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Alter, neuer Kalter Krieg?

Eine philosophiegeschichtliche Analyse des Zusammenhangs von «Sozialismus» und Frieden

Ulrich Knappe

Ist es nicht verwunderlich, mit welcher Präzision der Kalte Krieg an der Ukrainekrise wieder aufbricht? Die alten, eingeübten, systemischen, konfrontativen Denk- und Handlungsmuster sind nicht überwunden, sondern scheinbar nur zurückgedrängt worden. Wenn Verstehen und Verständigung, als Überlebensprinzip im Nuklearzeitalter, jedoch dauerhafter werden sollen, dann lohnt es sich, tiefer zu gehen und nach den überkommenen Ursachen für den neuen Ausbruch der Konfrontation zu suchen. Diese Schrift analysiert das Entstehen, die Existenz und den Untergang des «Sozialismus» und entwirft von daher die Konturen unterschiedlicher Friedenszustände, die diese Gesellschaftsordnung mitgeprägt hat. Ohne diesen weit gefassten philosophisch-historischen Bogen blieben sowohl Umfang und Tiefe der Auseinandersetzung im Kalten Krieg als auch die Wege für einen Annäherungsprozess im Dunkeln.
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Drittes Kapitel: Der sowjetische Totalitarismus (1929 bis 1953)

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Über die Phase totalitärer gesellschaftlicher Entwicklung in der Sowjetunion gibt es bemerkenswerte historische Beiträge. Die Person Stalin tritt häufig in den Mittelpunkt und es scheint so, als habe sich dieses menschliche Ungeheuer in dieser Zeit aufgemacht, einen lange gehegten Plan, seine Paranoia, in Geschichte umzuwandeln. Aber gibt es nicht hinter dem Handeln jedes Menschen Umstände, Verhältnisse, die seinem Handeln eine allgemeine Richtung weisen? Wandeln wir nicht als Antreibende und Angetriebene, als Handelnde und Behandelte durch unsere Lebenszeit? Das soll keine Entschuldigung für individuelle Schuld sein und es liegt mir fern, die Geschehnisse in der Sowjetunion ab 1928/1929 zu bagatellisieren. Aber es ist für mich zu einfach, so etwas einem einzelnen Menschen zuzuschreiben und die Verantwortung auf ihn allein abzuwälzen. Auch im dritten Kapitel soll dem Ansatz gefolgt werden, die geschichtliche Entwicklung gesellschaftlichen Eigentums, das zur Herstellung des Sozialismus führen sollte, zu verfolgen.

Schlägt man das Philosophische Wörterbuch (Leipzig 1971) auf, ein umfangreich recherchiertes und nicht nur in der DDR häufig genutztes Nachschlagewerk, so findet man unter dem Stichwort „gesellschaftliches Eigentum“ keinen Eintrag. Auch unter dem Stichwort „Eigentum“ wird man nicht fündig, sondern man wird nur mit dem Begriff „sozialistischer Eigentumsverhältnisse“ konfrontiert. Bei dem Stichwort „Gesellschaft“ gibt es ebenfalls keinen Hinweis. Lediglich das Stichwort „Sozialismus und Kommunismus“ hält folgende Bestimmungen zum gesellschaftlichen Eigentum bereit139: ← 67 | 68 →

Ist es nicht sonderbar, wenn in einem solch renommierten marxistisch-leninistischen Standardwerk über das ökonomische...

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