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Heimatverlust in historischen und zeitgeschichtlichen Jugendromanen der Gegenwart über Auswanderung, Flucht und Vertreibung

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Sibylle Nagel

In historischen und zeitgeschichtlichen Jugendromanen über Auswanderung, Flucht und Vertreibung, soweit in den letzten Jahren erschienen, spielt das Thema des Heimatverlustes eine zentrale Rolle. Es geht in diesen Texten allerdings um mehr als nur den äußeren Vorgang des Reisens oder der Migration; sie lassen sich auch als verkappte Schilderungen eines inneren Vorgangs, einer psychischen Entwicklung lesen. Sie handeln nicht zuletzt auch vom Verlassen der Kindheit, von der Bewältigung der Adoleszenz und von der Erreichung bzw. der Verfehlung eines reifen Erwachsenenstatus. Wir haben es in gewissem Ausmaß stets auch mit psychologischen, mit Entwicklungsromanen zu tun. Der wie immer sentimental aufgeladene Rückblick auf die Heimat gilt im Grunde genommen der verlorenen Kindheit. Die Arbeit deckt einen Mechanismus der doppelten Bedeutung auf, der für viele andere Jugendromane charakteristisch ist, die auf den ersten Blick frei von aller (Entwicklungs-)Psychologie sind.
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10. Die Reise zum Ich: Adoleszenz zwischen Heimatverlust und Heimatgewinn

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Die bisherigen Auswertungen haben bestätigt, dass die in der These vermutete Übereinstimmung der Reiseabschnitte a), b) und c) mit Kindheit, Adoleszenz und Erwachsenenalter vorliegt (vgl. Kapitel 9). Sie haben bislang jedoch nicht bewiesen, dass entwicklungspsychologische Aspekte und die Darstellung der adoleszenten Lebensphase im Hauptinteresse der Autoren stehen. Wenn davon ausgegangen werden soll, dass Motive des Heimatverlusts neben der ersten, greifbaren, Geschichte darstellenden Ebene eine zweite, entwicklungspsychologische Bedeutungsebene gewinnen, sind weitere Fragen zu stellen: Durch welche Prozesse wird Adoleszenz auf der Erzählebene gekennzeichnet? Welche Bezüge werden evtl. ausgelassen, und auf welche Weise kann der Leser den Zusammenhang zwischen Reise und Adoleszenz herstellen? Inwieweit sind psychologische Aspekte vorhanden? Werden explizit Betrachtungen eingeführt, die entwicklungspsychologische Assoziationen auslösen und die diese Thematik dem Leser näher bringen? In welcher Weise findet dies statt? Sind Schwerpunkte gesetzt und die zu erwartende physische, psychische und kognitive wie soziale Entwicklung berücksichtigt worden? Das folgende Kapitel prüft diese Fragen und lenkt den Blick auf die Migrationsphase b), die eigentliche „Reise“ und deren Beginn und Ende – nämlich die Phase, die zeitlich mit der Adoleszenz der Figuren zusammenfällt.

Angesichts des Vorhabens, die Gemeinsamkeiten der Texte hinsichtlich der Darstellung einschlägiger entwicklungspsychologischer Aspekte herauszuarbeiten, werden in der Folge kursorisch auch Modelle und Theorien aus anderen Feldern (bspw. Psychologie) einbezogen werden müssen, ohne jedoch damit die Absicht eines Vergleichs zu verbinden oder die Bewertung hinsichtlich deren literarischer Umsetzung in den Mittelpunkt zu rücken. Dass es sich hierbei nicht um...

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