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Die rhetorische Architektur erstinstanzlicher Strafentscheidungen

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Lewis Atholl Johnston

Das Buch betont die Bedeutung der Rhetorik für die Rechtsprechung und zeigt auf, dass sich die in juristischen Entscheidungen verwendete Argumentationsweise enthymematisch, also mittels rhetorischer Schlüsse, vollzieht. Früheren Studien zufolge sind in zahlreichen verfassungs- und verwaltungsgerichtlichen Entscheidungen neben dem den Verstand ansprechenden Logos das emotive Pathos und das sozialcharakterliche Ethos vorhanden. Der Autor unterzieht amtsgerichtliche Strafentscheidungen einer rhetorischen Analyse, um aufzudecken, dass auch Strafrichter alle Wirkmittel der Rhetorik kunstvoll einzusetzen verstehen. Er kategorisiert und visualisiert die Argumentation der Entscheidungen und untersucht das Verhältnis von Logos und Pathos, um zu ermitteln, ob sich zuvor beobachtete Zusammenhänge zwischen diesen beiden rhetorischen Aspekten auch für die Strafgerichtsbarkeit bestätigen lassen.
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F. Erkenntnisse über die Darstellung des Herstellungsprozesses von erstinstanzlichen strafrechtlichen Entscheidungen

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F.   Erkenntnisse über die Darstellung des Herstellungsprozesses von erstinstanzlichen strafrechtlichen Entscheidungen

„Quidquid praecipies, esto brevis.“ (Was auch immer du lehren wirst, fasse dich kurz.)

— QUINTUS HORATIUS FLACCUS (HORAZ)

Zu Beginn dieser Analyse wurden Fragen in den Raum gestellt, die der Verfasser mit dieser Untersuchung beantwortet zu haben hofft.

Die erste Frage betraf das Maß, in dem rhetorische Wirkmittel in Entscheidungstexten überhaupt eingesetzt werden. Die nunmehr vorliegenden Zahlen zeigen, dass die rhetorischen Wirkmittel des Logos, des Pathos und des Ethos einen angestammten Platz in juristischen Entscheidungstexten zu haben scheinen, wobei die errechneten Anteile keine quantitative Aussage ermöglichen, da die drei Wirkmittel grundsätzlich wesensverschieden sind und sich kaum ein echter Vergleich anstellen lässt, wenn man die Wirkmittel weiter auf die Anzahl der Wörter bezieht. Wörter sind eine sinnvolle mathematische Maßeinheit, aus linguistischer Sicht wäre es beim Pathos sicherlich sinnvoller, wenngleich ungleich komplexer, in Figurenwirkspektren zu rechnen, um dem Unterschied von Figuren und Tropen gerecht zu werden. Andererseits müsste für eine Logosanalyse in Teilsätzen gerechnet werden, aus denen die Stützen hervorgehen. Ein solches Unterfangen setzt allerdings weitere Jahre der interdisziplinären Forschung voraus, auf die zum Zeitpunkt der Fertigstellung dieser Arbeit nicht zurückgegriffen werden konnte. Bei der Beziehung auf den durch seine Wortanzahl definierten Satz als Einheit ließ sich über fünf Entscheidungen ein mittlerer Figurenanteilsdurchschnitt von 146,30 (durchschnittlich 11 Figuren pro Satz) ermitteln, dem ein Logosanteil von 106,99 (durchschnittlich 1,...

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