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Imaginationen des Endes

Series:

Aneta Jachimowicz, Alina Kuzborska and Dirk H. Steinhoff

Das Ende als eine anthropologische Kategorie und Anschauungsform prägte schon immer die kulturellen Diskurse. Der Band versammelt Beiträge über die verschiedensten Imaginationen des Endes, begonnen mit den Untergangsvisionen der altorientalischen Welt und der Offenbarung des Johannes über die mittelalterlichen Apokalypsen und messianischen Konzepte bis hin zu den Untergangsvorstellungen der Moderne (etwa vom Ende der Geschichte) und den postapokalyptischen Narrationen. Das Ende wird nur selten als ein absolutes aufgefasst. Zumeist soll es zu einem Neuanfang führen, auch wenn sich dieser als Leere erweisen sollte.
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Die existenziellen Grundlagen apokalyptischer Visionen

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Es gibt keine Epoche, in der sich die Menschen nicht auch vor einem raschen Ende ihrer Existenz gefürchtet hätten. In unser Leben ist das Sein zum Tode nun einmal eingeschrieben. Zu dieser Erkenntnis war ein Martin Heidegger nicht vonnöten. Bemerkenswert ist allerdings, dass die Apokalypse in keiner Überlieferung das wirkliche Ende der Menschheit bedeutet.1 Man denkt sofort an die Sintflut, die nicht mit dem gänzlichen Untergang endet. Es gibt die Überlebenden Noah, seine Frau, seine drei Söhne und drei Schwiegertöchter sowie von jeder Tiergattung ein Paar, um deren Fortbestand zu garantieren.

Geht man auf frühere Überlieferungen zurück, erkennt man, wie ich meine, den tieferen Sinn einer solchen Vision. Im Atrachasis-Epos aus dem 17. Jahrhundert v. u. Zt. war die Götterwelt gespalten in diejenigen, die nicht arbeiten mussten, und diejenigen, für die sie zu schuften hatten, damit jene ein sattes Leben leben konnten. Es kommt zu einem Aufstand, der den Hauptgott, den Anführer der verwöhnten Götter, Enlil, verzweifeln lassen. Sein Palast ist umstellt. Er möchte mit den Aufständischen verhandeln. Sein Bote Nusku soll mit ihnen sprechen, doch dieser kehrt unverrichteter Dinge zurück. Als er das Schicksal der Arbeitenden schildert, beginnt Enlil zu weinen. Es scheint keinen Ausweg zu geben. Die Muttergöttin wird gerufen, die den Rat gibt, Menschen zu schaffen. Sie weiß auch, wie dies machbar ist. Ohne Opfer ist es allerdings nicht möglich. Einer der Götter muss...

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