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Imaginationen des Endes

Series:

Aneta Jachimowicz, Alina Kuzborska and Dirk H. Steinhoff

Das Ende als eine anthropologische Kategorie und Anschauungsform prägte schon immer die kulturellen Diskurse. Der Band versammelt Beiträge über die verschiedensten Imaginationen des Endes, begonnen mit den Untergangsvisionen der altorientalischen Welt und der Offenbarung des Johannes über die mittelalterlichen Apokalypsen und messianischen Konzepte bis hin zu den Untergangsvorstellungen der Moderne (etwa vom Ende der Geschichte) und den postapokalyptischen Narrationen. Das Ende wird nur selten als ein absolutes aufgefasst. Zumeist soll es zu einem Neuanfang führen, auch wenn sich dieser als Leere erweisen sollte.
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Literarischer Neubeginn: Prußen als Topos

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Wo die Geschichte endet, beginnt die Literatur. Wie bekannt, wurden die baltischen Stämme, die unter dem Oberbegriff „Prußen“ den Namen gemacht haben, bereits im 13. Jahrhundert vom Deutschen Orden unterworfen und kolonisiert. Die verheerenden Kriege unter dem Vorwand der Christianisierung der letzten Heiden des mittelalterlichen Europas sowie die spätere Kolonisationspolitik des Deutschen Ordensstaates führten zur völligen Assimilation der Prußen. Die prußische Sprache wurde noch einige Zeit von den einheimischen Bauern gesprochen, sie war jedoch bereits in der frühen Neuzeit – ohne schriftlich fixierte Grundlagen – zum Verstummen verurteilt. Die spärlichen Zeugnisse der geschriebenen prußischen Sprache: das Elbinger Vokabular mit 802 Wörtern, das Anfang des 15. Jahrhunderts registriert worden war, sowie drei Fassungen der Übersetzung des Lutherischen Katechismus Mitte des 16. Jahrhunderts ließen die späteren Linguisten und Baltisten die Grammatik und Etymologie der getilgten Sprache rekonstruieren. Die eifrigsten Kenner des Prußischen sind die Litauer, die aufgrund Sprachverwandtschaft das gesamte „baltische“ Erbe übernommen haben.1

Die zentrale Fragestellung des Beitrags betrifft die postkolonialen Konfigurationen des Prußen-Gedächtnisses – als literarischer Topos und transnationales Erinnerungsbild in der deutschen, polnischen und litauischen Literatur ← 155 | 156 →und Kultur. Diese transnationale Perspektive basiert auf einer modernen Gedächtnisforschung, wobei die Kultur der Prußen in einen interkulturellen Text zusammenfließt, der verschiedenartig konfigurierbar ist. Das symbolische Erinnerungsbild der Prußen ist ein Gedächtniskonstrukt, das aus zwei theoretischen Perspektiven erläutert werden sollte. Einerseits waren die Ordenschroniken die ersten Zeugnisse des...

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