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Heimatverlust in historischen und zeitgeschichtlichen Jugendromanen der Gegenwart über Auswanderung, Flucht und Vertreibung

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Sibylle Nagel

In historischen und zeitgeschichtlichen Jugendromanen über Auswanderung, Flucht und Vertreibung, soweit in den letzten Jahren erschienen, spielt das Thema des Heimatverlustes eine zentrale Rolle. Es geht in diesen Texten allerdings um mehr als nur den äußeren Vorgang des Reisens oder der Migration; sie lassen sich auch als verkappte Schilderungen eines inneren Vorgangs, einer psychischen Entwicklung lesen. Sie handeln nicht zuletzt auch vom Verlassen der Kindheit, von der Bewältigung der Adoleszenz und von der Erreichung bzw. der Verfehlung eines reifen Erwachsenenstatus. Wir haben es in gewissem Ausmaß stets auch mit psychologischen, mit Entwicklungsromanen zu tun. Der wie immer sentimental aufgeladene Rückblick auf die Heimat gilt im Grunde genommen der verlorenen Kindheit. Die Arbeit deckt einen Mechanismus der doppelten Bedeutung auf, der für viele andere Jugendromane charakteristisch ist, die auf den ersten Blick frei von aller (Entwicklungs-)Psychologie sind.
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7. Vertreibung und Flucht der deutschen Bevölkerung ab 1945

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Viele Texte zu Exil, Flucht und Vertreibung sind erst spät anlässlich der Jahrestage des Kriegsendes 1945 entstanden und erschienen. Es handelt sich überwiegend um Romane für Jugendliche, die in einer intergenerationellen Kommunikationssituation anzusiedeln und in das Korpus der so genannten Erinnerungsliteratur (siehe hierzu Erll 2005) einzuordnen sind. Diese befassen sich – häufig rückblickend erzählt – mit der Flucht und Vertreibung der Deutschen aus den ehemaligen Ostgebieten und Landschaften Ostpreußen, Pommern, Schlesien, Böhmen und Mähren, die heute u. a. zu Polen oder Tschechien gehören. Motive der Irrfahrt – gepaart mit Hunger, Kälte, Tod und Verlust der Eltern oder Kinder – stehen im Vordergrund. Der Verlust der Heimat wiegt schwer, die neue Heimat will erobert werden, was häufig genug misslingt. Inwieweit die historischen Bedingungen realistisch umgesetzt werden, soll, was die fiktionalen Erzählungen betrifft, auch hier wiederum allenfalls am Rande interessieren. Autobiografien, an die diese spezifische Fragestellung in größerem Maße heranzutragen wäre, werden hier nicht betrachtet werden. Zur Vertiefung der Thematik sowohl der Kriegskindheit und deren Langzeitfolgen als auch der besonderen intergenerationellen Kommunikationssituation sei verwiesen auf Veröffentlichungen, die in der Folge eines 2005 an der Universität Frankfurt stattgefundenen, interdisziplinären Kongresses entstanden sind (Kongress Die Generation der Kriegskinder und ihre Botschaft für Europa sechzig Jahre nach Kriegsende: Unsere Kinder und Enkel sollen in Frieden zusammenleben, von 14. bis 16. April 2005) entstanden sind, darunter Ewers u. a. 2006, Fooken u. a. 2007, Radebold u. a. 2006.

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