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Imaginationen des Endes

Series:

Aneta Jachimowicz, Alina Kuzborska and Dirk H. Steinhoff

Das Ende als eine anthropologische Kategorie und Anschauungsform prägte schon immer die kulturellen Diskurse. Der Band versammelt Beiträge über die verschiedensten Imaginationen des Endes, begonnen mit den Untergangsvisionen der altorientalischen Welt und der Offenbarung des Johannes über die mittelalterlichen Apokalypsen und messianischen Konzepte bis hin zu den Untergangsvorstellungen der Moderne (etwa vom Ende der Geschichte) und den postapokalyptischen Narrationen. Das Ende wird nur selten als ein absolutes aufgefasst. Zumeist soll es zu einem Neuanfang führen, auch wenn sich dieser als Leere erweisen sollte.
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Kein Ende. Zur Dialektik des Ende-Begriffs am Beispiel literarischer antiapokalyptischer Szenarios

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Der Begriff des Endes ist einer spezifischen Dialektik verpflichtet: Seine Verneinung auf einer semantischen Ebene zieht seine Bejahung auf einer anderen nach sich. So kommt der Wegfall einer tradierten Weltuntergangsvision dem Ende einer lange Zeit dominierenden apokalyptischen Großen Erzählung gleich.1 Übrigens war auch jene von derselben Suplementarität der Gegensätze betroffen. Schließlich sollte das Jüngste Gericht die Welt nicht völlig auslöschen, sondern den Auserwählten ein Dasein ohne Ende garantieren. Auch die säkulare Fassung der Endvision, wie sie von Fukuyamas inzwischen angeblich kompromittiertem Konzept vom Ende der Geschichte repräsentiert wird, mündet in die Vision einer Menschheit, die, weltweit die Vorteile der Marktwirtschaft und parlamentarischen Demokratie genießend, ein von keinen spektakulären Umbrüchen mehr angeschlagenes, also quasi endloses Dasein fristet.

Der vorliegende Beitrag wird sich mit Texten aus dem deutschsprachigen Raum beschäftigen, die programmatisch auf die Schilderung des Endes verzichten. Freilich wird es nicht um das Ende im Sinne der globalen Untergangsszenarios gehen: Um Deeskalationen der Endzeitstimmung in großem Maßstab ist es in der deutschsprachigen Literatur nicht ausgiebig bestellt.2 In deren ← 393 | 394 →­Ermangelung wenden wir uns also den Apokalypsen des Privatlebens zu.3 Wir werden die unterschiedlichen Varianten der Katastrophenverweigerung verzeichnen, ihre Auswirkung auf die Textstruktur untersuchen und nach ihrem kulturgeschichtlichen Kontext fragen.

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