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André Gide – Igor Strawinsky: "Perséphone"

Von der Idee zum vollendeten Werk bei Betrachtung der verschiedenen Denkweisen von Schriftsteller und Komponist

Andrea Hanft

In Perséphone vereinten zu Beginn der 1930er Jahre mit André Gide und Igor Strawinsky zwei der bedeutendsten Kunstschaffenden ihrer Zeit ihr Können. Diese Studie zielt daher – neben der Nachzeichnung der Entstehungsgeschichte – auf eine Gegenüberstellung der unterschiedlichen Charaktere, die Darstellung ihrer gedanklichen Nähe auf verschiedenen Ebenen sowie die Offenlegung der gegenseitigen Einflussnahme von Musik und Dichtung im Denken der Künstler. Wenn auch Théodore Strawinsky der Meinung war, dass die Zusammenarbeit seines Vaters mit Gide es nicht vermochte, zwei Naturen einander näherzubringen, «die ein Abgrund voneinander trennte», muss dennoch festgehalten werden, dass eine Übereinstimmung ihres Denkens in wesentlichen Punkten vorhanden ist.
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III. André Gide – Igor Strawinsky: Perséphone

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Gide war zu Beginn seiner schriftstellerischen Tätigkeit – siehe Le traité du Narcisse, Les cahiers d’André Walter – noch der Meinung, dass Kunstwerke nicht an aktuelle Geschehnisse gebunden werden dürften und den Charakter des Zeitlosen besitzen sollten. Selbst in seinem veröffentlichten Tagebuch, als solches gewöhnlich ein Ort zum Festhalten persönlicher Gedanken in chronologischer Reihenfolge, bleiben wichtige Ereignisse in seinem Leben, historische wie auch persönliche, weitgehend ausgespart. (Das Tagebuch wird inhaltlich von Gide von seinem Wesen als Spiegel der Zeit entbunden und damit zeitlos.) Auseinandersetzungen religiöser Natur stehen stattdessen bei Gide im Vordergrund. Er lehnt die Institution der Kirche mit ihren Geboten und Zwängen ab. Jedoch sind ihm das Evangelium und die Worte Christi heilig. Er selbst versteht sich als Christ. In Numquid et tu…? (1916 während einer Glaubenskrise entstanden) stellt Gide seine eigene, teilweise bereits seit Jahren gereifte Interpretation ausgewählter Bibelstellen dar. Eines wird deutlich: Für ihn ist das „ewige Leben“, von dem die Bibel spricht, nicht zukünftig, sondern im Jetzt zu finden. Damit wehrt er sich – wie auch die Kommunisten – gegen ein Heilsversprechen, das im Jenseits liegt.

Et nunc…

C’est dans l’éternité que dès à présent il faut vivre. Et c’est dès à présent qu’il faut vivre dans l’éternité.

Que m’importe la vie éternelle, sans la conscience à chaque instant de cette durée?

De même que Jésus disait: JE SUIS le chemin, JE suis la...

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