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Die rhetorische Architektur erstinstanzlicher Strafentscheidungen

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Lewis Atholl Johnston

Das Buch betont die Bedeutung der Rhetorik für die Rechtsprechung und zeigt auf, dass sich die in juristischen Entscheidungen verwendete Argumentationsweise enthymematisch, also mittels rhetorischer Schlüsse, vollzieht. Früheren Studien zufolge sind in zahlreichen verfassungs- und verwaltungsgerichtlichen Entscheidungen neben dem den Verstand ansprechenden Logos das emotive Pathos und das sozialcharakterliche Ethos vorhanden. Der Autor unterzieht amtsgerichtliche Strafentscheidungen einer rhetorischen Analyse, um aufzudecken, dass auch Strafrichter alle Wirkmittel der Rhetorik kunstvoll einzusetzen verstehen. Er kategorisiert und visualisiert die Argumentation der Entscheidungen und untersucht das Verhältnis von Logos und Pathos, um zu ermitteln, ob sich zuvor beobachtete Zusammenhänge zwischen diesen beiden rhetorischen Aspekten auch für die Strafgerichtsbarkeit bestätigen lassen.
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B. Zielsetzung der Arbeit

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B.  Zielsetzung der Arbeit

Wie einige Arbeiten zuvor in anderen Rechtsgebieten will sich die vorliegende Schrift kritisch mit diesem Fragenkreis „Rhetorik und Recht“ auseinandersetzen und die hartnäckige These, das Recht, speziell die Rechtsprechung, sei frei von oder jedenfalls arm an Rhetorik14, widerlegen oder zumindest erschüttern. Spezifisch stellen sich für die Analyse von strafgerichtlichen Urteils- und Beschlusstexten die folgenden Leitfragen für die Untersuchung:

Diese Fragestellungen erwachsen aus den zuvor geführten Untersuchungen verfassungs- und verwaltungsgerichtlicher Urteile und dem Ansatz der Rhetorischen Rechtstheorie, in Sonderheit den Untersuchungen von Schlieffen zum Rhetorischen Seismogramm15 und zum Enthymem16. Dabei kann es nicht realistische Zielsetzung dieser Arbeit sein, statistisch belastbare Untersuchungsergebnisse17 ← 13 | 14 → zur wenigstens einigermaßen sicheren Beantwortung dieser Fragen zu liefern – allein die Zahl der untersuchten Texte müsste sich dafür mindestens oberhalb der dreistelligen Grenze bewegen; vielmehr soll die empirische Untersuchung einiger strafrechtlicher Texte jedenfalls solche Ergebnisse liefern, die Anlass und Rechtfertigung für weitere Untersuchungen in dieselbe Richtung geben könnten. Insofern sollen die Resultate immerhin indiziell wirken. Bevor aber der empirische Teil der Arbeit beginnen kann, müssen nunmehr die Grundsteine der Untersuchung gelegt werden. Wiewohl jedoch eine vollständige Beleuchtung der Genese des genannten rhetorischen Ansatzes den vorgegebenen Rahmen der Arbeit sicherlich strapazieren würde, ist es m. E. unerlässlich, die Silhouette der Rhetorischen Rechtstheorie im Folgenden zumindest in ihren Grundzügen nachzuzeichnen. ← 14 | 15 →

                                                   

14  Vgl. hierzu etwa den „Sine-ira-et-studio“-Hinweis von Meyer-Goßner und...

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