche Studie und Analyse wendet sich in Die deutsche Amerika-Auswanderung des 19. Jahrhunderts in der zeitgenössischen fiktionalen Literatur (Mikoletzky 1988) u. a. auch der Frage nach Alter und Beruf der nach Nordamerika ausgewanderten Autoren des 19. Jahrhunderts zu. Mikoletzky hat 162 zeitgenössische Titel des 19. Jahrhunderts untersucht, dabei aber Erzählungen für Kinder und Jugendliche ausgeklammert (Mikoletzky 1988).

Die hier angeführten Untersuchungen boten für die vorliegende Arbeit zwar keine Hinweise, da sie sich nicht mit Jugendliteratur befassen – dennoch lassen sie und insbesondere die Auswertung der zeitgenössischen Veröffentlichungen, die in Form von Handbüchern, subjektiven Reiseberichten und mehr oder weniger objektiven Ratgebern vorliegen, erahnen, was sich viele Auswanderer für ihre zukünftige Heimat...

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