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Die rhetorische Architektur erstinstanzlicher Strafentscheidungen

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Lewis Atholl Johnston

Das Buch betont die Bedeutung der Rhetorik für die Rechtsprechung und zeigt auf, dass sich die in juristischen Entscheidungen verwendete Argumentationsweise enthymematisch, also mittels rhetorischer Schlüsse, vollzieht. Früheren Studien zufolge sind in zahlreichen verfassungs- und verwaltungsgerichtlichen Entscheidungen neben dem den Verstand ansprechenden Logos das emotive Pathos und das sozialcharakterliche Ethos vorhanden. Der Autor unterzieht amtsgerichtliche Strafentscheidungen einer rhetorischen Analyse, um aufzudecken, dass auch Strafrichter alle Wirkmittel der Rhetorik kunstvoll einzusetzen verstehen. Er kategorisiert und visualisiert die Argumentation der Entscheidungen und untersucht das Verhältnis von Logos und Pathos, um zu ermitteln, ob sich zuvor beobachtete Zusammenhänge zwischen diesen beiden rhetorischen Aspekten auch für die Strafgerichtsbarkeit bestätigen lassen.
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A. Einführung

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A.  Einführung

„Rem tene, verba sequentur.“ (Behalte die Sache im Blick, die Worte werden folgen.)

— MARCUS PORCIUS CATO

Diese Analyse ist nicht der Anfang der rhetorischen Entscheidungsanalyse. Schon zu Beginn der Neunziger Jahre führte Katharina Gräfin von Schlieffen mit einer Schar von Helfern ein Projekt zur Erforschung der rhetorischen Zusammensetzung von Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts und journalistischer Vergleichstexte durch1. Bald darauf, zu Beginn der 2000er Jahre, folgten mit Unterstützung der VW-Stiftung Analysen zahlreicher Verwaltungsgerichtsentscheidungen2. Inzwischen ist das Forschungsfeld auf Entscheidungen des Bundesgerichtshofs3 und des Bundesfinanzhofs4 ausgeweitet.

Bis heute werden die meisten Juristen auf die Frage, wie sie juristische Erkenntnis gewönnen, in etwa antworten: „durch Subsumtion des Lebenssachverhalts unter eine Gesetzesnorm“ oder „streng logisch“ oder „zwingend deduktiv“. Dass dies so nicht der Fall ist, sondern dass ein Gutteil juristischer Praxisarbeit von Rhetorik geprägt ist, soll Leitgedanke und Hauptthese dieser Arbeit sein.

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