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Lesen und Lesedidaktik aus linguistischer Perspektive

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Iris Rautenberg and Tilo Reißig

Der Sammelband thematisiert Lesen aus linguistischer Perspektive. Dabei werden die verschiedenen Ebenen der sprachlichen Strukturen einzeln in den Blick genommen. Die Rolle der Morphologie für den Leseprozess wird ebenso diskutiert wie die Funktion syntaktischer Markierungen. Weitere Beiträge geben Einblicke in die Prozessebene des Wortlesens oder thematisieren die Typographie und ihre Bedeutung für den Leseprozess. Das Buch stellt die Ergebnisse aktueller empirischer Forschung mit Lernern der Primar- und Sekundarstufe sowie mit literaten Erwachsenen vor. Alle Beiträge diskutieren die Untersuchungsergebnisse auf der Folie schriftlinguistischer Modellierungen. Dabei werden die didaktischen Implikationen sowie die Relevanz für den schulischen Unterricht stets im Blick behalten.
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Lesen und Lesedidaktik aus linguistischer Perspektive

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Innerhalb der Sprachdidaktik exisitiert ein Forschungsdesiderat im Bereich Lesen. Lesen und Lesedidaktik gelten vorwiegend als literaturwissenschaftliche und literaturdidaktische Forschungsdomänen. In aktuellen Publikationen zum Thema Lesen und Lesedidaktik stehen dabei zumeist die Subjektebene sowie die soziale Ebene von Lesekompetenz im Fokus (cf. Rosebrock et al. 2011). So thematisieren zahlreiche Arbeiten die Bereiche literarische Sozialisation, literarische Rezeptionskompetenz sowie Literalitätserziehung (cf. z.B. Kämper-van den Boogaart/Spinner 2010). Insbesondere das Thema Lesesozialisation wird in aktuellen Publikationen umfassend behandelt (z.B. Garbe/Philipp/Ohlsen 2009; Garbe/Holle/Jesch 2010; Groeben/Hurrelmann 2004, 2009; Philipp 2011). Eine linguistische Auseinandersetzung mit der Thematik, bei der Lesen als Prozess unter sprachdidaktischer Perspektive beschrieben wird, findet hingegen im deutschsprachigen Raum bisher kaum statt.

In jenen Arbeiten, in denen der Leseprozess aus kognitionspsychologischer Perspektive beleuchtet wird und somit die Prozessebene des Lesens ins Zentrum der Betrachtung rückt, wird meist von der Textebene ausgegangen. Entsprechend wird beispielsweise im Rahmen der großen Schulleistungsstudien PISA, IGLU und DESI Lesen als der Prozess des Textverstehens definiert (cf. Rosebrock et al. 2011). Thematisiert werden somit überwiegend hierarchiehöhere Verstehensprozesse auf Kognitionsebene, während hierarchieniedrige Dekodierprozesse nur am Rande Berücksichtigung finden. Letztere sind jedoch Voraussetzung für die Ausbildung höherer Verstehensprozesse, denn erst das automatisierte Dekodieren auf Wort- und Satzebene führt zum Aufbau lokaler und globaler Kohärenz beim Lesen (cf. ibid.). Dass diese Prozessebene auch eine hohe didaktische Relevanz hat, zeigt die Tatsache, dass schwache LeserInnen noch im Sekundarstufenbereich eine unzureichende Automatisierung von Textverarbeitungsprozessen im hierarchieniedrigen Bereich zeigen (cf. ibid...

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