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André Gide – Igor Strawinsky: "Perséphone"

Von der Idee zum vollendeten Werk bei Betrachtung der verschiedenen Denkweisen von Schriftsteller und Komponist

Andrea Hanft

In Perséphone vereinten zu Beginn der 1930er Jahre mit André Gide und Igor Strawinsky zwei der bedeutendsten Kunstschaffenden ihrer Zeit ihr Können. Diese Studie zielt daher – neben der Nachzeichnung der Entstehungsgeschichte – auf eine Gegenüberstellung der unterschiedlichen Charaktere, die Darstellung ihrer gedanklichen Nähe auf verschiedenen Ebenen sowie die Offenlegung der gegenseitigen Einflussnahme von Musik und Dichtung im Denken der Künstler. Wenn auch Théodore Strawinsky der Meinung war, dass die Zusammenarbeit seines Vaters mit Gide es nicht vermochte, zwei Naturen einander näherzubringen, «die ein Abgrund voneinander trennte», muss dennoch festgehalten werden, dass eine Übereinstimmung ihres Denkens in wesentlichen Punkten vorhanden ist.
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„Si le grain ne meurt“ – Tod und Auferstehung

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← 169 | 170 → Auch wenn sich Strawinsky erst ein paar Jahre später wieder zur orthodoxen Kirche bekannte, so ist dennoch eine Auseinandersetzung mit dem Glauben anhand seiner Werke, die wie auch immer geartetes Religiöses mit einbeziehen, nicht von der Hand zu weisen. Gides Auseinandersetzung mit religiösen und moralischen Fragen fand ebenfalls – wenn auch offensichtlicher für jedermann – in seinem Werk statt. Dadurch, dass es dem Schriftsteller möglich ist, sich in dem ihm vorgegebenen Rahmen eindeutig zu äußern, ist der Sachverhalt einfacher. In Strawinskys Fall bleibt eine genaue Aussage über seine religiöse Einstellung in den frühen Jahren offen. Dass er jedoch kirchlichen Themen – wie Opfertod (Sacre), Teufel (L’histoire du soldat) und Hochzeit (Les noces) – nicht einfach aus seinem Schaffen ausblendete, sondern sie in den künstlerischen Prozess mit einbezog, weist zumindest auf eine geistige Auseinandersetzung mit diesen Themen hin. Bei Werken wie Le sacre du printemps und Les noces steht das Rituelle im Vordergrund. Die Emotion, die beim gläubigen Menschen hinzutritt, wie sie bspw. beim Hören von Mozarts oder Verdis Requiem nachvollzogen werden kann, bleibt ausgespart. Bevor Strawinsky sich religiösen Kompositionen zuwandte, zeigte er noch einmal ein Zerrbild in Form der Choräle in L’histoire du soldat. In diesen Spiegel wollte er später jedoch nicht mehr blicken.

Rückkehr zur Kirche

Erst Mitte der 20er Jahre bekannte sich Strawinsky offiziell wieder zur russisch-orthodoxen Kirche gehörig. In den Gesprächen mit Robert Craft sprach er rückblickend...

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