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André Gide – Igor Strawinsky: "Perséphone"

Von der Idee zum vollendeten Werk bei Betrachtung der verschiedenen Denkweisen von Schriftsteller und Komponist

Andrea Hanft

In Perséphone vereinten zu Beginn der 1930er Jahre mit André Gide und Igor Strawinsky zwei der bedeutendsten Kunstschaffenden ihrer Zeit ihr Können. Diese Studie zielt daher – neben der Nachzeichnung der Entstehungsgeschichte – auf eine Gegenüberstellung der unterschiedlichen Charaktere, die Darstellung ihrer gedanklichen Nähe auf verschiedenen Ebenen sowie die Offenlegung der gegenseitigen Einflussnahme von Musik und Dichtung im Denken der Künstler. Wenn auch Théodore Strawinsky der Meinung war, dass die Zusammenarbeit seines Vaters mit Gide es nicht vermochte, zwei Naturen einander näherzubringen, «die ein Abgrund voneinander trennte», muss dennoch festgehalten werden, dass eine Übereinstimmung ihres Denkens in wesentlichen Punkten vorhanden ist.
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An Stelle von Entwicklung

„Ivresse matinale“

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← 221 | 222 → Auch den Übergang zwischen den beiden ersten Bildern gestaltet Strawinsky im Einklang mit Gides Vorstellungen, ebenso kommt er dem Wunsch nach Stille im Orchester entgegen (nach V. 139, als Persephone von Pluto gerufen wird). Gides einstiger Gedanke, Pluto von einem Bass singen zu lassen,689 findet bei Strawinsky schließlich in der Bassklarinette seinen Widerhall (ab 2 Takte vor Ziffer 117).

Eumolpos’ Bericht vom Pflücken des Granatapfels in der Mitte der Komposition soll nach Gide folgendermaßen begleitet werden: „Rythme accéléré de la musique, ironique et stridente au moment où Mercure, selon le chant d’Eumolpe, bondit pour s’emparer de la grenade.“ Zwar hebt Strawinsky nicht eigens das Pflücken des Granatapfels hervor, jedoch setzt er die Aufgeregtheit, die im Versmaß wie in der Szene liegt – schließlich verschreibt sich die traditionelle Persephone mit dem Biss in den Apfel der Unterwelt –, musikalisch um.

In der unten stehenden Übersicht wird neben der Struktur der Dichtung die Wiederholung von bestimmten Tonfolgen (die den Gesang deutlich prägen) angegeben.

x bezeichnet dabei die ursprüngliche Tonfolge zu Anfang des Stücks (Eumolpos, T. 566–567, 2/8). Sie hat motivischen Charakter, denn obwohl sich der Rhythmus der Tonfolge ändert, bleibt der Gestus gleich. (Siehe die folgenden Notenausschnitte.)

” bedeutet eine Weiterführung von x.

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