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Heimatverlust in historischen und zeitgeschichtlichen Jugendromanen der Gegenwart über Auswanderung, Flucht und Vertreibung

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Sibylle Nagel

In historischen und zeitgeschichtlichen Jugendromanen über Auswanderung, Flucht und Vertreibung, soweit in den letzten Jahren erschienen, spielt das Thema des Heimatverlustes eine zentrale Rolle. Es geht in diesen Texten allerdings um mehr als nur den äußeren Vorgang des Reisens oder der Migration; sie lassen sich auch als verkappte Schilderungen eines inneren Vorgangs, einer psychischen Entwicklung lesen. Sie handeln nicht zuletzt auch vom Verlassen der Kindheit, von der Bewältigung der Adoleszenz und von der Erreichung bzw. der Verfehlung eines reifen Erwachsenenstatus. Wir haben es in gewissem Ausmaß stets auch mit psychologischen, mit Entwicklungsromanen zu tun. Der wie immer sentimental aufgeladene Rückblick auf die Heimat gilt im Grunde genommen der verlorenen Kindheit. Die Arbeit deckt einen Mechanismus der doppelten Bedeutung auf, der für viele andere Jugendromane charakteristisch ist, die auf den ersten Blick frei von aller (Entwicklungs-)Psychologie sind.
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8. Heimatmotive in jugendliterarischen Werken

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In Kapitel 4 wurde hervorgehoben, dass bisherige Studien über Auswanderung, Emigration, Flucht und Vertreibung gefordert haben, in der Kinder- und Jugendliteratur mit historischen Stoffen der Migration solle möglichst realitätsnah dargestellt werden, wie ein jugendlicher Protagonist seine gewohnte Heimat und Umgebung verlassen muss, sich auf eine ungewisse Reise begibt, um am Ende an einem Ort, an dem er zukünftig leben wird, anzukommen. Die hier besprochenen Werke werden diesem Anspruch durchaus gerecht: Diverse historische Stoffe werden nicht nur differenziert ausgestaltet, sondern auch Reiseverläufe sind der Realität angenähert und nachvollziehbar dargestellt. Zeitlich und räumlich in der Abfolge nachvollziehbar, werden Szenarien und Reisestadien entwickelt, die die jugendlichen Protagonisten, gleich welchen Geschlechtes, durchlaufen. Zunächst kann daher als Nebenergebnis der Analysen festgehalten werden, dass alle besprochenen Werke bei abweichender individueller Akzentuierung und erzählerischer Gestaltung hinsichtlich des historischen bzw. zeitgeschichtlichen Stoffs auch eine aufzeichnende Funktion besitzen und dabei weitgehend korrekt bleiben. Autoren von Jugendliteratur bedienten sich offenkundig vorliegender geschichtswissenschaftlicher Studien, um Erzählungen lebens- und realitätsnah zu gestalten. Insbesondere Werke, die sich mit Stoffen der Mitte des 19. Jahrhunderts befassen, richten ein Augenmerk auf soziale und ökonomische Aspekte des Auswanderungsprozesses; und jene, die Flucht und Vertreibungen im 20. Jahrhundert behandeln, sind einer aufklärenden, antifaschistischen Haltung verpflichtet. Politische und soziale Probleme werden deutlich herausgearbeitet. Doch soll es hier, wie eingangs bereits erläutert, darum nicht vorrangig gehen. Getreu der Absicht der vorliegenden Arbeit, sich dem bisherigen Diskurs der Kinder- und Jugendliteraturwissenschaft nicht anzuschließen und sich der...

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