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Imaginationen des Endes

Series:

Aneta Jachimowicz, Alina Kuzborska and Dirk H. Steinhoff

Das Ende als eine anthropologische Kategorie und Anschauungsform prägte schon immer die kulturellen Diskurse. Der Band versammelt Beiträge über die verschiedensten Imaginationen des Endes, begonnen mit den Untergangsvisionen der altorientalischen Welt und der Offenbarung des Johannes über die mittelalterlichen Apokalypsen und messianischen Konzepte bis hin zu den Untergangsvorstellungen der Moderne (etwa vom Ende der Geschichte) und den postapokalyptischen Narrationen. Das Ende wird nur selten als ein absolutes aufgefasst. Zumeist soll es zu einem Neuanfang führen, auch wenn sich dieser als Leere erweisen sollte.
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Der Untergang vor dem Weltuntergang. Über einige Frühwerke Ricarda Huchs

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Aus aktuellem Anlass der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ließ Ricarda Huch ihren Weltuntergang in der exklusiven Wiener Zeitschrift Ver Sacrum 1899 vorabdrucken. Im gleichen Jahr gab sie ihn zusammen mit drei anderen kleinen Erzählwerken in dem Band Fra Celeste in Leipzig heraus.2 Es war schon eine witzige Idee, einen angesagten Weltuntergang als Thema aufzugreifen und gegen die falschen Bekehrer zur Fehde zu ziehen, sowohl gegen solche aus vergangenen wie auch aus neueren Zeiten. Ricarda Huch versetzt nämlich in ihrer Erzählung den Gang des Geschehens in die Zeit um 1600, denkt aber selbstredend an die Gegenwart. Sie brauchte die Prophetie vom Weltende, welche die Vorstellungen vom Jüngsten Gericht lebendig werden lässt und das menschliche Gewissen wachrüttelt, als Einstieg in die Erzählung, in der sie ihre ganze Aufmerksamkeit auf die panikartigen Reaktionen einer Menschengemeinschaft lenkt, die den Termin des Untergangs erfährt.

Die Geschichte, welche spöttisch zu sein verspricht, endet ziemlich trostlos. Sie lässt einen mit dem Gefühl zurück, als wäre die Menschheit völlig verwirrt und wüsste nichts mehr von einem rechten Weg fürs Leben. So wie diese ist, ist auch sie selbst verloren, wenngleich von keinem Weltuntergang betroffen.

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