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Transnationale Produktentwicklungsprozesse in multinationalen Unternehmen

Institutionelle, macht- und organisationstheoretische Einflussfaktoren

Sinje Späth

Die Innovationsfähigkeit von multinationalen Unternehmen basiert zunehmend auf der Vernetzung von Niederlassungen in führenden Fertigungsregionen, Wachstumsmärkten und technologischen Clustern. Mitarbeiter nehmen die Dezentralisierung von Entwicklungskompetenzen jedoch eher mit Resignation als Begeisterung hin. Autonomiebestrebungen, heterogene Arbeits- und Wissensstrukturen und verschiedene soziokulturelle Hintergründe führen zu Konflikten zwischen verteilten Managern und Entwicklern. Diese Studie erklärt die institutionellen, macht- und organisationstheoretischen Ursachen hinter Konflikten in Transnationalisierungsprozessen. Drei Fallstudien geben einen spannenden Einblick in die strategische Aushandlung und operative Umsetzung transnationaler Produktentwicklungsprojekte.
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4 Strukturationstheoretischer Forschungsrahmen: Verbindung der institutionellen und machttheoretischen Perspektive

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Wie in Kapitel 3 dargestellt wurde, werden die Hürden der Wissensintegration zwischen Unternehmenseinheiten in heterogenen institutionellen Kontexten aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert. Autonomiebestrebungen von Niederlassungen in technologisch führenden Regionen, heterogene Arbeits- und Wissensstrukturen, die räumliche Entfernung und der fehlende geteilte sozio-kulturelle Hintergrund der Akteure gelten als Gründe für die Schwierigkeiten transnationaler Innovationsprozesse. Aufgrund der räumlichen Entkopplung von Kernkompetenzzentren, führenden Wachstumsmärkten, kostengünstigen Zuliefer- und Produktionsstandorten und innovativen Forschungs- und Entwicklungsclustern beteiligen sich MNU jedoch trotz dieser Hürden an verteilten Innovationsprozessen (Chiesa 1996; Gerybadze und Reger 1999; Chiesa 2000; Gerybadze 2005). Die kontingenzorientierte Managementforschung geht daher davon aus, dass Produkte zunehmend nicht mehr isoliert in einem führenden Marketing-, Produktions- und Entwicklungszentrum entwickelt und anschließend an weltweite Produktions- und Marketing-Satelliten transferiert werden, sondern dass die Ressourcen und Fähigkeiten verschiedener Unternehmenseinheiten – des Hauptsitzes im Heimatland und weiterer Niederlassungen – bereits im Innovationsprozess verbunden werden (Ghoshal und Bartlett 1988; Bartlett und Ghoshal 1990, siehe auch Kapitel 2.2). In dieser Arbeit wurde diese Transnationalisierungsthese aufgegriffen und Transnationalisierung als „Rekonfiguration von Sinn- und Erwartungsgrenzen“ zwischen weltweit verteilten Unternehmenseinheiten definiert (Mense-Petermann 2006b: 69). Die Etablierung grenzüberschreitend anschlussfähiger Erwartungsstrukturen stellt die Voraussetzung dafür dar, dass individuelle und kollektive Akteure kompetent interagieren, an die Kompetenzen des jeweils anderen anschließen und gemeinsam Projekte zum Abschluss bringen können (Sydow 2003). Ob sich in MNU tatsächlich anschlussfähige Strukturen der Wissensintegration herausbilden ist jedoch umstritten.

Aus machttheoretischer Perspektive ist die Steuerungsfunktion der...

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