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Ethik der Dissidenz

Kritische Theorie und öffentliche Kritik

Stefan Marx

Die öffentliche Kritik verlangt die immanente Kritik der Theorien der Öffentlichkeit. Indem sie nachvollzieht, wie politische Herrschaft in die öffentlichen Diskurse einwandert, ist sie kritische Theorie der Öffentlichkeit. Indem sie eine Kritik am deliberativen Demokratiekonzept entwickelt, ist sie eine Ethik der Dissidenz. Die These ist, dass die agonale Beschaffenheit des Politischen Anforderungen an die Politik stellt, die sich nicht durch permanenten Diskurs bearbeiten lassen, sondern nur durch ein Bewusstsein für die Zerbrechlichkeit politischer Praxis. Dissidenz muss dem, was sich beständig diskursiv als Selbstverständlichkeit etabliert, immer auf neuem Stand opponieren. Sei es die Öffentlichkeit im Nationalsozialismus oder die diskursive Verflüssigung von Souveränität im World Wide Web.
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Historische Dialektiken

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Das Gefühl, das etwas „versäumt ward“ (AGS6: 15) hängt der Geschichtsphilosophie nach, weil sie ihren Anspruch Recht zu behalten nicht in die Tat umsetzen konnte. Der richtige Gedanke, dass die aus den sozialen Situationen aufsteigenden Leidenschaften der Menschen sich als ihre Ideen entgegen ihrer Interessen festsetzen könnten, hat nicht mit der Persistenz des Ideellen gerechnet. Dass sich die materialistische Zielstrebigkeit der Hobbesschen Weltmechanik in den Details der zunehmenden Krise verloren hat, hat die Zuversicht in die Glaubwürdigkeit ganzheitlicher Ansätze erschüttert und zugleich den Drang zum materialistischen Motiv verstärkt. Wenn das Ideal materialistischer Philosophie „eine Funktion der Wirklichkeit“ (Lefèbvre 1966: 133) sein, und sein Subjekt-Objekt im totalen Humanismus finden soll, dann muss der dialektischen Theorie mehr einfallen, als gegen philosophische Traditionen zu verstoßen. Wenn Auschwitz als dem Moment des Umschlags, an dem die permanente Krise historisch unabweislich zum Vorschein kam, der Charakter einer Chiffre für die totale Umkehrung humanistischer Menschheitskonzeptionen zugestanden wird. Nachdem als Reaktion darauf der historische Materialismus im Zuge seiner Re- und Dekonstruktion allmählich zur bloßen Theorie einer vernünftigen Gesellschaft entwickelt wurde, wäre zu ermitteln, wie die aus der Geschichte bezogene Erfahrung nicht nur zur Erkenntnis sondern noch zu bewusster Veränderung benutzt werden kann. Dies muss unter „Preisgabe eines erkenntnismetaphysischen Modells“ (Röd 1986: 304) dazu führen, die Voraussetzungen materialistischer wie idealistischer Grundannahmen gleichermaßen ad absurdum zu führen. Der normative Horizont dieses Unternehmens ist daher nicht, wie Wolfgang...

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