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Imaginationen des Endes

Series:

Aneta Jachimowicz, Alina Kuzborska and Dirk H. Steinhoff

Das Ende als eine anthropologische Kategorie und Anschauungsform prägte schon immer die kulturellen Diskurse. Der Band versammelt Beiträge über die verschiedensten Imaginationen des Endes, begonnen mit den Untergangsvisionen der altorientalischen Welt und der Offenbarung des Johannes über die mittelalterlichen Apokalypsen und messianischen Konzepte bis hin zu den Untergangsvorstellungen der Moderne (etwa vom Ende der Geschichte) und den postapokalyptischen Narrationen. Das Ende wird nur selten als ein absolutes aufgefasst. Zumeist soll es zu einem Neuanfang führen, auch wenn sich dieser als Leere erweisen sollte.
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Zwischen Sehnsucht und Verneinung: Intellektuelle und der Untergang

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1. Einführung

Der vorliegende Aufsatz widmet sich dem Verhältnis Intellektueller zu Untergangsszenarien. Dabei hebt er auf zwei gegenläufige Tendenzen ab: Zum einen sehnen viele Intellektuelle das Ende der Welt, wie sie besteht und eingerichtet ist, herbei. Sie zeigen eine Affinität zu Theorien, die (wenigstens) einen fundamentalen Umbruch prophezeien, und berufen sich dabei auf Vorstellungen, die dem jüdisch-christlichen Millenarismus (Chiliasmus, Messianismus) entstammen: Im vorletzten Jahrhundert verkündete der Marxismus das zwingende Ende der bürgerlichen, Wohlstand in Freiheit ermöglichenden Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung; im gegenwärtigen Säkulum erwartet eine große Anzahl Intellektueller eine katastrophale Veränderung des Klimas auf unserem ­Planeten – als Strafe für die ‚Sünden‘ der industriellen Gesellschaft. Zum anderen verneinen viele Intellektuelle das Bestehen einiger Probleme, die, wenn keiner sachbezogenen Diskussion zugänglich, sich soweit verschlimmern dürften, dass die freiheitsverbürgende Ordnung ‚westlicher‘ Staaten einschließlich ihrer kulturellen Grundlagen untergraben wird, etwa im Falle der pekuniären und moralischen Kosten des Sozialstaats oder der Einwanderungs- und Bildungspolitik. So liegt eine gewisse Ironie in der Empirie-Verweigerung vieler Intellektueller: Sie schafft oder verstärkt ebenjene Probleme, vor denen bien-pensants Augen und Ohren verschließen.

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