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Transkulturelles Lernen

Literarisch-pädagogische Ansätze

Nadjib I. Sadikou

Die gegenwärtige verstärkte Migrationsdynamik sowie die damit einhergehende Diversifizierung der Weltgesellschaft statuieren eines: Unsere Lebenswelten sind so vielfältig wie nie zuvor geworden. In dieser Hinsicht werden Begriffe wie Integration, Inklusion oder Wertewandel besonders insistent gefordert. Aufgrund dessen hat der Diskurs über transkulturelles Lernen nicht nur eine wissenschaftliche Relevanz, sondern vordergründig auch eine gesellschaftspolitische. Das Buch analysiert die Inszenierung transkultureller bzw. transreligiöser Zusammenhänge in literarischen Texten und beleuchtet ihr pädagogisches Potential.
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Kapitel II: Krise der Wahrnehmung – Ambivalenz von Werten

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Kapitel II:  Krise der Wahrnehmung – Ambivalenz von Werten

„Wie real sind Werte? […] Wann kommt es zu Konflikten zwischen Moral und Bräuchen? Kann man Kultur ‚besitzen‘? […] Ich hoffe, am Ende wird es schwerer fallen, sich vorzustellen, die Welt sei getrennt in den Westen und den Rest, in lokal gebundene und moderne Menschen, in eine blutleere Ethik des Profits und eine lebendige Ethik der Identität, in ‚uns‘ und ‚die anderen‘“62

Zunächst wollen wir der Frage nachgehen, warum die hier anvisierte Wertedebatte einen wichtigen Beitrag zum transkulturellen Lernen leistet. Wenn von Werten die Rede ist, dann ist immer Vorsicht geboten. Denn Werte wie Solidarität, Lebensschutz, Menschenwürde, Menschenrechte und Toleranz können uns unzertrennlich verbinden, aber auch unverrückbar trennen, weil deren Modellierung, deren In-Praxis-Setzung je nach Kontext, Region, Volksgruppen oder Regierungen unterschiedlich aufgefasst werden. Insofern sind Werte nicht forciert vermittelbare Elemente, sondern sollten stets ausgehandelt und verhandelt werden. Gerade in dieser Grunddisposition als aus- und verhandelbare Elemente sind Werte konstitutiv für ein transkulturelles Lernen. Sie bieten uns, wenn sie nicht essentialistisch aufgefasst sind, ideale Voraussetzungen dafür, zu Erkenntnissen über Bräuche und Traditionen anderer Kulturen zu gelangen.

In systemtheoretischer Hinsicht lässt sich diese Verhandelbarkeit bzw. Unschärfe von Werten damit demonstrieren, dass sie den Menschen die Fähigkeit geben, das Gemeinsame zu bezeichnen, ohne ihnen eine allgemeingültige Handlungsorientierung, ohne eindeutige Handlungskriterien zu verordnen.63 So betrachtet sind Werte, vor allem diejenigen, die einen starken Bezug zum Subjekt haben...

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