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Kirche nach Auschwitz zwischen Theologie und Vergangenheitspolitik

Die Auseinandersetzung der evangelischen Kirchen beider deutscher Staaten mit der Judenvernichtung im «Dritten Reich» im politisch-gesellschaftlichen Kontext

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Tetyana Pavlush

In ihrem Buch zeichnet Tetyana Pavlush den Wandel der Holocaust-Reflexion in den evangelischen Kirchen in der Bundesrepublik und in der DDR. Zentral sind Fragen nach dem Anteil der Kirchen am gesamtgesellschaftlichen Lernprozess hinsichtlich des Holocaust und nach der Auswirkung der offiziellen Vergangenheitspolitik auf die kirchliche Erinnerung. Durch vergleichende Analyse der öffentlichen Kontroversen und Gedenktage erfasst die Autorin die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den kirchlichen Diskussionen auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze im engen Zusammenhang mit den politisch-gesellschaftlichen Faktoren. Die Auswertung der Stellungnahmen der Amtskirchen sowie der Arbeitsergebnisse von Kirchentagen und evangelischer Presse ergibt ein differenziertes und dynamisches Bild der kirchlichen Erinnerungsarbeit zwischen dem Ende der NS-Zeit und der Wiedervereinigung.
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1. Einleitung: Forschungsfragen, -gegenstände, -kontexte und komparative Herangehensweise

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1.  Einleitung: Forschungsfragen, -gegenstände, -kontexte und komparative Herangehensweise

Während meiner Arbeit an dem Expose zum vorliegenden Dissertationsprojekt im Jahr 2006 absolvierte ich ein Praktikum in der Ev. – Luth. Versöhnungskirchgemeinde Leipzig – Gohlis. Der Gemeindepfarrer bat mich damals um eine kurze Vorstellungsrede beim Sonntagsgottesdienst. Als ich dabei den Titel meiner Doktorarbeit nannte, ging ein kollektiver Seufzer durch die Gemeinde. Es war ein Seufzer der Verärgerung und Ermüdung, ein Ausdruck der „negativen“ Sensibilität vieler Deutscher gegenüber ihrer Vergangenheit, die spontane Reaktion einer deutschen Kirchengemeinde auf die Begriffe „Nazi-Zeit“ und „Holocaust“. Zugleich schwang in dieser Reaktion Befremden über die Tatsache mit, dass sich eine Nicht-Deutsche an ein so „deutsches“ Thema heranwagte. Ein Jahr später stieß wiederum dieselbe Information in der orthodoxen ukrainischen Kirchengemeinde in der Stadt Rivne auf ratloses Schweigen, aus dem sich mangelndes Wissen über den Holocaust, zugleich aber ein ausgeprägtes Misstrauen gegenüber dieser „deutsch-jüdischen“ Angelegenheit heraushören ließ. Auch später wurde ich sowohl in Deutschland als auch in der Ukraine mehrmals danach gefragt, wie ich auf dieses diffizile Thema gekommen sei. Dadurch war ich immer wieder gezwungen, meinen Bezug zur behandelten Thematik zu reflektieren.

In der UdSSR geboren und in der post-sowjetischen Ukraine aufgewachsen kann ich mich nur an eine einzelne flüchtige Erwähnung des Völkermordes an den Juden im Geschichtsunterricht erinnern. Erst viel später und auf eigene Initiative erfuhr ich die tragische Geschichte der jüdischen Bevölkerung meiner Heimatstadt Rivne, welche...

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