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Heimatverlust in historischen und zeitgeschichtlichen Jugendromanen der Gegenwart über Auswanderung, Flucht und Vertreibung

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Sibylle Nagel

In historischen und zeitgeschichtlichen Jugendromanen über Auswanderung, Flucht und Vertreibung, soweit in den letzten Jahren erschienen, spielt das Thema des Heimatverlustes eine zentrale Rolle. Es geht in diesen Texten allerdings um mehr als nur den äußeren Vorgang des Reisens oder der Migration; sie lassen sich auch als verkappte Schilderungen eines inneren Vorgangs, einer psychischen Entwicklung lesen. Sie handeln nicht zuletzt auch vom Verlassen der Kindheit, von der Bewältigung der Adoleszenz und von der Erreichung bzw. der Verfehlung eines reifen Erwachsenenstatus. Wir haben es in gewissem Ausmaß stets auch mit psychologischen, mit Entwicklungsromanen zu tun. Der wie immer sentimental aufgeladene Rückblick auf die Heimat gilt im Grunde genommen der verlorenen Kindheit. Die Arbeit deckt einen Mechanismus der doppelten Bedeutung auf, der für viele andere Jugendromane charakteristisch ist, die auf den ersten Blick frei von aller (Entwicklungs-)Psychologie sind.
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6. Emigration und Exil der europäischen Juden ab

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Bei den im Folgenden zu analysierenden Werken zu Stoffen der Emigration und des Exils der europäischen Juden ab 1933 handelt es sich - sowohl im kinder- und jugendliterarischen als auch im erwachsenenliterarischen Horizont – häufig um autobiografisch gefärbte oder doch durch die Erlebnisse der Vorfahren oder Bekannten geprägte Literatur. In all diesen Texten werden Vertreibung, Flucht und erzwungene Emigration der europäischen Juden des 20. Jahrhunderts bei gleichzeitigem Verlust allen Besitzes und häufig auch sämtlicher familiärer Bindungen thematisiert. Verbannte und ausgestoßene Figuren kommen in vielen Fällen als Ich-Erzähler zu Wort, sprechen über ihre Erlebnisse und kommentieren diese. Teils geschieht dies aus zeitlichem Abstand heraus, teils werden die empfundene Ungerechtigkeit und Bitterkeit angesichts des unfreiwilligen Heimatverlusts deutlich. Sortiert man die zahlreich hier zu berücksichtigenden Primärtexte nach der Sprache des Originals, so stehen Übersetzungen aus dem Amerikanischen und dem Hebräischen zahlenmäßig vorne (siehe die im Anhang aufgeführten Werke). Dies verwundert nicht, da viele der Autoren und Autorinnen sich aufgrund ihrer Erfahrungen verständlicherweise weigerten, die deutsche Sprache zu benutzen. Hinzu kommt die Tatsache, dass eine Auswanderung in europäische Länder (mit Ausnahme Schwedens) wegen der Eroberungspolitik und anschließender „Säuberungsaktionen“ der Nazis wie gesagt nicht erfolgreich verlaufen konnte, was sich so niederschlug, dass vor allem Nordamerika und Palästina als sichere Zielorte in Frage kamen. Der Aufbruch der jüdischen Emigranten, ihre Flucht geschahen nicht freiwillig. Ihre Perspektive richtete sich zunächst nicht in die Zukunft,...

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